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Köftespieß, Diggah? Cringe, aber no front

Endlich dürfen wir beim Jugendwort des Jahres selbst mitwählen. Nicht immer ist das aber eine gute Idee. - 06.09.2020 06:00 Uhr

Na, was wird wohl das Jugendwort des Jahres?

© Peter Kneffel, dpa


Maschallah, es ist schon wieder so weit. Am Mittwoch schon ein bisschen Schabernack gemacht, ganz wyld mit einem Sauftrag? Oder vergessen? No front, Diggah, das muss Dir gar nicht cringe sein. Andere waren bestimmt an diesem Tag auch lost und haben sich eher einen Köftespieß gegönnt.

Ja, Freunde, so sehen sie aus, die zehn Aspiranten für das Jugendwort des Jahres 2020, verpackt in viereinhalb Sätze. Erstmals müssen wir nicht auf das Ergebnis warten, erstmals können wir mit abstimmen, bis 15. September.

Mein persönlicher Tipp ist, dass es weder der Mittwoch noch der Schabernack aufs Stockerl schaffen. Dem Schabernack hat der schon ein wenig vergreist aussehende CDU-Jungpolitiker Philipp Amthor zu neuer Aufmerksamkeit verholfen. Der Mittwoch hat es nur deshalb unter die Top Ten geschafft, weil Jugendliche – Achtung, jetzt kommt ein Scherz! – in der Regel ohnehin nur von Freitagabend bis Sonntag leben und in den Tagen dazwischen eher so vor sich hin vegetieren. Ein Mittwoch könnte für viele also eine ganz neue Erfahrung sein.

Aber ganz im Ernst: Mittwoch schaffte es in die Vorauswahl, weil Jimmy Here schon 2016 "It’s Wednesday, my dudes" sang, was unter anderem auf youtube mächtig einschlug. Oder: Es "trendete", wie Jugendwort-Veranstalter Langenscheidt verkündete. Trotzdem: Mittwoch hat kaum Gewinnchancen.

Auch der Köftespieß geht eher als Außenseiter ins Rennen. Bloß weil der Rapper Xatar nach Verbüßen seiner Haftstrafe Lust auf diese leckere türkische Spezialität hatte, muss man das Wort doch nicht gleich auf den Thron befördern.

Weitere Ausschlusskriterien: wyld liegt, obwohl es auch leidenschaftlich und unkontrollierbar meint, zu nah an seinem Ursprungswort wild, Sauftrag (geplantes Besäufnis) lehne ich aus grundsätzlichen Erwägungen ab.

Fast wie "fei"

Cooler finde ich schon Maschallah, eine Art fränkisches "fei" aus dem arabischen Sprachraum, mit dem junge Leute einmal Gesagtes bewundernd bekräftigen, so zum Beispiel: Maschallah, heute habe ich mich mehr als fünf Schritte von meinen Computer wegbewegt.

Ganz gute Chancen hätte bei mir darüber hinaus lost, vermutlich weil ich selbst immer so plan- und ziellos bin. Auch cringe – peinlich sein, zum Fremdschämen – sind glücklicherweise nicht nur junge Leute. Diggah – freundlich gemeint für Dicker oder Kumpel – ist ebenfalls nicht schlecht.

Wahrscheinlich werde ich mich aber für no front entscheiden. Das kommt mir hier bei der täglichen Arbeit sehr entgegen: anderen Leuten ordentlich die Meinung geigen – und dann ein no front nachschieben, was so viel heißt: Ist ja nicht persönlich gemeint.

Vielleicht stimme ich aber auch gar nicht mit ab. Meine Tochter hat nämlich gesagt, das wäre in meinem Alter cringe. Wahrscheinlich werde ich auf sie hören. Nicht, dass sie sich wegen mir noch zu einem Sauftrag mit Schabernack und Köftespieß verabredet, womöglich noch an einem Mittwoch. Maschallah, das wäre richtig wyld, Diggah.

ROBERT GERNER

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