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Radsport: Die Schwalben fliegen nicht mehr

Kurz vor seinem Jubiläumsjahr hat sich der traditionsreiche Nürnberger Radclub aufgelöst. 2022 wäre er 125 Jahre alt geworden. - 24.07.2020 11:42 Uhr

Das Foto aus den 1930er Jahren zeigt die damals aufstrebende Rennradmannschaft des Nürnberger Vereins. Zumindest auf Landesebene sorgte sie für so manchen Erfolg.

24.07.2020 © Foro-Archiv: Manfred Marr


Der erstaunlich rüstige Radsportpionier, der im Kammersteiner Ortsteil Volkersgau wohnt und noch immer regelmäßig in den Sattel steigt, bedauert das Ende des Vereins zwar sehr, doch er bleibt trotz seiner großen Enttäuschung realistisch. "Das Ende war in den letzten Jahren bereits absehbar. Wir hatten schon lange keine Sportler mehr und auch nur noch eine sehr kleine Gruppe Mitglieder", sagt der langjährige Vorsitzende des RC Schwalbe, der sich noch gut an die abwechslungsreiche Vereins-Geschichte der letzten sieben Jahrzehnte erinnern kann.

Doch begonnen haben die einst erfolgreichsten Jahre der Schwalben bereits 50 Jahre vorher.

Gründungsjahr 1897

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert – als die aufstrebende Zweirad-Industrie ihren ersten großen Boom erlebte – wurde 1897 in Nürnberg der "Radsportclub Schwalbe" gegründet. Zunächst war es vor allem die Freude an gemeinsamen Touren, an fröhlichen Ausfahrten und an der Geselligkeit, die man in den ersten Jahren im neuen Verein pflegte. Doch es dauerte nicht lange, bis vor allem die jüngeren Mitglieder auch sportliche Ambitionen zeigten, die bei ersten Radrennen in der Region starteten und dabei immer erfolgreicher wurden.

Leo Käppner war der erste „Star“ des RC Schwalbe. Nach 1910 fuhr er die ersten Erfolge für den Verein ein.

24.07.2020 © Foto-Archiv: Manfred Marr


Schon vor dem ersten Weltkrieg zählten die Sportler des RC Schwalbe auf Bahn und Straße bald zur bayerischen Spitzenklasse. Die ersten Gau- und Bayern-Titel holte damals Leo Käppner bei schweren und langen Straßenrennen. Käppner leitete den Verein danach bis in die 1930er-Jahre.

Mit großem Engagement und Erfolg war man beim RC Schwalbe damals auch im Kunstradfahren und im Radball aktiv. Die Rennmannschaft war zwischen den beiden Weltkriegen in ganz Deutschland berühmt und gefürchtet.

In der Frühzeit hatte der RC Schwalbe auch gute Reigenmannschaften. Hier ein Bild aus den 1920er Jahren.

24.07.2020 © Foro-Archiv: Manfred Marr


Bei den damals sehr langen und schweren Straßenrennen sorgten die Schwalben mit ihren zahlreichen Siegen für Schlagzeilen. Prominentester Rennfahrer der Vereinsgeschichte war ab 1937 der mehrfache Deutsche Sprinter- und Tandem-Meister Georg Voggenreiter, der sich später dem RC Herpersdorf anschloss.

Als erfolgreiche Amateure trugen in den Nachkriegsjahren Walter Käppner jun., Manfred Steger, später Bert Stern, Eckhart Grundmann und Ludwig Eder das blau-weiße Schwalben-Trikot.

Im Radball-Sport, der bei den Schwalben ebenfalls eine lange und erfolgreiche Tradition hatte, zählten die Spieler Kolb, Dittel, Hörl und die Gebrüder Liebing zur bayerischen Spitzenklasse.

Heiße Kämpfe geliefert

Georg Voggenreiter war der beste Radsportler des RC Schwalbe. Später wechselte er nach Herpersdorf.

24.07.2020 © Foto: Manfred Marr


Bis zum Beginn der 1970er-Jahre war der RC Schwalbe im Rennsport neben dem RC Herpersdorf, dem RV Union, dem Ring Nürnberger Rennfahrer und dem Tourenclub Nürnberg im Rennsport der Amateure mit tonangebend. Mit Spitzenfahrern wie den Gebrüdern Knöchelmann, Gerd Herold, Heinz Übler, Gerd Birnbaum und dem Fürther Ex-Meister Karl Loy lieferten die "Schwalben" den Herpersdorfer Lokalrivalen auf Bahn und Straße heiße Kämpfe. Für die letzten Schwalben-Siege sorgten der dreifache bayerische Meister Werner Heidrich und der spurtstarke Jürgen Grempl.

Zusammen mit seinem Vater Arno Heidrich und mit Walter Käppner jun. rettete Werner Heidrich den immer kleiner werdenden Verein über die letzten Jahrzehnte. Regelmäßige Wanderfahrten und Touren hielten die letzten Getreuen des Radsportclubs noch immer gut zusammen. "Der RC Schwalbe darf nicht sterben. Es wäre einfach zu schade, wenn sich ein Verein mit so großer Tradition auflösen würde", hatte Arno Heidrich noch 2007 anlässlich des 110. Vereinsjubiläums betont.

Im August wird Arno Heidrich 91 Jahre alt. 71 Jahre gehörte der dem RC Schwalbe an, viele Jahre war er Vorsitzender.

24.07.2020 © Foto: Manfred Marr


Doch letztlich war der nur der Wunsch Vater des Gedankens. "Nachdem wir ja nicht jünger werden und keine neuen Mitglieder mehr hinzukamen, haben wir uns schweren Herzens nun doch für eine Auflösung entschieden", sagt Frankens ältester Radsport-Pionier sichtlich enttäuscht.

MANFRED MARR

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