15°

Dienstag, 11.05.2021

|

zum Thema

Kammerstein: Wolfram Gölls erstes Jahr als Bürgermeister

Der CSU-Politiker vergleicht den Start mit einem Sprung vom Drei-Meter-Brett. - 01.05.2021 06:00 Uhr

Seit einem Jahr Bürgermeister in Kammerstein: Wolfram Göll (CSU).

27.04.2021 © Günther Wilhelm, NN


Auch in der kleinsten Gemeinde des Landkreises ist die Corona-Pandemie das größte Thema. Erst vor wenigen Tagen hatten Eltern vor dem Rathaus gegen die Corona-Politik demonstriert, vor allem gegen Tests in der Schule.

Wie damit als neuer Bürgermeister umgehen? Zu einem längeren Gespräch sei es nicht gekommen. "Obwohl ich grundsätzlich jeden empfange", sagt Wolfram Göll. "Ich hätte mich mit den Leuten schon zusammengesetzt. In einem Punkt hätte ich ihnen sogar recht gegeben: Es ist schon etwas sinnlos, Kinder in der Schule zu testen, wenn sie zuvor zusammen im Schulbus waren", findet Göll, betont aber gleichzeitig: "Grundsätzlich ist das Testen natürlich sinnvoll, weil auch Kinder das Virus übertragen."

Bisher sei Kammerstein relativ glimpflich durch die Pandemie gekommen. "Toi, toi, toi haben wir noch keinen Toten", erklärt der Bürgermeister. Damit das möglichst so bleibt, unterstützt die Gemeinde die Impfkampagne von Landrat Herbert Eckstein mit dezentralen Impfterminen im Bürgerhaus. Als Erstes waren die "Ü80" dran, wie er sagt, dann die über 75-Jährigen. "Jetzt kommen noch die Ü-70", kündigt er an.

Bürgerkontakt so gut es geht

Corona hat auch dafür gesorgt, dass Göll sein Amt anders ausüben muss als geplant. Dass er auf Menschen zugehen kann, hat er im Wahlkampf bewiesen, sonst hätte er als Neuling aus Schwabach keine Chance gehabt. Nun aber sind große Veranstaltungen nicht möglich - "und damit auch keine informellen Begegnungen", bedauert er. Doch Kontakt ist ihm wichtig.

Deshalb bietet er Bürgersprechstunden, besucht Gottesdienste in Kammerstein und Barthelmesaurach oder gratuliert unter Corona-Regeln Bürgerinnen und Bürgern zu runden Geburtstagen. "Die Rückmeldungen sind sehr, sehr positiv", berichtet Wolfram Göll.

"Ich kann mit Druck umgehen"

Das freut ihn schon deshalb besonders, weil der Wechsel vom Bayern-Kurier-Journalisten zum Rathauschef eine echte Herausforderung gewesen sei. "Ich bin jetzt Dienstvorgesetzter von rund 50 Leuten und trage eine große Verantwortung für die ganze Gemeinde. Das war schon wie ein Sprung vom Drei-Meter-Brett, da muss man sich erstmal freischwimmen", sagt er. "Aber ich kann mit dem Druck umgehen und sehe die Gestaltungsmöglichkeiten. Deshalb komme ich mit täglich wachsender Begeisterung ins Rathaus."

Falsche Erwartungen will er nicht wecken. Aktuelles Beispiel: Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen einen Mobilfunkstandort neben dem Gewerbegebiet Barthelmesaurach. "Ich kann die Bürger verstehen", betont Göll. Deshalb hat er auch das Gespräch mit der Deutschen Funkturm GmbH gesucht. Die aber bleibt bei ihrem Bauantrag. "Wir können das rechtlich nicht verhindern", sagt der Bürgermeister, da will er niemandem etwas vormachen. Dennoch tut er, was möglich ist. Wie berichtet, hat der Gemeinderat das Einvernehmen zu dem 36 Meter hohen Funkturm versagt. Zumindest politisch will man Druck machen.

"Besserer Zusammenhalt"

Doch es gebe auch viele positive Entwicklungen: Die Planungen für die neue Schule sind vorangekommen, der alte Streit präge nicht mehr die Stimmung. "Der Zusammenhalt ist besser geworden, das freut mich sehr", sagt Göll. Das neue Bürgerhaus ist mittlerweile fertiggestellt und im Oktober eröffnet Diakoneo die neue Kita in Barthelmesaurach. Beim Thema Abwasser gibt es Fortschritte wie den Anschluss von Barthelmesaurach an den Aurachsammler. Für das Wohngebiet "Kammerstein Süd 3" laufen die Gespräche mit dem Bauträger, in Haag wurde ein neues Mischgebiet beschlossen. Selbst vermeintlich kleiner Themen wie Glascontainer oder Boxen für Hundetüten nimmt sich Göll an: "Das sind konkrete Anliegen der Bürger."

Konzept für Gemeindeentwicklung

Ein großes Problem ist das Fehlen von Gewerbeflächen. Göll will darüber mit dem Gemeinderat gründlich und in Ruhe beraten: "Wir machen ein Gemeindeentwicklungskonzept. Anfang August soll es dazu ein Seminar des Gemeinderats geben. Darauf setze ich große Hoffnung und ich bin sehr zuversichtlich".

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Kammerstein