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Neuer Chefarzt für Orthopädie in Schwabach

Dr. Stephan Oehler (46): "Gelenkerhalt geht vor Gelenkersatz" - 25.01.2019 11:59 Uhr

„Ich bin Orthopäde durch und durch“: Dr. Stephan Oehler ist seit Jahresbeginn neuer Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Schwabach. Der Nürnberger hat in Erlangen studiert und war nach Stationen in Regensburg und Bamberg 15 Jahre lang in Rummelsberg als Leitender Oberarzt tätig und hat zuletzt drei Jahre an der Klinik Hallerwiese/Cnopfsche Kinderklinik als Leitender Arzt gewirkt. Zu seinem Profil gehört auch eine Zusatzqualifikation in „Spezieller orthopädischer Chirurgie.“ © Foto: Wilhelm


Das kleine Einmaleins der Orthopädie, Kurzeinführung in die Kunst der Hüftoperation. Dr. Stephan Oehler hat alles zur Hand. "Das ist das Hüftbecken", sagt er und hält ein Modell in die Höhe. Dann zeigt er eine Schale, eine Kugel aus Keramik und einen Schaft aus einer Titanlegierung. "Das ist ein künstliches Gelenk. Die Schale kommt ins Becken, die Kugel am Schaft in die Schale und der Schaft in den Oberschenkelknochen." So weit, so verständlich.

Selbstredend ist es am OP-Tisch nicht ganz so einfach, wie es in drei Sätzen klingt. Sonst bräuchte man keine Spezialisten wie Dr. Oehler. Dafür sind die Ergebnisse so, wie man sie sich eigentlich nur wünschen könne. "Diese Operation funktioniert wirklich gut. 85 Prozent der Hüftprothesen halten 20 Jahre, 97 Prozent immerhin zehn. Was kann ich da noch verbessern? Nix. Besser geht es nicht."

"Auf Fachklinik-Niveau"

Deshalb heißt sein grundlegendes Ziel: den Standard halten. Und der ist am Krankenhaus Schwabach sehr hoch. Denn obwohl es ein relativ kleines Haus ist, gibt es ein "Endoprothetik-Zentrum". Hier arbeiten Spezialisten für Prothesen etwa für Hüfte und Knie. Ihre Arbeit wird von externen Experten geprüft und zertifiziert. "Das Zentrum ist etabliert. Schwabach ist auf Fachklinik-Niveau."

Und deshalb war seine spontane Reaktion, als ihm die Diakonie Neuendettelsau, der neue Träger des Krankenhauses, die Chefarztposition angeboten hat: "Ich hab’ mir gedacht: Das klingt doch interessant." Die Folge: der Wechsel vom Nürnberger Klinikzentrum Hallerwiese/Cnopfsche Kinderklinik nach Schwabach. Seit Jahresbeginn ist er Nachfolger von Dr. Matthias Liebl.

Am Krankenhaus Schwabach gibt es zwei Chirurgie-Abteilungen: Chefarzt Dr. Markus Scheuerpflug leitet die Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Orthopädie und Unfallchirurgie liegt nun in der Verantwortung von Dr. Stephan Oehler.

Neue Erfahrung

Der 46-Jährige verfügt über große Erfahrung. Fachlich wie in der Personalführung. 15 Jahre lang war er in Rummelsberg als Leitender Oberarzt, die letzten drei Jahre als Leitender Arzt in Nürnberg.

Verantwortung ist er gewohnt. Und doch ist die neue Rolle als Chefarzt auch eine neue Erfahrung: "Da gibt es eine ganz andere Erwartungshaltung, aber auch mehr Gestaltungsspielraum." Den will er nutzen.

Und nicht nur dazu, das hohe Niveau zu sichern. "Ich bin Orthopäde durch und durch", beschreibt sich Oehler. Deshalb will er das bereits sehr gut funktionierende Endoprothetik-Zentrum weiterentwickeln und das Angebot ausbauen. "Nach beiden Seiten", sagt der der neue Chefarzt, "nach vorne und hinten".

