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Kammerstein: Neue Initiative für Nahwärmenetze

Im Blick sind die Orte Kammerstein, Barthelmesaurach und Haag - 01.05.2021 13:58 Uhr

Holz könnte eine wichtige Energiequelle für das Nahwärmenetz werden.

29.04.2021 © imago images/tchara, NN


An diesem Wochenende werden die Bürgerinnen und Bürger in Kammerstein, Barthelmesaurach und Haag eine Infobroschüre einer neuen Initiative in ihren Briefkästen finden: der „Nahwärme Gemeinde Kammerstein“. Der Name ist Programm: Ziel ist der Aufbau eines Nahwärmenetzes. Der Grundgedanke: „Von Bürgern für Bürger“ in Form von Genossenschaften. Initiator ist der Kammersteiner Gemeinderat Jürgen Melzer, der aber gleich zu Beginn des Gesprächs betont, dass diese Initiative nichts mit der politischen Gemeinde zu tun hat.

Herr Melzer, warum Ihr Engagement?

Wir alle reden von Klimaschutz und Energiewende. Deshalb wollen wir die Möglichkeit bieten, etwas dafür zu tun. Kammerstein ist eine waldreiche Gemeinde. Mit einem effizienten Nahwärmenetz können wir Wärme mit einem nachwachsenden Rohstoff selbst erzeugen und die Wertschöpfung vor Ort lassen. Außerdem bin ich selbst betroffen: Wir heizen unser Haus mit Öl, die Heizung ist über 20 Jahre alt. Da stellt sich die Frage: Was ist der sinnvollste Weg für die Zukunft? In dieser Situation sind viele.

Jürgen Melzer aus Kammerstein.

29.04.2021 © Privat, NN


Ohne in technische Details zu gehen: Was ist ein Nahwärmenetz?

Man baut eine Heizzentrale, die zum Beispiel mit Biogas oder Hackschnitzeln Wärme produziert. Das Warmwasser wird über neue isolierte Leitungen zu den Häusern transportiert. Ein Nebeneffekt könnte zudem sein, dass wir Glasfaserkabel gleich mitverlegen.

Wer baut die Heizzentrale und verlegt die Leitungen?

Eine Möglichkeit wäre, wenn Landwirte etwa eine Hackschnitzelzentrale bauen und die Wärme liefern, oder aber die Genossenschaft übernimmt auch den Part der Wärmeerzeugung. Die Nahwärmenetze bauen in jedem Fall die Genossenschaften, die aus den Bürgerinnen und Bürgern bestehen, die die Wärme abnehmen. Es soll für jedes Projekt eine Genossenschaft gegründet werden. Damit ist eine klare Trennung unter den Genossenschaften und den Beteiligten gegeben. Es wird also keine Quersubventionierung geben.

Die Trassen bedeuten zunächst hohe Investitionskosten. Warum Genossenschaften gründen, wäre das nicht eine wichtige Aufgabe für die Gemeinde?

Als Gemeinderat weiß ich: Eine Gemeinde hat schon sehr viele Aufgaben und kann nicht alles schultern. Ein Gemeinwesen ist auch auf Privatinitiative und Gemeinschaft der Bürger angewiesen. Deshalb ist eine Genossenschaft ein guter Weg.

Spielt die Gemeinde überhaupt eine Rolle?

Bürgermeister Göll und der Gemeinderat unterstützen die Initiative, indem sie das Schulhaus in Barthelmesaurach oder den Hort in Kammerstein ans Netz anschließen würden. Die Gemeinde wäre also Teil der Genossenschaft. Zudem ist sie sehr wichtig, weil die Leitungen vor allem auf öffentlichem Grund verlegt werden würden.

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Die Gemeinde Kammerstein hat viele Ortsteile. Sie haben speziell Kammerstein, Barthelmesaurach und Haag im Blick. Weshalb?

Zum einen sind es die drei größten Ortsteile. Je mehr Häuser angeschlossen werden, desto wirtschaftlicher wird das Nahwärmenetz. Deshalb suchen wir Leute, die mitmachen. Zudem gibt es in Kammerstein bereits eine Biogasanlage und ein weiterer Landwirt wäre bereit, eine Hackschnitzelzentrale zu bauen. In Barthelmesaurach ist 2022/23 die Dorferneuerung geplant. Wenn ohnehin Straßenbauarbeiten laufen, könnte man Wärmeleitungen gleich mitverlegen.

Reden wir über Geld. Kommt eine Heizung per Nahwärme günstiger als eine Ölheizung?

In der Gesamtbetrachtung ja, die eigene Heizanlage und die Öltanks fallen weg und macht braucht lediglich eine Übergabestation und einen Pufferspeicher. Konkrete Zahlen aber kann man noch nicht nennen. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab - etwa von der Trassenlänge, vor allem davon, wie viele sich beteiligen. Deshalb ist dem Informationsflyer ein Erhebungsbogen angefügt, den wir bitten auszufüllen und uns bis spätestens 22. Mai zukommen zu lassen. Kontaktpersonen sind Christian Böhm in Barthelmesaurach, Andreas Lippert in Haag und ich in Kammerstein.

Wie wichtig sind diese Bögen?

Absolut wichtig. Der Rücklauf zeigt, wie groß das Interesse ist. Die Daten bilden die Grundlage, um vernünftig planen zu können. Die Hilpoltsteiner Fachfirma Enerpipe, mit der wir zusammenarbeiten, kann nur so eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung anstellen.

Verpflichtet man sich bereits zu irgendetwas, wenn man den Bogen zurückschickt?

Nein, natürlich nicht. Aber keiner vergibt sich was. Wir bitten einfach um die Chance, die Machbarkeit überhaupt prüfen zu können.

Kontakt unter info@nahwaerme-kammerstein.de

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