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Impf-Drängler: Rüge für Wendelsteins Kämmerer

Stefan Zeltner hat seine in Pyrbaum lebenden Eltern in Wendelstein impfen lassen - 18.03.2021 12:50 Uhr

Am Ende des Tages waren einige Impfdosen übrig. Deshalb brachte der Kämmerer seine Eltern aus Pyrbaum nach Wendelstein.

22.02.2021 © María José López, dpa


Mit Befremden haben (nicht nur) Wendelsteiner Bürger auf den jüngst bekannt gewordenen Impfdrängler-Fall in Wendelstein reagiert. Er lasse nicht nur moralischen Anstand in Teilen der Rathausführung vermissen, sondern stoße auch bei betagten und gesundheitlich vorbelasteten Wendelsteinern, die seit Wochen auf einen Impfschutz warteten, auf keinerlei Verständnis, kritisierte die Initiative "Bürger gestalten Wendelstein" (IBgW) in einer Pressemitteilung.

Im aktuellen Fall hatte der Wendelsteiner Kämmerer Stefan Zeltner in seiner Funktion als Geschäftsführer der Wendelstein Immobilien, Bau und Service GmbH (WIBS) seine in Pyrbaum (Landkreis Neumarkt) lebenden Eltern mit dem Vakzin impfen lassen, das in der WIBS-Einrichtung für Betreutes Wohnen übrig geblieben war (wir berichteten).

Der Kämmerer und WIBS-Geschäftsführer hatte damit gegen die Impfreihenfolge verstoßen. "Zwar mag die elterliche Fürsorge von Herrn Zeltner menschlich verständlich sein, angesichts seiner Vorbildfunktion ist das Vorgehen dennoch nicht akzeptabel", kritisiert die Initiative.

Ein Fall für die Reserveliste

Zudem sei das Argument, die Impfreste wären sonst verfallen, nicht stichhaltig. Nach Angaben des Landratsamtes Roth besteht vom ersten Tag der Impfung in Alten- und Pflegeheimen an eine Reserveliste mit Ärzten, Polizisten, Feuerwehrleuten und Sanitätern – also auch schon am 28. Januar, dem Tag der besagten Impfungen.

Ein Anruf im Gesundheitsamt oder bei einer Rettungsleitstelle hätte genügt, um in kürzester Zeit Berechtigte für die Impfung zu gewinnen.

Bürgermeister Werner Langhans spricht von einem "unklugen Verhalten" seines Kämmerers in seiner Funktion als WIBS-Geschäftsführer. Das sei zwar rechtlich nicht zu beanstanden. "Es wurden aber moralische Standards verletzt. Ich missbillige das ausdrücklich und habe Herrn Zeltner deswegen gerügt", sagte Langhans der IBgW.

 

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Auf jeden Fall werde er den Fall im Wirtschaftrat der WIBS zur Sprache bringen, kündigte das Gemeindeoberhaupt an. Das sei ein bedauernswerter Einzelfall. So gebe es im lokalen Wendelsteiner Impfzentrum in der Großschwarzenloher Waldhalle inzwischen eine Reserveliste mit zehn Impfinteressenten aus dem Kreis der Priorisierten für den Fall, dass an dem Tag Impfstoff übrig bleibe. So wird das auch in anderen Gemeinden gehandhabt.

Kein Kavaliersdelikt

Derweil macht die IBgW in ihrer Mitteilung deutlich, dass "Verstöße gegen die Impfreihenfolge kein Kavaliersdelikt" seien, sondern in einer der schwersten Krise seit Jahrzehnten die Akzeptanz der Bevölkerung für ein von Mangelwirtschaft geprägtes Impfverteilungssystem untergraben. Dafür hätten Bürger kein Verständnis.

Es spreche auch nicht für die Transparenz im Wendelsteiner Rathaus, dass ein solcher Verstoß eines führenden, zur Vorbildfunktion verpflichteten Mitarbeiters erst durch einen Whistleblower öffentlich werde, so die IBgW. "Hier hätte es Bürgermeister Langhans gut angestanden, von sich aus die Öffentlichkeit zu suchen und sich um Aufklärung zu bemühen."

KLAUS TSCHARNKE/st

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