Roth: Der Stadtrat lässt wieder Autos in die gute Stube

29.4.2021, 15:00 Uhr
Roth: Der Stadtrat lässt wieder Autos in die gute Stube

© Plan: Stadtbauamt Roth

Ob das Sorgenkind wieder zum Wonneproppen werden kann, auf dem Rother Marktplatz also Frequenz und gesteigerte Umsätze Einzug halten, soll sich nach einer Testphase erweisen. Wie lang die ist, wurde nicht festgelegt, der Bürgermeister wünscht sie sich bis Ende 2022. Mit 18 gegen elf Stimmen (vor allem von SPD und Grünen) beschloss der Stadtrat eine provisorische Einbahnstraße mit Kurzzeitparkplätzen.

Warum soll sich was ändern? Immer wieder klagen Einzelhändler, dass – abgesehen von den Markttagen – zu wenig Frequenz auf dem Marktplatz herrscht, weil die Autofahrer nicht bis zu den Geschäften fahren und parken dürfen.


Kommt eine Einbahnstraße auf dem Rother Marktplatz?


Im (ersten) Corona-Jahr 2020 hat Apotheker Bernhard Eiber dem Bürgermeister eine Liste mit fast 1500 Unterschriften überreicht, um eine Öffnung für Autos zu fordern, aber auch eine attraktivere Gestaltung des Platzes.

Das Herz der Stadt

Was soll geändert werden? Stadtbaumeister Wolfgang Baier hatte sich für die Sitzung Fragen und Antworten überlegt, um den "Gordischen Knoten" rund um den Marktplatz zu lösen. Das "Herz der Stadt" müsse als wichtigster Platz des öffentlichen und bunten Lebens erhalten, als Ort des Einkaufens und Erlebens, aber auch als Wohnort gestärkt werden. Ziele seien also mehr Aufenthaltsqualität (mit Spielgeräten, Bänken, Beschattung und Wasserspiel), mehr Außengastronomie, die Verträglichkeit von Fußgängern, Radlern und Autos sowie die Barrierefreiheit. Nicht aus dem Auge verlieren will Baier dabei, dass man jetzt auch für den Willy-Supf-Platz einen Plan entwickeln kann, dass man das Altstadtquartier West konzipiere und in Kürze das Leoni-Gelände überplant werden soll. Alles in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz.

Die Stadt der kurzen Wege erwähnt er bei seiner Bestandsaufnahme ebenfalls: 1170 Parkplätze gruppieren sich in unmittelbarer Nähe um das Zentrum, und in zwei Gehminuten (100 Meter) gelangt man etwa vom Kufa-Park- zum Marktplatz.

Bäume pflanzen?

Gleichzeitig bringt er Baumpflanzungen ins Spiel: "Früher standen da Bäume. Warum soll das nicht wieder so sein?" Zum Beispiel neben der Fahrspur der noch sichtbaren Hauptstraße. Damit könnten Auto- und Radverkehr voneinander getrennt werden, sagt Baier und zeigt sich damit als Befürworter der Freigabe für Autos. Insgesamt zwölf Kurzzeitparkplätze (vier längs am südlichen Teil des Platzes, acht quer vor dem Brunnen) hält er für machbar. Dagegen sei für einen Wendehammer mit Parkplätzen auf Höhe der Post, wie ihn die SPD-Fraktion in einem Antrag gefordert hatte, nicht genügend Platz. Eine E-Ladesäule, wie von der SPD ebenfalls beantragt, hält er für Autos nicht für sinnvoll ("die haben da nichts zu suchen"). Für E-Fahrräder dagegen schon.

Zugleich solle Barrierefreiheit berücksichtigt werden, mahnt Baier an, der Platz als Ort für Wochenmarkt, Spargelfest oder Challenge-Party müsse genauso in die Planung einbezogen werden wie der Klimaschutzbeschluss (mit kurzen Wegen, Radwegekonzept, Entsiegelung und nachhaltiger Stadtentwicklung) vor wenigen Wochen.

Was soll die Testphase bewirken? Die Hoffnung der Mehrheit der Stadträte (CSU, FW, FDP, Wählergemeinschaft und Die Partei) sowie des Stadtmarketingbeauftragten Mark Bartholl ist, dass "endlich was passiert", damit den Einzelhändlern geholfen wird. Die hätten mit viel Engagement kreative Vorschläge gemacht, die Situation sei sehr ernst.

Eine Vorplanung für die Umgestaltung des Marktplatzes wurde denn auch mit großer Mehrheit (gegen drei Stimmen) angenommen. Auf Antrag von Markus Würth (FW) soll dafür eigens eine Arbeitsgruppe mit interessierten Mitmachern gegründet werden. Das provisorische Einrichten von Sitz- und Spielmöglichkeiten wird von allen befürwortet.

Heftiger Widerstand

Was spricht dagegen? Die Freigabe für Autos als Einbahnstraße ab der Kirche stößt bei SPD, Grünen, der Linken und der Frankenpartei auf heftigen Widerstand: Gefahr für Kinder, wildes Parken nachts und an den Wochenenden, zu schnelles Fahren, aber auch Durchfahren, um schneller vom Süden der Stadt in den Norden zu kommen. Neben all diesen Argumenten – und genügend Parkplätzen in der Nähe – seien Autos auf dem Marktplatz außerdem "ein widersprüchliches Signal".

Und was passiert, wenn die Öffnung nichts bewirkt? Das sei "try and error", meint Befürworter Siegfried Schwab von der Wählergemeinschaft. "Wenn das Experiment scheitert, können wir jederzeit reagieren. Dann drehen wir es zurück."

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