"Biogasanlage des Monats"

Kammerstein: Strom und Wärme, sauber und flexibel

Günther Wilhelm
Günther Wilhelm

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21.11.2021, 06:00 Uhr

"Biogasanlage des Monats":  Ehrung für Familie Volkert in Kammerstein. Von links Jürgen Melzer (Initiative Nahwärmenetz), Johannes Volkert, Kurt Volkert, Monika Volkert, Markus Bäuml (Fachverband Biogas) und Kammersteins Bürgermeister Wolfram Göll.  © Günther Wilhelm, NN

Bei der Überreichung der Urkunde an Kurt und Monika Volkert und deren Sohn Johannes hob Bäuml vor allem zwei Markenzeichen hervor: das Wärmekonzept und die Nutzung von Energiepflanzen wie der "Durchwachsenen Silphie".

So ungewöhnlich der Name, so besonders ihre Vorzüge: Die auffällig blühende Silphie wird nicht nur gerne von Bienen angeflogen, sondern die ausgewachsenen Pflanzen kommen auch ohne Pflanzenschutzmittel aus. Und außerdem: "Das ist auch ein Beitrag gegen die Vermaisung", betont Markus Bäuml.

"Biogas kann mehr als Strom"

Zukunftsorientiert sind Volkerts auch und vor allem durch die Kombination von Strom und Wärme. Rund 3,2 Millionen Kilowattstunden im Jahr speisen sie ins öffentliche Netz ein. "Das deckt den Verbrauch von rund 1000 Haushalten", erklärt Kurt Volkert. Und seine Frau Monika ergänzt: "Biogas kann mehr als Strom".

Die Wärme entsteht quasi als Nebenprodukt. Und das lässt sich sehr gut nutzen. Wenige Hundert Meter entfernt in Schattenhof versorgt die Biogasanlage vier Wohnhäuser und im Sommer eine Tabaktrocknungsanlage. Ganz ohne CO2-Abgabe.

Flexible Einspeisung

Aus Gülle und Mist, aus Gras und verschiedenen Pflanzen wird Strom und Wärme. Das ist nicht nur klimafreundlich, sondern - und das betont Bäuml besonders - auch flexibel möglich. Wind? Weht nicht immer. Die Sonne? Scheint nachts eher selten. Biogas? "Diese Anlage kann man regulieren und dann Strom einspeisen, wenn Bedarf ist", erklärt Bäuml. "Das ist ein wichtiger Lückenschluss beim Ausbau erneuerbarer Energien."

Wie aber ist die Flexibilität möglich? Kurt und Moni Volkert zeigen auf die zwei runden Gebäude mit einem gewölbten schwarzen Dach: "Das sind die Gasspeicher." Eigentlich, sagt Markus Bäuml, müsse man für die Energiewende viel mehr Biogasanlagen bauen.

"Das wär eine Todsünde"

Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Ausbau stagniert. "Zu schlechte Rahmenbedingungen", erklärt Bäuml. Nach Kürzungen in den vergangenen Jahren habe es zuletzt aber immerhin Nachbesserungen beim Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gegeben. Für den Betrieb der Familie Volkert läuft die Förderperiode 2026 aus. Und dann? "Das ist die große Frage", antwortet Monika Volkert.

Der Fachverband Biogas hofft, dass die neue Bundesregierung den Anlagenbetreibern eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive bietet. "Es wäre ja eine Todsünde, wenn man funktionierende Anlagen schließen müsste", wird Markus Bäuml deutlich.

Nahwärme auch für Kammerstein?

Doch das Ehepaar Volkert wartet nicht einfach auf die Einsicht der Politik. Die neue Idee: Was in Schattenhof schon seit Jahren funktioniert, könnte auch in Kammerstein klappen. "Wir unterstützen die Pläne für den Aufbau eines Nahwärmenetzes", betonen Kurt und Monika Volkert.

Die ersten Gespräche mit Jürgen Melzer laufen. Er hat mit einigen Mitstreitern eine ehrenamtliche Initiative gestartet, um in Kammerstein, Barthelmesaurach und Haag drei Nahwärmenetze zu entwickeln. In Kammerstein könnte die ortsansässige Biogasanlage ein wichtige Rolle spielen. "Wir wollen die Kooperation mit den Landwirten. Wir möchten ja, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibt. Diese Anlage könnte neben den Hackschnitzeln eine weitere Energiequelle sein", erklärt Jürgen Melzer.

Göll: "Stolz und froh"

Für Bürgermeister Wolfram Göll ist die Biogasanlage der Familie ein Vorzeigebetrieb: "Kammerstein versteht sich ja als Energiegemeinde. Biogas ist dafür ein ganz wichtiger Baustein. Wir sind für eine regionale Energieversorgung statt P53-Leitungen. Deshalb sind wir sind stolz und froh, so eine Anlage bei uns zu haben."

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