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Mehr Spritzen möglich: Schwabacher Impfzentrum zieht aus einer Flasche sechs Ampullen

Ermutigendes in Sachen Impfquote, doch die Infektionsraten bleiben hoch - 13.01.2021 16:15 Uhr

Mit dem richtigen Besteck lassen sich sechs statt fünf Ampullen aus einem Fläschchen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs gewinnen. Im Schwabacher Impfzentrum ist das zum Auftakt gelungen, weil die Stadt kurzfristig feiner zu dosierende Spritzen besorgen konnte. Eigentlich wäre das Sache des Freistaates.

13.01.2021 © Foto: Imago


Grund: Die Stadt hatte kurzfristig feinere Spritzen besorgt. Wo und wie? "Na ja", sagt Stadtrechtsrat Knut Engelbrecht bei einem Vorort-Termin im Impfzentrum und windet sich dabei etwas, "wir konnten ein ganz pragmatisches Tauschgeschäft eingehen".

Doch Engelbrecht sagt auch, dass für die Spritzen eigentlich das Gesundheitsministerium zuständig ist (wir berichteten). "Aber ich glaube, der Ruf aus den Impfzentren ist inzwischen bis nach München vorgedrungen."

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Wie berichtet, können mit dem bisher gelieferten Besteck nur fünf Ampullen aus einer Flasche des Biontech/Pfizer-Impfstoffes gewonnen werden. Herkömmliche Spritzen haben vorne eine kleine Ausbuchtung, einen Leerraum, in dem ein Teil des Vakzins zurückbleibt.

Es kommt auf die Spritze an

Das ist grundsätzlich kein Problem, denn ursprünglich hatte Biontech/Pfizer in jede Flasche Impfstoff für fünf Spritzen abgefüllt. Doch schon ganz am Anfang der Impfkampagne war Ärzten aufgefallen, dass die Füllung auch für sechs Ampullen reichen würde – wenn man den Wirkstoff mit der richtigen Spritze aus der Flasche zieht.

Es gibt tatsächlich Spritzen, in denen der Impfstoff – bei der Corona-Impfung werden immer 0,3 Milliliter verimpft – noch genauer dosiert werden kann. Dann reicht das, was der Hersteller in die Fläschchen eingefüllt hat, auch für sechs Impfdosen. Die Impfgeschwindigkeit kann so in der Anfangsphase, wo Impfstoff so knapp ist, um 20 Prozent gesteigert werden.

Doch ist das auch sicher? "Ganz sicher", sagt Gabriele Gross, Krankenschwester am Krankenhaus Schwabach, die am Mittwoch im Schwabacher Impfzentrum etliche Spritzen gesetzt hat. "Mit dem richtigen Handwerkszeug ist das wirklich kein Problem."

Inzidenzwerte steigen leicht

Dass man mit dem Impfen schnell vorankommen sollte, wird deutlich, wenn man auf die neuesten Corona-Zahlen aus der Region blickt. In Schwabach ist die Sieben-Tages-Inzidenz weiter leicht gestiegen, von 165,9 auf 173,3. Bis zur Marke von 200 ist es nicht mehr weit. Ab diesem Wert würde auch für die Stadt die Bewegungseinschränkung auf einen 15-km-Radius gelten.

Insgesamt haben in den vergangenen zehn Monaten 1331 Schwabacherinnen und Schwabacher eine durch Test bestätigte Corona-Infektion durchgemacht. In den vergangenen 24 Stunden kamen 14 neue hinzu.

Immerhin: Nachdem die Stadt am Dienstagnachmittag zwei weitere Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie melden musste, kamen am Mittwoch keine weiteren solcher schlechten Nachrichten hinzu. Es bleibt also bei 68 Verstorbenen, die das Virus in sich trugen. Mehr als zwei Drittel davon lebten in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Landkreis bleibt bei über 200

Im Landkreis Roth bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuansteckungen binnen einer Woche, gerechnet auf 100 000 Einwohner, unverändert hoch. Im Vergleich zum Dienstag steig sie minimal von 246,9 auf 248,5.

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Noch schlimmer ist, dass es laut Robert-Koch-Institut vier neue Todesfälle in Zusammenhang mit Corona gibt, es sind jetzt 79. Das Landrats-amt Roth meldet auf seiner Homepage allerdings noch die Zahl 73.

Für Menschen mit Handicap

Zurück nach Schwabach, beziehungsweise zum Impfzentrum. Der Start klappte ganz gut, aber den Verantwortlichen ist natürlich klar, dass das DJK-Sportheim einen ganz großen Nachteil hat: Es ist nicht barrierefrei. OB Peter Reiß sagt, dass man dran sei, für Gehbehinderte eine barrierefreie Alternative ganz in der Nähe anzubieten. Ganz in der Nähe hat die Stadt bekanntlich selbst einige Immobilien. Dass das Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium ge-
meint sein könnte, will Reiß nicht dementieren – aber auch noch nicht endgültig bestätigen. "Wir werden in den nächsten Tagen sehen, was geht."

Während in Schwabach am Mittwoch also der Betrieb im Impfzentrum vorsichtig gestartet wurde, steht das Impfzentrum in Roth noch immer "nur" in den Startlöchern. Nach wie vor sind mobile Impfteams in den mehr als ein Dutzend Alten- und Pflegeheimen unterwegs, die es zwischen Schwanstetten und Spalt, zwischen Abenberg und Allersberg gibt. Auch die Priorität-Eins-Gruppe in der Kreisklinik hat inzwischen die erste Immunisierung per Spritze bekommen.

Noch in dieser Woche soll aber ein Brief von Landrat Herbert Eckstein an über 8000 Menschen der Generation 80+, die im Landkreis leben, auf die Reise geschickt werden. Dann weiß man auch, wann das Impfzentrum Roth seinen Betrieb aufnimmt. 


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ROBERT GERNER

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