Entwicklung in zwei Richtungen

"Nach hinten": Damit meint Dr. Oehler die "Revisionen", also den Ersatz des Ersatzes, eine zweite neue Prothese, wenn die erste nach Jahren verschlissen ist. Hauptgrund: der Abrieb. Dank des Hightech-Materials bewege der sich zwar "im Mikrobereich", nach langen Jahren aber sei auch das spürbar. Oehler will die folgenden Revisionen häufiger anbieten und bringt als Operateur die entsprechende Erfahrung mit.

"Nach vorne": Dr. Oehler will ein noch stärkeres Augenmerk auf die Zeit vor der ersten Prothese legen. "Es geht um die für den Patienten beste Lösung. Die muss nicht immer gleich das Kunstgelenk sein."

Und das, obwohl Prothesen-OPs "wirtschaftlich lukrativ" sind, wie er ganz offen sagt, und das Krankenhaus Schwabach auf gute Einnahmen angewiesen ist, um das chronische Defizit zumindest in Grenzen zu halten. Natürlich kennt Dr. Oehler den Vorwurf vieler Krankenhauskritiker, dass in Deutschland zu viel und zu schnell operiert werde.

Der neue Chefarzt steht für den Gegenentwurf: "Ich komme aus einer Schule, in der es hieß: So spät wie möglich." Sein Grundsatz: "Gelenkerhalt vor Gelenkersatz."

Dafür sei er "der Experte im nordbayerischen Raum", betont die Diakonie Neuendettelsau in einer Pressemitteilung.

"Zehn Jahre Zeitgewinn"

Was heißt Gelenkerhalt konkret? "Klassische Orthopädie ist die Veränderung der Mechanik", erklärt Oehler. Chronische Schmerzen sind oft Folge einer Fehlstellung. "Also muss man etwa bei O-Beinen die Achse ändern. Man durchtrennt die Knochen, stellt sie gerade und schraubt sie wieder zusammen."

Die Vorteile dieser OP: "Das funktioniert sehr gut und bringt zehn Jahre Zeitgewinn. Ein Knie zum Beispiel ist unheimlich komplex. Eine Geradestellung bedeutet: Man behält sein Knie und damit sein Gefühl dafür und seine Tiefensensibilität. Danach kann man wieder alles machen, auch Sport – und das ohne Kunstgelenk."

Neue Sprechstunde für Kinder

Dem Gelenkerhalt dient auch die neue "kinderorthopädische Sprechstunde", die ab April angeboten werden soll. "Bei Kindern kann man oft mit minimalen Eingriffen Beine wieder geradestellen." Diese "Wachstumslenkung" helfe, schmerzhafte Spätfolgen zu vermeiden.

Bei diesen Zielen setzt Chefarzt Oehler zum einen auf ein eingespieltes Team mit drei Oberärzten für seine Abteilung und 9,5 Assistenzarztstellen für die gesamte Chirurgie. "Da kann man nicht meckern", sagt Stephan Oehler. "Der Teamgedanke ist mir wichtig."

Deshalb will er die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten, die ihre Patienten ebenfalls im Krankenhaus operieren, weiter pflegen. "Wir haben also ein heterogenes Team, aber im Zentrum alle den gleichen Qualitätsanspruch."

So zuversichtlich der neue Chefarzt in die Zukunft blickt, so sehr ist ihm auch bewusst, dass es unter den Krankenhaus-Mitarbeitern eine gewisse Unsicherheit nach dem Wechsel von der Stadt zur Diakonie Neuendettelsau als hauptsächlichen Träger gibt. Seine Einschätzung?

"Ich komme ja aus der Hallerwiese/Cnopfschen, die auch zum Diakonieverbund gehört. Ich will auch keine Systemkritik üben", sagt er, wird dann aber in diplomatischem Ton doch deutlich: "Ich habe Erfahrung mit städtischen, privaten und kirchlichen Klinikträgern. Die Renditeerwartungen sind da schon unterschiedlich. Ein kirchlicher Träger ist sicher nicht der schlechteste. Ich weiß, wo ich arbeite. Das ist eine bewusste Entscheidung."

Chefarzt Dr. Stephan Oehler wird sich und seine Abteilung bei einem Infoabend am 13. Februar um 18 Uhr im Gesundheitszentrum Galenus neben dem Krankenhaus vorstellen.

gw

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