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Radteam Herrmann — ein Lichtblick in Frankens Radsportszene

Wurzeln beim RC Herpersdorf — Prominenter Neuzugang: Florenz Knauer - 26.01.2016 10:00 Uhr

Jahr für Jahr werden die Rennveranstaltungen und auch die aktiven Rennsportler immer weniger und – was noch beunruhigender ist – es fehlt in den meisten Vereinen ganz deutlich am Nachwuchs. So haben derzeit in der Region außer dem RC Herpersdorf, dem RV Union Nürnberg und dem RC Wendelstein viele Traditionsvereine wie der RSC Fürth, RC Schwalbe Nürnberg, Tourenklub Schwabach, RC 50 Erlangen und der RC Germania Weißenburg kaum noch Rennsportler in ihren Reihen.

Eine besorgniserregende Entwicklung, die immer deutlicher wird und im krassen Gegensatz zur Situation im deutschen Profi-Radsport steht. Obwohl Deutschlands Profi-Asse John Degenkolb, Marcel Kittel, André Greipel und Tony Martin regelmäßig ganz große internationale Siege erkämpft und in den letzten drei Jahren 19 (!) Etappensiege bei der Tour de France gefeiert haben, bleibt ein neuer Radsportboom wie man ihn einst nach den Erfolgen von Rudi Altig, Didi Thurau und zuletzt bei Jan Ullrich und Erik Zabel erlebt hat, aus. Viel schlimmer noch: Der Radsport stagniert derzeit gewaltig an seinen Wurzeln, auch in Nordbayern.

Bei der Präsentation des „Radteam Herrmann“ standen natürlich die zwölf Elitefahrer im Mittelpunkt © Manfred Marr


Umso mehr darf man sich in Franken nun über den neuen Radsportverein „Radteam Herrmann“ freuen, der im Herbst vergangenen Jahres gegründet wurde mit dem Ziel, den heimischen Rennsport noch mehr als bisher zu fördern.

Unter den rund 30 Mitgliedern des neuen Vereins sind zwölf Fahrer der Männerklasse und zehn Jugendliche Rennsportler. „Teamgeist, Erfahrung, und Spaß sind für uns die wichtigsten Punkte“, erklärte Peter Renner der als 1. Vorsitzender des neuen Radsportvereins weiterhin Mitglied des RC Herpersdorf ist. Dem haben er und seine Teamkameraden viel zu verdanken, denn seine Wurzeln hat das Radteam Herrmann beim RC Herpersdorf.

Der harte Kern

Von 2010 bis 2015 fuhr ein Dutzend fränkischer Amateure sechs Jahre lang mit der Herpersdorfer Lizenz als „Team Marin“ in die bayerische Spitzenklasse. Von diesem Team, das größtenteils aus Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg bestand, waren Peter Renner, Friedrich Meingast, Maximilian Hornung und Christopher Schunk die erfolgreichsten Fahrer. Als Gründungsmitglieder und Spitzenfahrer sind sie nun der harte Kern beim Radteam Herrmann, das von der gleichnamigen Bauzubehör-Firma in Baiersdorf großzügig gesponsert wird.

Initiator und Motor des neuen Vereins ist Peter Renner (28), der seit über zehn Jahren erfolgreich im Sattel sitzt. Ihm gelang es, den Radsport begeisterten Unternehmer Stefan Herrmann als Hauptsponsor zu gewinnen. Mit Sprinter-Ass Christopher Schunk als Vize leitet Renner, der als Arzt am Nürnberger Südklinikum arbeitet, als 1. Vorsitzender die Geschicke des neuen Radsportclubs. „Unser Ziel ist es, in diesem Jahr in der Männer-Eliteklasse Bayerns erfolgreichste Radsportmannschaft zu werden“, sagte Peter Renner bei der Teampräsentation optimistisch.

Besonders wichtig sind für Renner und seine Mitstreiter neben dem Rennsport der Männer auch eine gute Jugendarbeit sowie der Breitensport. Renner selbst, aber auch Christopher Schunk, derzeit Doktorand der Werkstoff-Wissenschaften, werden mit Unterstützung weiterer Mitglieder die Jugendarbeit leiten. Den obligatorischen „Radsport-Funktionär“, der selbst nicht aktiv ist, gibt es bei uns nicht“, erklärt Renner, der sehr gut weiß, dass auf ihn und seine Teamkameraden in den nächsten Wochen eine Menge harter Arbeit zukommt. „Wir haben in den letzten Monaten zehn Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren für den Radsport gewinnen können, die wir entsprechend fördern und ausbilden werden“, verspricht Peter Renner, der außerdem das Männerteam mit sechs Neuzugängen verstärken konnte.

