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Krankenhaus Schwabach: Mehr Patienten, rote Zahlen

Strategischer Partner gesucht - Personelle Konsequenzen - 06.01.2017 05:58 Uhr

„Wir wollen wieder das Vertrauen der niedergelassenen Ärzte gewinnen, dass wir auch schwerere Operationen machen können“, sagt Diakon Klaus Seitzinger, der Geschäftsführer des Stadtkrankenhauses. © Foto: Manuel Mauer


„Besonders erfreulich aber ist, dass nicht nur stationäre Patienten aus Schwabach zu uns kommen, sondern auch aus den angrenzenden Städten und Gemeinden von Nürnberg bis Abenberg“, so Geschäftsführer Diakon Klaus Seitzinger. „Das ist ein klarer Beleg dafür, dass unser Haus in der Region eine hohe Akzeptanz genießt.“

„Breit aufgestellt“

In den meisten Fällen kamen Patienten mit Erkrankungen der Verdauungsorgane in die Regelsbacher Straße. Die Abteilung für Innere Medizin unter Leitung des Ärztlichen Direktors Chefarzt Dr. med. Andreas Stegmaier setzt seit Jahren einen gastro-enterologischen Schwerpunkt, der offensichtlich wahrgenommen wird.

Auf Platz zwei liegen Erkrankungen der Atmungsorgane, auf Rang drei in der Liste der häufigsten Indikationen stehen Schlaganfall-Patienten. Für sie wird auf der sogenannten und zertifizierten „Stroke-Unit“ im Stadtkrankenhaus bestmögliche Versorgung durch ein interdisziplinäres Team sichergestellt.

Des Weiteren in den Top Ten: Patienten mit chronischen Schmerzen, Erkrankungen der Harnorgane, Herzinfarkte, Wirbelsäulenprobleme, endoprothetische Patienten (Hüfte und Knie), Kopf- oder Hautverletzungen.

Kräftig investiert

„Wir sind ein Grundversorger und dementsprechend breit aufgestellt“, so Diakon Klaus Seitzinger. „Bei uns sind Patienten mit Blinddarmentzündungen ebenso gut aufgehoben wie Patienten, die eine neue Hüfte bekommen.“ Um auch im neuen Jahr den Patienten eine bestmögliche Behandlung sowie hohen Komfort anzubieten, hat das Stadtkrankenhaus Schwabach im vergangenen Jahr kräftig investiert. So wurde insbesondere die Endoskopie komplett umgebaut und mit hohem technischen Standard ausgestattet. Insgesamt wurden dafür rund zwei Millionen Euro in die Hand genommen. In den Unterhalt flossen rund 800.000 Euro.

Was steht im neuen Jahr auf dem Programm? „Neben der Erneuerung der Druckluftanlage möchten wir in eine neue Generation der mobilen Röntgenanlage investieren“, so Diakon Seitzinger. „Weiterhin stellen wir einen Förderantrag zur Erneuerung unserer Stromverteilungs- und Notstromanlage.“

Das Stadtkrankenhaus Schwabach bietet insgesamt 170 Betten in den Fachabteilungen Innere Medizin, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Anästhesiologie und Intensivmedizin. Weitere Fachrichtungen sind die Schmerztherapie, die Neurologie, die Kardiologie, Frauenheilkunde sowie die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.

Wieder hohes Defizit

„Insgesamt haben wir eine sehr gute Entwicklung“, fasst Seitzinger zusammen. Und dennoch gibt es Probleme. Seit Jahren schreibt das Stadtkrankenhaus rote Zahlen. 2015 lag das Defizit bei rund 750 000 Euro, insgesamt wurden 7510 Patienten stationär und 13.600 Patienten ambulant behandelt. Für 2016 stehen die genauen Zahlen noch nicht fest. Seitzinger rechnet aber mit einem Verlust von „etwa einer Million“.

Zu kämpfen hat das Stadtkrankenhaus vor allem mit zwei Problemen: den rückläufigen Zahlen im Bereich Allgemeinchirurgie und den Auswirkungen der Krankenhauspolitik.

„Alle anderen Abteilungen laufen gut oder sogar sehr gut, aber die Allgemeinchirurgie ist unser Sorgenkind“, sagt Seitzinger. Hier wurden deutlich weniger Patienten von den niedergelassenen Ärzten nach Schwabach eingewiesen. SPD-Fraktionschef Werner Sittauer, der auch stellvertretender Vorsitzender des Krankenhausaufsichtsrats ist, hatte im Stadt deshalb von einem „Vertrauensverlust“ gesprochen.

Die Folgen zeigen sich in den Belegungszahlen. Insgesamt liegt die Auslastung des Hauses bei 69 Prozent, in den Abteilungen ohne die Allgemeinchirurgie aber bei 81 Prozent. „Und das ist ein sehr guter Wert“, so Seitzinger. Dass er vom gesamten Haus erzielt wurde, haben die Probleme der Allgemeinchirurgie verhindert.

Neuer Chefarzt

Inzwischen hat es personelle Konsequenzen gegeben. Das Stadtkrankenhaus und der für die Allgemeinchirurgie zuständige Chefarzt Professor Dr. Jörg Jonas haben sich im Sommer 2016 getrennt.

Sein Nachfolger wird Dr. Markus Scheuerpflug, bisher Oberarzt an der Kreisklinik Roth. Er wird im Frühjahr — der genaue Termin steht noch nicht fest — nach Schwabach wechseln und soll die Probleme lösen. „Er verfügt über genau das Leistungsspektrum, das wir als Haus der Grundversorung brauchen.“ Seitzinger setzt große Hoffnung in den neuen Chefarzt: „Wir wollen wieder das Vertrauen der niedergelassenen Ärzte gewinnen, dass wir auch schwerere Operationen machen können. Ich bin sicher, dass wir das auch schaffen.“

Auf Partnersuche

Ein noch größeres Problem aber ist die hohe Politik. Deren Ziel heiße ganz klar: Bettenabbau. Gerade kleine Häuser wie Schwabach würden bei der Krankenhausfinanzierung „klar benachteiligt“, sagt Seitzinger. „Die Schere zwischen Erlösen und Kosten geht immer weiter auseinander.“

Deshalb sucht das Stadtkrankenhaus einen „strategischen Partner“, will einen Verbund mit einem anderen Krankenhaus bilden, um wirtschaftlich überleben zu können. Infrage kommt dafür nur ein Krankenhaus aus der Region. Die Entscheidung darüber trifft die Stadt als Eigentümer.

OB Matthias Thürauf aber will sich zum Stand der Gespräche noch nicht äußern, weil er keine Gerüchte befeuern will, wie er im Dezember im Stadtrat erklärte. Experten hielten die Kreisklinik Roth für den eigentlich naheliegenden Partner. Doch dem Vernehmen nach hat der Landkreis Roth mit seiner Kreisklinik kein Interesse an einer Zusammenarbeit.

st/gw

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