Mehr als nur ein einfaches Kreuz

23.10.2012, 09:00 Uhr
Bürgermeister, Kunstbeirat und Kunstweg-Führerin zu Besuch im Atelier von Künstler „Tevauha“ (links).

Bürgermeister, Kunstbeirat und Kunstweg-Führerin zu Besuch im Atelier von Künstler „Tevauha“ (links). © Gunther Hess

Ein paar Wochen muss Tevauha noch schweißen, bevor die Skulptur zum Verzinken kommt. Danach muss der Künstler noch nacharbeiten. Den Winter über lagert die Gemeinde die Skulptur ein, wahrscheinlich in der Kläranlage, weil dort genügend Platz zur Verfügung steht.

Gebogene Stahlrohre

Das „Friedhofskreuz“ besteht aus gebogenen Stahlrohren mit einem Durchmesser von 11,5 Zentimetern (Wandstärke 5 Millimeter). Die Balken des Kreuzes sind doppelt und nahe ihrem Schnittpunkt über einige Stege miteinander verbunden. Dadurch entstehen mehrere Fenster, die noch mit farbigem Glas gefüllt werden. Die Doppel-Balken des Hochkreuzes sind nicht parallel angeordnet, sondern gegeneinander verdreht.

Das Kreuz ist nur auf den ersten Blick ein bloßes Kreuz. „Tevauha“ verbindet damit noch andere Gedanken: Seine Skulptur setzt sich mit den wichtigen Bausteinen des Lebens auseinander, mit der DNA und den Chromosomen. Die Balken des Kreuzes mit ihren Stegen stellen zugleich zwei Chromosomen-Stränge dar. Die beiden Chromosomen-Leitern schneiden sich und gehen eine Verbindung ein, wodurch Neues entstehen kann. Damit wird das „Kreuz“ zugleich zum Symbol des sich erneuernden Lebens.

Überdies beabsichtigt der Künstler ein Spiel mit Licht und Schatten. Das „Fenster“ in der Mitte soll einen Lichtpunkt auf den Boden werfen, den die Schatten der blauen Glasfelder umrahmen.

Reichlich Symbolik

Der Kunstbeirat des Gemeinderats hatte das Hochkreuz von Tevauha aus rund 20 Modellen von sechs Künstlern ausgewählt. Die Beiräte wussten zu dem Zeitpunkt allerdings nichts vom Hintersinn, den der Künstler in sein Werk legen wird. Ihnen gefiel einfach der Entwurf des Kreuzes. Dass damit überdies die Genetik des entstehenden Lebens dargestellt wird, entspricht durchaus dem christlichen Kreuzsymbol. Denn nach der Kreuzigung folgte die Auferstehung. Sie wiederum verweist auf den christlichen Glauben an ein Leben nach dem Tod. Man kann das Friedhofskreuz von „Tevauha“ also auf drei Weisen interpretieren: Als Symbol der Kreuzigung Christi (Tod), als Symbol für das Leben nach dem Tod (Auferstehung) und als übergroße Darstellung einer Chromosomen-Doppelhelix, die gerade dabei ist, sich mit einer anderen Doppelhelix zu verbinden.

Fünf Kunstwerke

Das Kreuz wird eines von fünf Kunstweg-Werken in der näheren Umgebung des Friedhofs sein: Das Glaskreuz von Klaus Leo Drechsel in der Aussegnungshalle, die farbige Holzstele des Ungarn J.R. Vollrath im Friedhof, die Fresken in der evangelischen Kirche St. Antonius und St. Laurentius aus dem 15. Jahrhundert und schließlich der Stein-Skulptur „Playing a Love Song Together“ der Künstlerin Ronika Tandi aus Simbabwe/Afrika vor der Musikschule (ehemaliges Rathaus).

Der Stahlbildhauer „Tevauha“ ist auf dem Rednitzhembacher Kunstweg bereits mit zwei Werken vertreten: Schütze und Apfel („Der rostige Richard“, in Anlehnung an den Rednitzhembacher Richard Sichert, der 1979 und 1981 Weltmeister im Armbrustschießen war) an der Rednitz und auf der Insel sowie „Die Sitzende“ auf dem „Bläserturm“ an der Ecke Walpersdorfer Straße/Hochstraße.

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