ICE-Werk

Rohr: Neues ICE-Werk an der Gemeindegrenze?

16.5.2021, 11:00 Uhr
So soll die 450 Meter lange ICE-Werkstatthalle aussehen. Im Raum Nürnberg stehen neun Standorte zur Diskussion, zwei davon tangieren am Rand auch die Gemeinde Rohr. 

So soll die 450 Meter lange ICE-Werkstatthalle aussehen. Im Raum Nürnberg stehen neun Standorte zur Diskussion, zwei davon tangieren am Rand auch die Gemeinde Rohr.  © Foto: Deutsche Bahn

Die Diskussion um das geplante neue ICE-Werk im Raum Nürnberg hat nun auch die Gemeinde Rohr erreicht. Denn zwei der neun von der Bahn ins Auge gefassten Standortkorridore liegen direkt in der Nachbarschaft: bei Raitersaich in der Gemeinde Roßtal und bei Müncherlbach, einem Ortsteil der Stadt Heilsbronn. Ein dritter Untersuchungskorridor liegt näher an Heilsbronn und damit von Rohrer Gebiet weiter entfernt. Im Blick sind deshalb die beiden bei Müncherlbach und vor allem Raitersaich:

"Nur marginal betroffen, aber betroffen"

"Wir sind nur marginal betroffen, aber wir sind betroffen. Der Korridor reicht an unser Gewerbegebiet in Rohr heran und überschreitet einen kleinen Teil unseres Gemeindegebiets sogar. Im Westen reicht der andere Korridor bis in den Bereich bei Göddeldorf", erklärte Rohrs Bürgermeister Felix Fröhlich (SPD) am Mittwochnachmittag bei einem Ortstermin in Raitersaich.


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Zu dem eingeladen hatten Roßtals Bürgermeister Rainer Gegner (SPD) und der Fürther SPD-Bundestagabgeordnete Carsten Träger. Beide sind sich einig: Grundsätzlich sei nichts gegen das Ausbesserungswerk einzuwenden. Man müsse aber genau hinsehen, wo man es bauen könne. Raitersaich sei kein geeigneter Standort. Denn der kleine Ort sei etwa durch das große Stromumspannwerk bereits genug belastet. Carsten Träger will deshalb die regionalen Bundestagsabgeordneten auch der anderen Parteien ansprechen, um zu einer möglichst breiten Ablehnung dieses Standorts zu kommen.

Erste Info im Gemeinderat

In Rohr hat sich der Gemeinderat am Dienstagabend erstmals mit diesem Thema kurz befasst. "Ich habe berichtet, was ich weiß", sagt Felix Fröhlich. Sehr viel sei das allerdings noch nicht. Am 3. Mai hat die Gemeinde eine E-Mail vom Planungsbüro der Bahn erhalten. Darin wurde sie aufgefordert, Unterlagen wie den Flächennutzungsplan zuzusenden.


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Ausführliche Informationen aber habe die Gemeinde noch nicht erhalten. Fröhlich hat deshalb nachgehakt und die Zusicherung bekommen, dass ein Vertreter der Bahn noch in den Gemeinderat kommen werde. Den Ortstermin in Raitersaich nutzte Fröhlich deshalb, um sich direkt zu informieren. "Wir wollen ja ein gut nachbarschaftliches Verhältnis", erklärte er.

ICE-Werk schafft 450 Arbeitsplätze

Die Bahn baut das neue Werk, um ihre ICE-Flotte instand zu halten. Nürnberg ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt. Herzstück der Anlage wird eine 450 Meter lange Halle, in der täglich 25 Züge gewartet werden sollen. Die Gleisanlagen für die An- und Abfahrt sind rund 4,5 Kilometer lang. Laut Angaben der Bahn liegt die Kostenschätzung bei 400 Millionen Euro. Es sollen 450 neue Arbeitsplätze entstehen. Im November soll das Raumordnungsverfahren beginnen. Als Fertigstellungstermin peilt die Bahn 2028 an.

Zuletzt war als Standort vor allem Altenfurt im Gespräch. Dort aber müsste viel Bannwald gerodet werden. Entsprechend groß war und ist der Widerstand etwa des Bund Naturschutz. Auch das ehemalige Muna-Gelände bei Feucht ist in der Diskussion und ebenfalls umstritten.

"Ich tendiere zur Ablehnung"

"Wenn der Widerstand in der Nähe Nürnbergs so groß ist, geht man halt raus aufs Land. So wirkt das ein wenig", sagte Fröhlich. Eine eindeutige Ablehnung formulierte er zwar nicht, da will er dem Gemeinderat nicht vorgreifen. Seine Skepsis war beim Ortstermin aber deutlich hörbar. "Zum guten Ton hätte mehr Information durch die Bahn gehört", findet er.

Vor allem aber sei eine kleine Gemeindeverwaltung durch große Vorhaben bereits stark belastet: "Der A6-Ausbau, die neue Juraleitung, sogar in den Planungen für ein Atommüllendlager ist der Landkreis Roth noch dabei", listete Fröhlich auf. "All die umfangreichen Unterlagen sorgfältig zu prüfen, belastet zeitlich enorm."

Zudem zieht der Bürgermeister einen Vergleich mit dem neuen Flächennutzungsplan der Gemeinde. "Das Bund Naturschutz hat den zu hohen Flächenverbrauch kritisiert, deshalb haben wir auf manches verzichtet. Und jetzt kommt die Bahn mit so einem Großprojekt. Da fragt man sich schon, wo die Planungshoheit der Gemeinde bleibt." Sein Fazit: "Ich persönlich tendiere zu einer Ablehnung."

P53: Es bleibt beim Nein

Ein zweites wichtiges Thema beim Ortstermin war der Neubau der Juraleitung P53. Roßtals Bürgermeister Gegner ist froh, dass eine Verlegung des großen Umspannwerks in Raitersaich vorgesehen ist. Damit werde der Abstand zur Wohnbebauung zumindest größer. Im Moment verlaufen die Leitungen zum Teil direkt über Wohnhäusern.


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Zu den aktuellen Tennet-Plänen für Rohr erklärte Fröhlich: Zunächst sei er froh, dass die Südvariante nicht mehr verfolgt. Dann nämlich wären sechs Ortschaften betroffen gewesen, entlang der Bestandstrasse sind es mit Regelsbach und Leitelshof zwei. Mit der Südvariante wären also neue Belastungen entstanden.

Der jetzigen Trassenkorridor orientiert sich an der Bestandstrasse, sieht bei Regelsbach aber einen Südschwenk vor, um den im Landesentwicklungsplan empfohlenen 400-Meter-Abstand zum Ort möglichst einzuhalten. Auch bei Leitelshof würden die 400 Meter eingehalten.

"Wie Pest und Cholera"

Dennoch sieht Fröhlich hier zwei Probleme. Erstens verlaufe der 100 Meter breite Korridor westlich von Regelsbach teils immer noch näher als 400 Meter zur Wohnbebauung. Hier müsste der Südschwenk deshalb bereits weiter westlich ansetzen.


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Und zweitens verlaufe der Korridor in Höhe des Waldgebiets Wolfsgarten südlich entlang der Bestandstrasse. "Dort ist aber Wald. Es müsste eine Schneise von 60 oder 70 Meter Breite geschlagen werden", sagt Fröhlich.

Besonders wichtig ist dem Bürgermeister aber: "Wir stellen die Notwendigkeit der neues Höchstspannungsleitung weiter grundsätzlich infrage." Die Frage der Varianten sei deshalb wie die Wahl zwischen "Pest und Cholera".

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