Sonntag, 18.04.2021

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Reizvolles Rendezvous von Kurzgedichten und Klassik

Wolkersdorfer Kulturtage: Fitzgerald Kusz und das Esterhazy-Quartett trafen sich beim „Vollmond über Nämberch“ - 22.10.2011

Erstmals gastierten die Wolkersdorfer Kulturtage im Schwabacher Bürgerhaus: Fitzgerald Kusz und das Esterhazy-Quartett sorgten für anspruchsvolle Unterhaltung.]

21.10.2011 © Schmitt


Fitzgerald Kusz und das Esterhazy-Quartett Nürnberg haben dort am Donnerstag einen genussvollen literarisch-musikalischen Abend präsentiert, der den selben Titel trug wie ein kürzlich erschienenes Buch des Nürnberger Autors: „Der Vollmond über Nämberch“ enthält Kusz-Gedichte aus 40 Jahren.

„Dem Volk aufs Maul schauen mit einem Schuss Karl Valentin.“ Das macht Kusz’ poetisches Werk aus. Für eine kleine Phase hat der Schriftsteller die Inspiration dafür auch aus einem Schwabacher Umfeld bezogen.

Schwabacher Inspiration

1972 und 1973 war er Studienreferendar am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium. „Erziehung eins“ bis „Erziehung neun“ stammen aus dieser Zeit. Wie herrlich das Fränkische sein kann, demonstriert Fitzgerald Kusz mittels zweier Sonette. Eines mit aussterbenden Schimpfwörtern und eines mit, ja auch das gibt es, fränkischen Koseformen: „Waggerla, Gouderle, Scheißerla.“

Zwei Fenstergucker mit den „Ellabogn auf am Kissla“ sind für ihn ein „Fränkisches Idyll“. Die Bewältigung der Nazizeit klingt weniger harmonisch: „Führer im Kindergarten“, der „Adolf-Dürer-Platz“ und die „Wodanstraße zum Platz der Opfer des Faschismus“ machen ihm zu schaffen.

Der Franke ist wortkarg. Deshalb liebt Fitzgerald Kusz die kürzeste Gedichtform der Welt besonders. Der „Haiku“ stammt aus Japan und hat drei Zeilen mit bis zu sieben Worteinheiten. Wie gemacht für seine Landsleute, findet Kusz: „Für die sind drei Zeilen oft schon sehr viel.“

Eines seiner Kürzestgedichte ist bitterböse: „Bei manche Leit fängt das Arschloch schon in der Waffel o.“ Treffend analysiert. Gilt aber vermutlich für alle Volksstämme.

Kongeniale Begleitung

Das Esthazy-Quartett Nürnberg ist an diesem Abend zur Hälfte ein Wolkersdorfer Ensemble. Neben Chefin und Geigerin Verena Lorenz wohnt auch Bratschist Gunther Hillienhoff in dem Schwabacher Stadtteil. Constanze Friedrich am Cello und Nan Van Hong als zweite Geige komplettieren das Streichquartett.

Verena Lorenz hat ein Programm zusammengestellt, das auf zweierlei Art gut passt. Die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart und Variationen über „Der Mond ist aufgegangen“ orientieren sich kongenial am Titel von Kusz’ Gedichtband. Zugleich sind sie von ihren musikalischen Themen her ebenso bekannt wie die fünfsätzige „Carmen Suite“, die sämtliche „Gassenhauer“ der Bizet-Oper zusammenfasst. Doch das Esterhazy-Quartett mit den vier Profi-Streichern ist breit aufgestellt. Den Auftakt des Abends bildet mit „Nothing else matters“ ein Song der amerikanischen Rockband „Metallica“.

Die Zugabe hat etwas von einer Weltpremiere. Schließlich schrieb der in Schwabach geborene Komponist Adolph von Henselt ausschließlich Stücke für Klavier. Sein „Ave Maria“ gibt es seit kurzem aber auch in einer Bearbeitung für Streichquartett.

ROBERT SCHMITT

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