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IG Metall Roth-Schwabach hatte Grund zum Feiern

Mit Festakt in der Kulturfabrik Roth hat die Gewerkschaft an die Gründung vor 125 Jahren gedacht - 17.04.2016 19:13 Uhr

7000 IG-Metall-Mitglieder sieht Erster Bevollmächtigter Franz Spieß als realistisches Ziel (oben). Die Schwabacher „Ratschkattln“ (unten) als eifrige Zeitungsleserinnen befassten sich mit der Geschichte der Gewerkschaft und stimmten schließlich „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, die Hymne der Gewerkschafter, an.


Höhepunkt der multimedialen Feierstunde mit Bühnenprogramm und Video-Präsentation war ein Interview mit dem 60-jährigen bayerischen IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler und dem 57-jährigen Johann Horn, Erster Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Ingolstadt. Moderatorin Cornelia von Hardenberg gelang es, mit klugen Fragen eine spannend erzählte Zeitreise von den Anfängen der beiden Gewerkschaftsfunktionäre als Lehrlinge in Nürnberg bis hin zu einem jeweils individuellen Blick in die Zukunft der Gewerkschaftsarbeit zu gestalten. Entscheidend sei in der IG Metall schon immer „praktizierte Solidarität aller Arbeitnehmer“ gewesen, waren beide überzeugt. In diesem Rahmen sah Jürgen Wechsler das weitere Wirken der Gewerkschaft vor allem darin, „das Prinzip des Sozialstaats zu erhalten“, das nur mit starken Gewerkschaften und Betriebsräten gut funktionieren könne.

Johann Horn bezeichnete die Tarifbindung der Betriebe als das Topthema der Zukunft. „Lediglich 50 Prozent der Metall-Arbeitnehmer haben einen Tarifvertrag, dabei kann es nicht bleiben“, so Horn, der ferner einen gesellschaftspolitischen Auftrag der IG Metall sah, der insbesondere dem Rassismus, wie ihn die AfD propagiere, entgegentreten müsse. „Deshalb dürfen wir auch die Abgehängten nicht vergessen, damit kein Riesenspalt durch unsere Gesellschaft geht“.

Jürgen Wechsler hob außerdem hervor, dass es für Deutschland auch in Zukunft wichtig sei, Industrie zu behalten. „Wir dürfen keine Dienstleistungsgesellschaft werden, sondern brauchen industrielle Fertigung und Produkte“, so Wechsler.

Cornelia von Hardenberg wollte anschließend noch einen Überblick zur Treue gewinnen. Als sie nach Mitgliedern fragte, die bereits 60 Jahre und länger an der Solidarität innerhalb der Gewerkschaft mitarbeiten, erhob sich fast eine gesamte Reihe aus Schwabach. Absoluter Spitzenreiter der langjährigen Mitglieder ist der ehemalige Erste Bevollmächtigte Richard Rometsch. Der 86-Jährige ist seit 66 Jahren Mitglied der IG Metall. Der 77-jährige Hermann Bräutigam zahlt seit 63 Jahren Mitgliedsbeitrag, der 79-jährige Franz Kordick ebenso lange. Alle drei sind auch Sozialdemokraten. Waldemar Gabriel bringt es immerhin fast auf 60. Ihm fehlt nur ein Jahr zu sechs Jahrzehnten als Gewerkschafter.

„Mitglieder als Fundament“

Franz Spieß, seit kurzem Erster Bevollmächtigter der für Mittelfranken-Süd zuständigen Geschäftsstelle Schwabach, beschäftigte sich in seinem Ausblick mit dem wichtigsten Kapital der Gewerkschaft. „Zuerst muss man über Mitglieder reden, denn die Mitglieder sind der Kern und das Fundament unseres Handelns“, so Spieß, der seine Vision mit beschrifteten Kartons zwar hoch stapelte, mit dem Anstieg um zehn Prozent auf 7000 Gewerkschaftler in Mittelfranken-Süd bis zum Ende seiner ersten Amtszeit aber ein für ihn realistisches Ziel ausgab. Spieß nahm auch kurz Stellung zur laufenden Tarifrunde. „0,9 Prozent als Angebot der Arbeitgeber sind zu wenig“, meinte er und kündigte ab 28. April erste Aktionen an.

Als einzigen Grußwortredner hatten die Gewerkschafter Landrat Herbert Eckstein geladen. Der SPD-Politiker betonte die Bedeutung einer Gewerkschaft für die regionale Entwicklung und den Bestand der Betriebe. „Starke Betriebsräte haben in schweren Zeiten verantwortlich mitgestaltet und häufig auch unter Verzicht entscheidend mitgeholfen, Betriebe zu erhalten“, skizzierte Eckstein den Einsatz der IG Metall jenseits vom Kampf für bessere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und humane Arbeitsbedingungen. „Ihr habt Großes geleistet, dafür meinen Respekt“, so Eckstein an alle IG-Metall-Mitglieder.

ROBERT SCHMITT

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