Samstag, 07.12.2019

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Landkreis Roth: Wohin mit den Kindern?

Die Zahl der Plätze in den Kinderbetreuungseinrichtungen steigt rasant. Aber auf der anderen Seite wird auch der Bedarf immer größer. - 20.11.2019 06:00 Uhr

Die Zahl der Krippenplätze ist im Landkreis Roth in den vergangenen Jahren verdreifacht worden. Allerdings hat sich auch der Bedarf vervielfacht. Noch vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass man im Krippenbereich für etwa jedes dritte Kind einen Platz vorhalten muss. Inzwischen wird eine 75-Prozent-Abdeckung angestrebt. Drei von vier Kindern benötigen also einen Platz. © Archivfoto: dpa


 

Krippen

Krippen-Neubauten für die Kinder im Alter zwischen vier Monaten und knapp unter drei Jahren waren in vielen Gemeinden in den vergangenen Jahren ein Investitionsschwerpunkt. Die Kapazität wurde in den vergangenen neun Jahren mehr als verdreifacht, derzeit stehen 946 Krippenplätze zur Verfügung, landkreisweit bedeutet das eine Versorgungsquote von 44 Prozent.

Doch der Druck nimmt von zwei Seiten zu. Erstens: Die Geburtenzahlen steigen seit einigen Jahren wieder, 2018 wurden in den 16 Gemeinden exakt 1200 Neugeborene gezählt, das sind knapp 300 mehr als zum Beispiel 2006 (905).

Zweitens: Die Nachfrage nach Krippenplätzen steigt nicht nur, weil es mehr Kinder gibt. Auch weil viele Eltern möglichst schnell nach der Geburt wieder in den Beruf zurück wollen beziehungsweise zurück müssen. Ilse Hoffinger vom Landratsamt Roth glaubt, dass mittelfristig für drei von vier Kinder ein Krippenplatz benötigt wird.

Georgensgmünd ist Spitze

Eine 75-Prozent-Abdeckung hat derzeit aber nur die Gemeinde Georgensgmünd geschafft (84 Prozent). Orte wie Greding, Allersberg (beide 25 Prozent), Roth (26 Prozent), Spalt (27 Prozent), Hilpoltstein (32 Prozent), Röttenbach (33 Prozent) und Rednitzhembach (35 Prozent) sind davon noch weit, weit entfernt. Immerhin für mehr als jedes zweite Kind können Gemeinden wie Wendelstein (62 Prozent), Rohr, Kammerstein (beide 65 Prozent) und Büchenbach (67 Prozent) schon Krippenplätze anbieten.

Immerhin: Zahlreiche Gemeinden haben Krippen-Neubauten im Visier, bis 2022 sollen zu den aktuell 946 Plätzen weitere 444 dazukommen, die meisten in Roth (108), Hilpoltstein (72), Thalmässing (58), Rednitzhembach (36), Kammerstein (36), Greding (30) und Wendelstein (30). Dann stünde man immerhin bei 1390 Plätzen.

Wichtig: Auch mit dem rasant voranschreitenden Ausbau hätten 2022 nur Rohr, Kammerstein, Georgensgmünd und Büchenbach das 75-Prozent-Ausbauziel erreicht. Ein 75-Prozent-Ausbauziel würde nämlich insgesamt etwa 1800 Plätze erfordern.

Kindergarten

Im Kindergartenbereich ist die Lage auf den ersten Blick nicht ganz so dramatisch, weil die Belegungsquoten schon seit Jahrzehnten bei nahe 100 Prozent sind. Ein Mehr an Plätzen wird also nur gebraucht, weil es wieder mehr Kinder gibt. Doch auch das kostet Millionen. Weil darüber hinaus in den vergangenen Jahren einige Kindergärten zu Krippen umfunktioniert wurden, weil sie aufgrund niedrigerer Geburtenzahlen nicht mehr benötigt wurden, muss jetzt neu ausgebaut werden.

Bis 2022 sollen zwischen Rohr und Greding 935 Plätze neu hinzukommen, im Landkreis gäbe es dann 5385 statt derzeit 4562 Kindergarten-Plätze.

Besonders ärgerlich für Büchenbach, Greding, Hilpoltstein, Kammerstein, Rednitzhembach und Wendelstein: Diese sechs Kommunen haben acht Krippen- und Kindergarten-Bauten in der Planung mit insgesamt 539 neuen Plätzen. Dafür hatte der Freistaat im Rahmen eines Sonderinvestitionsprogramms einen erhöhten Zuschuss zugesagt. Obwohl die Gemeinden alle Unterlagen rechtzeitig eingereicht hatten, kam aus Ansbach ein ablehnender Bescheid, weil das Programm überzeichnet war. "Alleine bei diesen acht Maßnahmen geht dadurch den Kommunen ein Zuschuss von über 5,6 Millionen Euro durch die Lappen", klagt Ilse Hoffinger.

Tagespflege/Großtagespflege

Nicht für alle Kinder passt beziehungsweise reicht das Angebot von Krippen oder Kindergärten. Deshalb werden vor allem ganz kleine Kinder auch in der Tagespflege betreut. Die Zahl der Plätze ist hier binnen zehn Jahren von 70 auf 129 angestiegen. Darüber hinaus gibt es 24 Plätze in der so genannten "Großtagespflege", einem vergleichsweise neuen Angebot. Hier schließen sich zwei bis drei Tagesmütter zusammen und betreuen in passenden Räumen bis zu acht Kinder.

Hort

Die Betreuung im Hort wird für viele Eltern immer wichtiger, weil es nicht in jeder Schule ein rein schulisches Ganztagsangebot (offene Ganztagesschule, gebundene Ganztagesschule) gibt. Auch hier werden zu den derzeit existierenden 1400 Plätzen in den nächsten zwei Jahren noch einmal 530 Plätze hinzu kommen. Im Hortbereich hätten die Gemeinden damit das Angebot seit 2009 (473 Plätze) in etwa vervierfacht.

Das ist auch nötig, denn einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung gibt es demnächst nicht mehr nur im Vorschulbereich, sondern bis zum Ende der Grundschulzeit.

Besondere Betreuungsformen

Diese wird in der Heilpädagogischen Tagespflege geleistet. Davon profitieren 170 Kinder in den Einrichtungen in Zell (sieben Gruppen mit 53 Kindern), im Auhof (105 Kinder in elf Gruppen) und in Roth (zwölf Kinder in zwei Gruppen).

Und die Ferien?

Ein großes Problem für viele Eltern ist die Betreuung der Kinder in den Ferien. Mit 30 Tagen Urlaub lassen sich nun einmal nicht 64 Ferientage abdecken. Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren aber ein relativ starkes Netz entwickelt. Die Ferienprogramme der Gemeinden und des Kreisjugendringes gehören zu diesem Netz, auch Krippe, Kindergarten und Hort haben längst nicht so lange zu wie die Schulen. Darüber hinaus bieten Firmen und Behörden in Zusammenarbeit mit Vereinen verstärkte Betreuung in den Ferien an.

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