Imker erwarten ein schwieriges Honigjahr

6.6.2013, 08:11 Uhr
Eckhard Göll hat ein Händchen für seine Bienen. Er hat seine rund 30 Völker gut über den Winter gebracht.

Eckhard Göll hat ein Händchen für seine Bienen. Er hat seine rund 30 Völker gut über den Winter gebracht. © Arno Heider

Ein Treffen mit dem Hobby-Imker Eckhard Göll aus Schwabach:

„Der Erfolg des Imkers ist extrem abhängig von der Witterung, dem Klima und vor allem der Wetterentwicklung in Frühjahr“, sagt Göll auf die Frage, wie denn seine Bienenvölker den Winter überstanden haben. Er ist froh, dass er seine Hautflügler gut auf den Winter vorbereitet hatte, vor allem im Hinblick auf die Bedrohung durch die Varroa-Milbe. „Rund zehn Prozent Ausfälle habe ich schon“, schätzt der 50-Jährige, er wisse aber von Kollegen, die 30 Prozent und mehr Verluste haben.

Göll wintert nur starke Bienenvölker ein. Er füttert rechtzeitig zu, behandelt auch zeitig im Frühjahr gegen die Vorroa-Milbe, die vor über 20 Jahren aus Asien eingeschleppt wurde, als Bienen-Königinnen und ganze Völker nach Europa importiert wurden. „Die Insekten aus Übersee haben einen anderen Brutzyklus und sind dadurch widerstandsfähiger“, erklärt der Fachmann. „Diese Abwehrkräfte aber haben unsere Bienen nicht, und deshalb sind sie für die Parasiten ein gesundes Fressen.“

Eine Weiselzelle kurz vor dem Schlüpfen einer jungen Königin. Sie wächst in einer sackartigen Behausung (Mitte) heran, die voll mit Gelee Royal gefüllt ist, dem Futter der heranwachsenden Weisel (Königin).

Eine Weiselzelle kurz vor dem Schlüpfen einer jungen Königin. Sie wächst in einer sackartigen Behausung (Mitte) heran, die voll mit Gelee Royal gefüllt ist, dem Futter der heranwachsenden Weisel (Königin). © Arno Heider

Viele besorgte Anfragen

Durch systematisches Einengen der Bienenvölker im Frühjahr versuchte Göll zudem, die Legetätigkeit der Bienenkönigin zu erhöhen, was zu einem vergleichsweise starken und frühen Volksaufbau führt. „Viele Imker machen hier den Fehler und geben den Bienen im Frühjahr zu viel Raum“, weiß der Hobby-Imker mit momentan gut 30 Völkern.

So manchen Anruf hat er in diesem Jahr schon bekommen, ob er nicht ein Volk abgeben kann. Und er ist erfreut über die Sensibilität zum Thema Bienen, die bei vielen Menschen mittlerweile Platz greift: „Besonders heuer haben mich viele besorgte Bekannte und Honigkunden angesprochen, warum denn keine Bienen am blühenden Apfel- oder Kirschbaum herumschwirren, ob das an der Varroa liegt.“

Gefahr durch Pestizide

Pestizide, also chemische Substanzen, die lästige oder schädliche Lebewesen für Pflanzen töten, bezeichnet Eckhard Göll als die größten „externen“ Feinde der Bienen und aller Insekten. Könne der Imker zwar seine individuellen imkerlichen Fehler jedes Jahr neu beheben, so habe er auf die industrielle Landwirtschaft und ihre starken Verbindungen mit der agrochemischen Industrie kaum einen direkten Einfluss.

„Allein die Wähler können hier etwas bewegen“, sagt der 50-Jährige. Die bevorstehenden Wahlen seien eine hervorragende Möglichkeit, die Haltung der Parteien auf Landes- und Bundesebene zu überprüfen, inwieweit sie sich für eine gesunde, gentechnik- und giftfreie Lebensmittelherstellung einsetzen.

Hans Strehl, stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Imkervereinigung aus Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach, ärgerte sich in diesem Zusammenhang via Neumarkter Nachrichten erst vor kurzem, dass er Tausende Bienen vor seinen Brutkästen fände, wenn der Bauer nebenan gespritzt habe. Den Nachweis, dass die Mittel den Bienen schaden, müssten aber regional die Imker führen, und das könne kein Imker finanziell leisten, so der Verbandssprecher.

Keine Bienen, keine Bestäubung

„Die Biene ist der TÜV der Landwirtschaft“, sagt Göll. „Je besser es der Biene in einer landwirtschaftlichen Gegend geht, desto mehr ist es ein Signal, dass die Bauern auf das Ausbringen schädlicher Giftstoffe verzichten.“ „In Schwabach“, so Göll, „wissen Landwirte und Imker, was sie voneinander haben.“ Verbesserungen seien dennoch wünschenswert, so der Zeidler. Direkte Gesprächsrunden zwischen Landwirtschaft und Imkervereinen gibt es seines Wissens nach in unserer Region aber nicht.

Zurück zum Wetter: Fliegen keine Bienen – die machen es eben wirklich von den Wolken abhängig und sind „ein von der Sonne abhängiges Getier“ (Göll) – dann keine Bestäubung von Apfelbaum & Co., dann kein Nektar, dann kein Honig.

Kurzer Zeitraum

Göll verweist darauf, dass beispielsweise Obstbäume nur während eines gewissen Zeitraumes bestäubungsfähig sind. Mal zwei oder drei Tage. Ist die Frist vorbei, dann gibt es kein Obst. „Heuer wird ein schwieriges Honigjahr“, schätzt der Imker mit kritischem Blick auf das lange kalte und nasse Wetter.

Der 50-Jährige wünscht sich, dass Garten- und Hausbesitzer selbst mit kleinstem Grundstück Büsche, Sträucher und Blumen pflanzen, die bienenfreundlich sind. So wäre beispielsweise eine Kornellkirsche oder eine Schlehe, ein Weißdorn oder eine Felsenbirne statt der zwar schönen, aber für die Insektenwelt nutzlose Forsythie ein großer Gewinn für Bienen und anderes Getier.

Lebt die Biene, lebt der Mensch

So könne der Nachbar oder der Landwirt von nebenan dafür sorgen, dass Bienen und Insektenwelt wieder Lebensraum finden. „Lebt die Biene, lebt der Mensch“, meint Göll und verweist damit auf die enorme Bedeutung der Biene als Bestäuber und Honiglieferant für die Natur und die Menschen.

Keine Kommentare