Raiffeisenbank Roth-Schwabach: Zwei Filialen schließen

4.2.2021, 10:41 Uhr
Das Raiba-Gebäude am Rednitzhembacher Gemeindezentrum – im Hintergrund das Hotel – wird im Besitz der Genossenschaftsbank bleiben. Nur eine Filiale wird es darin dann nicht mehr geben. Stattdessen zieht die Arztpraxis vom ersten Stock ins Erdgeschoss.

Das Raiba-Gebäude am Rednitzhembacher Gemeindezentrum – im Hintergrund das Hotel – wird im Besitz der Genossenschaftsbank bleiben. Nur eine Filiale wird es darin dann nicht mehr geben. Stattdessen zieht die Arztpraxis vom ersten Stock ins Erdgeschoss. © Foto: Robert Gerner

Übrig bleiben dann noch neun Standorte: drei in Schwabach (Raiba-Center, Innenstadt, Wolkersdorf), Roth, Büchenbach, Schwanstetten, Georgensgmünd, Abenberg und Spalt.

"Der Schritt fällt uns nicht leicht", sagt Vorstandsvorsitzender Dr. Carsten Krauß. Aber die rasanten Veränderungen im täglichen Geschäft würden dazu mehr oder weniger zwingen.

Immer mehr digital

Diese Veränderungen sind vor allem mit dem Wort "Digitalisierung" verbunden. Die Kundenfrequenz in den Filialen nimmt tendenziell ab. Immer mehr der 35 000 Privat- und 4500 Geschäftskunden erledigen Transaktionen online oder lassen sich telefonisch oder per Video-Schalte beraten.

Für die täglichen Einkäufe wird immer weniger Bargeld benötigt. Stattdessen zahlen die Menschen auch kleinere Beträge lieber mit Karte oder Handy-App. Corona hat diesen Trend nicht ausgelöst, aber noch einmal verstärkt.

Brief an die Kunden

Unabhängig davon sind mehr als 2000 Kunden in Eckersmühlen und Rednitzhembach direkt von den anstehenden Filialschließungen betroffen. Sie wurden dieser Tage per Brief informiert.

Anlaufstelle für die Eckersmühlener ist künftig die Hauptstelle in Roth am Kugelbühlplatz. Auch die drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Eckersmühlen (und die dortigen Schließfächer) werden in die Kreisstadt umziehen.

Um Geld abzuheben, muss man allerdings nicht die fünf Kilometer auf sich nehmen. Gemeinsam mit der Sparkasse wird die Raiffeisenbank ab April eine SB-Stelle anbieten. "Das Modell hat sich schon seit einigen Jahren in Wassermungenau bewährt", sagt Vorstandsmitglied Richard Oppelt.

Enger zusammenrücken

In schwierigen Zeiten rücken offenbar auch Wettbewerber enger zusammen. "Natürlich ist die Sparkasse ein Konkurrent von uns", schränkt Oppelt ein. Aber mit einem Geldautomat könne man ja kein Geschäft machen. Das sei ein Angebot der Grundversorgung. Dafür könne man sich auch die Kosten teilen. Mit den "Kolleginnen und Kollegen der Sparkasse" gebe es da ein "faires Miteinander".

Während die Raiffeisenbank in Eckersmühlen nur Mieter war, gehört ihr das Raiba-Gebäude am Gemeindezentrum in Rednitzhembach selbst , in dem sie seit mehr als 40 Jahren vertreten war – zuletzt aber nur noch mit einer Teilzeitkraft.

Drei Kilometer weiter

Weil die Arztpraxis im ersten Stock ins barrierefreie Erdgeschoss ziehen möchte, macht die Eigentümerin den Weg frei. Die bisherige Arztpraxis soll zu Wohnraum umfunktioniert werden. Und die Hembacher Raiba-Kunden finden ihren Kundenbetreuer dann ab April im Schwabacher Raiba-Center.

Entfernung: gut drei Kilometer. Ob es wie in Eckersmühlen in Rednitzhembach noch eine Bargeldversorgung mittels Automaten geben wird, steht laut Carsten Krauß noch nicht fest.

"Verwahrentgelt" eingeführt

Im Vergleich zu manchen Großbanken geht es der Raiffeisenbank Roth-Schwabach verhältnismäßig gut, auch wenn eine der drei Ertragssäulen des traditionellen Bankgeschäfts keine Erträge mehr abwirft: das Einlagengeschäft. Wer nur sein Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto parkt, bekommt schon lange keine Zinsen mehr. Und die Bank muss für dieses Geld, das sie bei der Europäischen Zentralbank parkt, Strafzinsen zahlen.

Zu Re-Finanzierung hat die Raiffeisenbank jetzt aber ein so genanntes "Verwahrentgelt" eingeführt. Das heißt: Ab einer bestimmten Höhe bekommt man für sein Geld nicht nur keine Zinsen mehr, man muss auch gewissermaßen eine Miete dafür zahlen, dass die Bank dieses Geld sicher aufbewahrt. "Wir haben uns lange dagegen gewehrt, das einzuführen. Aber letztlich kommen wir nicht mehr darum herum", erklärt Vorstandschef Carsten Krauß.


Raiffeisenbank: Großes Aufgebot bei Verabschiedung


Das "Verwahrentgelt" soll aber die Ausnahme bleiben. "Wir versuchen, mit unseren Kunden in solchen Fällen immer kreative Lösungen zu finden", so Krauß. Das heißt: lukrativere Anlagenformen finden – für den Anleger und für die Bank. Das können Investitionen in Aktien und (nachhaltigen) Fonds sein, in Edelmetalle oder auch in Immobilien, Lebensversicherungen oder Bausparverträgen.

Kundenbeirat nimmt Arbeit auf

Noch etwas ist neu bei der Raiffeisenbank: Sie hat nicht nur einen Aufsichtsrat, sondern seit diesem Jahr auch einen so genannten "Kundenbeirat" – ein Gremium, hochkarätig besetzt mit 20 Persönlichkeiten aus der Region. "Sie haben das Ohr an der Schiene und werden uns helfen, noch besser zu werden", ist Carsten Krauß überzeugt.

Bei allen Sparzwängen: Nicht sparen will die Raiffeisenbank an ihren 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Kurzarbeit ist auch während der Coronakrise kein Thema. Ein Drittel aller Beschäftigten arbeitet in fünf so genannten "Change-Clustern" an der Zukunft der Raiffeisenbank.

Fusion? Vorerst kein Bedarf!

Ob zu dieser Zukunft auch eine mögliche Fusion gehört? "Kein Bedarf derzeit", sagt Krauß. Wie berichtet, war in den vergangenen Jahren sowohl der angekündigte Zusammenschluss mit Altdorf/Feucht als auch der mit Weißenburg-Gunzenhausen geplatzt. "Wir sind klein, aber wir sind mit einem Kundenvolumen von 2,5 Milliarden Euro auch sehr gut aufgestellt", betont der Vorstandschef.


Fusion der Raiffeisenbanken ist geplatzt


Und die Folgen von Corona? Die heimische Wirtschaft wolle man unterstützen, möglichst gut durch die Krise zu kommen. Derzeit sehe man aber keine große Pleitewelle anrollen. Im eigenen Haus spielt die Pandemie bei vielen Entscheidungen eine Rolle. Das Hygienekonzept, das man seit März verfolge, sei aber gut und habe sich bewährt, betont der Vorstandsvorsitzende. Man habe nur einzelne Mitarbeiter gehabt, die positiv auf Covid-19 getestet worden sind.

Der erste davon hieß übrigens: Carsten Krauß.