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Polens Bernsteinküste

Wendelsteiner besuchten Partnerschule in Zukowo - 19.10.2012 09:29 Uhr

Die Wendelsteiner Reisegruppe — hier vor dem Krantor in Danzig — kehrte begeistert von der Fahrt nach Zukowo zurück.

16.10.2012


Seit über zehn Jahren besteht eine innige Partnerschaft zwischen den beiden Grundschulen, wie die wiederholten Besuche und Gegenbesuche verdeutlichen. Die Wendelsteiner traten die 1000 Kilometer weite Reise nach Zukowo mit dem Zug an.

Je näher das Ziel der Reise rückte, desto gemischter wurden die Gefühle mancher Erwachsener und Kinder. Wie sieht es in diesem für viele noch unbekannten Land aus? Wie wird die polnische Familie sein, bei der man eine Woche wohnen wird? Werden sich Gastgeber und Gäste verstehen? Wird es Sprachprobleme geben? Als dann aber der Zug in den Bahnhof einfuhr und am Bahnsteig lächelnde und winkende Erwachsene und Kinder standen, die die Gäste mit Begrüßungspostern, Blumensträußchen und Plüschtieren für die „Kleinen“ empfingen, waren alle Bedenken rasch vergessen.

Der Sonntag gehörte ganz den einzelnen Familien, die ihr Programm individuell gestalten durften. Amüsant war, dass sich dann am Nachmittag viele Familien ohne Absprache im mondänen Seebad Sopot trafen. Natürlich lud das Wetter auch dazu ein, an die Ostsee zu fahren, um am Strand und auf der berühmten 511 m langen Seebrücke entlangzulaufen und die vielen Prachtbauten zu bewundern; unter anderem das „Grand Hotel“, in dem die deutsche Fußballnationalmannschaft einige Tage während der Europameisterschaft 2012 verbrachte.

Am Montag jagte ein Programmpunkt den nächsten. Nach einer Begrüßungsfeier in der Schule mit Theaterstück, Liedern, Gedichten und Reden ging es ins Rathaus von Zukowo. Dort begrüßte der neue Bürgermeister Jerzy Zurawicz die Gäste und ließ Grüße an seinen Wendelsteiner Amtskollegen Werner Langhans ausrichten. Die Besichtigung der Pfarrkirche und des Heimatmuseums und ein Sport- und Spielenachmittag in der Turnhalle füllten den Nachmittag aus.

Barfuß am Strand unterwegs

Der Ausflug nach Leba am Dienstag stellte sicherlich den Höhepunkt – vor allem für die Kinder – dar. Die berühmten weißen Dünen wussten aber auch die Erwachsenen zu begeistern. Der wolkenlose Himmel, der kilometerlange einsame Strand und die spätsommerlichen Temperaturen verführten zum Barfußlaufen und die Kinder zum Bauen von Sandburgen. Tollkühne gingen sogar bis zu den Knien ins Wasser. Der Tag wurde mit dem Besuch des nahen „Seapark“ mit Robbenaufzucht abgerundet.

Im Meeresmuseum von Danzig lernten die jungen Besucher auf kindgerechte Weise viel Wissenswertes.

16.10.2012 © oh


Der Ausflug am Mittwoch nach Danzig war nicht minder beeindruckend. Der Hafen mit dem „Krantor“ (Wahrzeichen), das Museumsschiff „Sodek“, das nagelneue Meeresmuseum mit vielen Aktivitäten für Kinder, die Altstadt mit den Patrizierhäusern, der Besuch einer „Bonbonfabrik“, das Bernsteinmuseum: Alle waren von dieser Stadt fasziniert.

Am Donnerstag war der Besuch des kaschubischen Bildungs- und Friedenszentrums in Szymbark angesagt. Für die Polen ist die Friedenserziehung ein ganz wichtiges Anliegen. Zu besichtigen sind unter anderem eine Baracke aus Sibirien für Kriegsgefangene des 2. Weltkrieges, der Originalzug für die verbannten Polen, ein nachgebauter Bunker und die Friedenskirche. Größte Attraktion ist das verkehrte Haus, das auf das Dach gestellt wurde; das Symbol für eine kranke und verkehrte Welt. Man betritt das Haus durch ein Giebelfenster, nicht durch die Türe, und man läuft eigentlich auf den Zimmerdecken. Am Fußboden oben hängen die Möbel.

Am Freitag ging es nach Gdingen, einer Hafenstadt an der Ostsee. Bis zum letzten gemeinsamen Mittagessen bei „Captain Cook“ blieb noch etwas Zeit zum Bummeln, Einkaufen oder Besichtigen des „Ozeanums“ (Meeresmuseum). Am Nachmittag wartete dann die Fähre auf die Reisegruppe, und es hieß Abschied nehmen. Dabei floss so manche Träne.

So sonnig, warm und schön das Wetter an den vorherigen Tagen war – jetzt kippte es komplett. Kaum auf dem Schiff, war klar, dass sich eine Sturmfront von Rostock aus genau in Richtung polnische Küste bewegte. Die Gastgeber schrieben Tage später, dass in dieser Nacht in Zukowo Bäume entwurzelt wurden, der Strom ausfiel und sie um „ihre Wendelsteiner“ sehr besorgt waren. Doch alles ging gut aus. Die riesige Fähre wurde zwar heftig in der stürmischen Ostsee gebeutelt, aber am Morgen hatten sich Sturm und Meer beruhigt, und die Gruppe konnte wohlbehalten in Rostock an Land gehen.

Alle Teilnehmer der Reise lobten die wunderbare Gastfreundschaft und die sympathischen polnischen Familien. Es sind echte Freundschaften entstanden. Binnen kurzer Zeit verstanden sich Gastgeber und Gäste; Erwachsene und Kinder. Man hatte das Gefühl, als ob man sich schon ewig kennen würde. Nationalitäten und Sprachen spielten überhaupt keine Rolle mehr. Im Frühjahr 2013 wird es zum Gegenbesuch kommen.

 

HORST KANZLER

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