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Kahnfahrt: Die kleine, aber feine Alternative

Nach dem Ausbau im Frühjahr hat sich die Rednitzhembacher Kahnfahrt gemausert. Überlaufen wie die Strände an den Seen ist die Rednitz aber nicht. - 31.08.2020 14:00 Uhr

An heißen Tagen ist schon ein bisschen Betrieb auf dem Triebwerkskanal der Rednitz. Doch der Andrang ist nicht vergleichbar mit dem an Brombachsee oder Rothsee.

30.08.2020 © Foto: Robert Gerner


Im Mai 2020 wurde die Kahnfahrt Renitzhembach nach dreimonatiger Umbauphase wieder eröffnet, inmitten der Corona-Epedemie. Zunächst war es noch ein bisschen kühl. Doch die heiße Periode im Juli und Anfang August taten der Kahnfahrt gut. Geschäftsführerin Daniela Okrent und Ehemann Roland Laschinger, der Vorsitzende des Vereins "Flotte Finne", hatten da alle Hände voll zu tun – und viel Spaß.

"Bedingt durch Corona sind die Besucherzahlen zwar niedriger als letztes Jahr. Insgesamt ist die Tendenz über die Jahre gesehen aber steigend", zieht Laschinger, den Musikinteressierte vor allem als "Doc Knotz" kennen, zufrieden Zwischenbilanz.

Kürzlich war eine Gruppe da, die einen Einsteigerkurs füt SUPs machte. Doc Knotz bereitete kleine Mahlzeiten vor. So ist das Leben an der Kahnfahrt. Wassersport und Genuss. Daniela Okrent: "Wir haben den Imbiss ein bisschen ausgebaut, neben dem Eiskaffee sind unsere Hot Dogs sehr beliebt."

Gutes Verleihgeschäft

Begeistert ist Okrent vor allem vom Verleihgeschäft. "Das ist wahnsinnig gut angenommen worden. Viele Leute sind im Urlaub nicht weggefahren und suchen sich halt andere Freizeitmöglichkeiten. Davon haben wir auch profitiert. Um uns herum sind ja auch noch Spielplatz und Minigolfplatz. Da kann sich eine Familie den ganzen Tag beschäftigen.

An kühlen und bewölkten Tagen hat Roland „Doc Knotz“ Laschinger schon mal Zeit für kleinere Ausbesserungsarbeiten an einem der Stand-up-Paddle-Boards.

30.08.2020 © Foto: Matthias Hertlein


Okrent hat es keine Sekunde bereut, die Kahnfahrt zu betreiben, auch wenn es lange gedauert hat, bis die Idee vom Ausbau auch umgesetzt werden konnte. Ob tatsächlich der namensgebende Kahn, ob Kanu oder SUP, alles kommt an.

Roland Lachinger: "Familien mit Kleinkindern, Opas mit Enkelkindern bevorzugen das Ruderboot. Wenn die Kinder ein bisschen älter sind, kommt das Kanu dran. Und noch etwa später wird das SUP ausprobiert." Touren mit dem Scooter-Roller nach Roth und Rückkehr mit dem SUP oder dem Kanu kommen ebenfalls gut an.

Alle SUPs registriert

Die Kahnfahrt ist ein Fulltime-Job geworden. Insgesamt fünf Leute schmeißen den Betrieb, eine weitere kommerzielle Ausbreitung ist aber nicht möglich. Daniela Okrent: "Zum einen, weil wir platzmäßig eingeschränkt sind. Außerdem sind wir limitiert von den SUPs und Kanus. Wir sind, so glaube ich, die einzigen weltweit, die ihre SUPs beim Landratsamt registrieren lassen müssen.

Elf SUPs und zwei Big-SUPs sind zugelassen, die vermietet werden dürfen, von daher sind den Betreibern Grenzen gesetzt. Daniela Okrent sowie Noah und Philipp sind ausgebildet als ACA-Intructors. Johannes ist Rettungsschwimmer.