Neuer Start im Team: Auch Florenz Knauer trägt in der neuen Saison das blaue Herrmann-Trikot. © Manfred Marr


Prominentester Neuzugang ist der Lisberger Florenz Knauer. Der 27-jährige Oberfranke, der im Vorjahr 17 Rennen gewonnen hatte, war in den vergangenen drei Jahren Bayerns siegreichster Fahrer. „Für meinen Wechsel zum Radteam Herrmann war entscheidend, dass ich nun wieder für ein Team aus meiner fränkischen Heimat fahren kann“, erklärt Knauer, der 2015 das Trikot eines kanadischen Teams getragen hat. Als Spitzenfahrer des neuen Radteams freut sich der spurtstarke Allrounder auf ein interessantes und umfangreiches Rennprogramm, das er in der neuen Saison nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern gemeinsam mit einem kompletten Team bestreiten wird.

Dabei hat er nur einen Wunsch: „Neben den traditionellen bayerischen Rennen möchte ich auch bei einigen Rundfahrten starten, besonders gerne bei der Oberösterreich-Rundfahrt, bei der ich schon zweimal das Trikot des besten Sprinters gewinnen konnte!“

Erst Gegner, jetzt Partner

Florenz Knauer, der auch als Crossfahrer zur bayerischen Spitzenklasse zählt, freut sich auf seinen ersten Renneinsatz mit den neuen Teamkameraden, die er fast alle als langjährige Gegner sehr gut kennt. „Gerade deshalb denke ich, dass unser Teamwork sehr gut funktionieren wird“, sagt der neue Kapitän des Teams, das wie in den vergangenen Jahren von Dr. Leonard Fraunberger vom Erlanger IQ-Move-Institut der Sportwissenschaften optimal betreut wird. Auch die Ausrüstung der Mannschaft, die mit neuen Teamfahrzeugen des Baiersdorfer Autohauses Baumann versorgt wurde, ist hervorragend. Wie Weltmeister Peter Sagan fahren die „Herrmänner“ 2016 auf den neusten Rennmaschinen der Firma Specialized, gesponsort von der Fahrradecke-Erlangen.

Nach einem kurzen Trainingslager auf Mallorca in der ersten Märzwoche fällt der erste Startschuss der Saison für das Radteam-Herrmann am 26. März am Sachsenring. Eine Woche später wollen die schnellen Franken beim bayerischen Saisonaufakt in Zusmarshausen ganz vorne mitmischen. Die zehn neuen Schüler und Jugendfahrer werden in den Klassen U11 bis U17 erstmals an den Start gehen. „Für sie werden wir nachhaltige und ehrliche Nachwuchsarbeit leisten, um mit beizutragen, dass dem Radsport auch bei Jugendlichen wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil wird“, betont Peter Renner.

Die Nachwuchsförderung ist dem neuen Radsport-Team besonders wichtig. Zehn Nachwuchsfahrer werden in den verschiedenen Altersklassen an den Start gehen. © Manfred Marr


Service für Einsteiger

Um Radsport-Einsteigern den ersten Schritt leichter zu machen, bietet man beim Radteam Herrmann einen besonderen Service. „Wer erste Versuche im Rennsattel machen möchte, kann dies gerne auf unseren Leihrädern tun“, sagt Peter Renner, der dabei nicht nur an Jugendliche denkt.

Bei so viel Engagement für den Zweirad-Sport wollte Baiersdorfs Bürgermeister Andreas Galster, der sich als E-Biker outete, nicht zurückstehen. „Wir sollten nun auch über eine Förderung durch die Stadt Baiersdorf sprechen“, regte Galster an und fragte bei Peter Renner nach: „Warum macht das neue Radteam Herrmann kein Rennen bei uns in Baiersdorf, nachdem heuer das Nürnberger Radrennen ausfällt?“ Noch ehe Vereinsboss Renner, der angenehm überrascht war, darauf antworten konnte, sagte Bürgermeister Galster die Unterstützung der Stadt Baiersdorf für eine Rennveranstaltung noch in diesem Jahr zu.

„Bayerns Verbandsjugendleiter Toni Hornung (Werneck) und Peter Bohmann (Nürnberg), der BRV-Vize-Präsident für den Rennsport, die als Gäste anwesend waren, reagierten darauf prompt mit der Zusage, einen passenden freien Renntermin zu finden. „Ein erfreulicher Abschluss der Teampräsentation, wie man ihn sich kaum schöner hätte wünschen können“, strahlte Hauptsponsor Stefan Herrmann, der als begeisterter Hobby-Radler bei Jedermann-Rennen zur deutschen Spitzenklasse zählt.

Bilderstrecke zum Thema

Wir sind ein Team !!

Training, Wettkampf, Sieg & Niederlage, große Emotionen — das alles kennt jede Sportmannschaft.


Das Radteam Herrmann 2016: Friedrich Meingast, Maximilian Hornung, Maik Hammann, Friedrich Schweizer, Peter Renner, Alés Großberger, Christopher Schunk, Christian Dengler, Peter Förster, Pascal Hartmann, Markus Kolb und Bernd Korndörfer.

www.herrmann-radteam.de
 

MANFRED MARR

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