Ein Allrounder

Wie Noah und Philipp arbeitet er auf 450-Euro-Basis. Uwe, der Allrounder, springt mit ein, wenn Not am Mann ist. Roland Laschinger schwärmt: "Wenn du nicht so einen wie ihn hast, kannst das gar nicht machen."

Gutes Team: Philipp, Chefin Daniela und Noah sind ausgebildete Instrucors.

30.08.2020 © Foto: Matthias Hertlein


Der Ausbau der Kahnfahrt hat für die Betreiber schon Folgen: "Früher was alles immer unterm Radar. Jetzt jedoch kommt das Gesundheitsamt regelmäßig, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist", erzählt Laschinger. "Wir haben eine offizielle Gaststätten-Zulassung, da musste ich alle Kurse machen, wie auch alle Mitarbeiter, das hat jetzt hier alles Hand und Fuß."

Bessere Arbeitsabläufe

Das Gastroleben spielt sich im Kiosk, auf rund fünf Quadratmetern, ab. "Durch den Umbau sind aber alle Arbeitsabläufe besser geworden", erklärt Daniela Okrent.

Für die SUPs steht abends ein Bauarbeiter-Anhängerwagen als Garage bereit, die Sanitär-Anlage ist integriert. Besonderer Hingucker: eine Hängematte unterhalb der Brücke. Die ist für mutige Freizeit-Experten gedacht. Wer es bequemer mag, kann die Sonnenterassen in unmittelbarer Rednitznähe genießen und nutzen."

... und dann noch Kaffee machen

Fazit: Die Kahnfahrt hat sich gemausert. Sie ist eine kleine, aber feine Alternative zu anderen Wasser-Freizeiteinrichtungen in Mittelfranken. Aber: Die täglichen Arbeiten rund um den Bootsverleih schlauchen schon. Hinzu kommen Abrechnungs- und Buchhaltungsgeschichten. "Da brauchst du abends um 22 Uhr nichts mehr" (Okrent).

Dann muss aber noch der Kaffee gemacht werden, damit er am nächsten Tag kalt genug für den Eiskaffee ist. E-Mails schreiben, E-Mails beantworten: Vieles hat nichts mit reiner Wasser- und Spaßtätigkeit zu tun. Auch bei der kleinen Kahnfahrt kommen inzwischen die Buchungen für Boot & Co. oft über die Online-Schiene, Touren müssen geplant werden. Ein Haufen Holz halt.

Was fehlt zum Glück an der Rednitz? Danie Okrent lacht: "Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, immer lustige Leute, die es sich bei uns gut gehen lassen und schönes Wetter."

Vom Platz beschränkt

Und prompt kommt noch ein Lob: "Mit unserer Gemeinde Rednitzhembach haben wir schon wirklich großes Glück."

An den zurückliegenden Wochenenden, als es extrem heiß war und das Verkehrschaos rund um Roth- oder Brombachsee ausbrach, hielt sich die Aufregung an der Rednitz in Grenzen. Laschinger: "Es war schon viel los, aber Chaos wie an den Seen hatten wir nicht. Die Leute wissen, dass es bei uns platzmäßig beschränkt ist."

An diesem Wochenende war wetterbedingt nicht viel los. Doch nächstes Wochenende soll es noch einmal schön warm werden. Die Kahnfahrt-Betreiber hoffen auf einen goldenen September und Oktober. "Dann haben wir hier noch viel Spaß."

Fortbildung in Südfrankreich

Der Kahnfahrt-Betrieb läuft nämlich noch weiter, auch wenn die Crew für ein paar Tage nach Seignosse (Südfrankreich) abwandert. Zum Sicherheitstraining und zum Surfen. Gut, wenn man Freunde hat, die dann an der Kahnfahrt einspringen.

MATTHIAS HERTLEIN

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