Schonende und konservierene Restaurierung gelobt

3.6.2013, 09:30 Uhr
Beim Anwesen Nürnberger Straße 17 handelt es sich um das frühere Richterhaus. Es ist ein Schmuckstück hier in der ehemaligen Herrengasse, dem „politischen Zentrum“ im Altort von Schwand.

Beim Anwesen Nürnberger Straße 17 handelt es sich um das frühere Richterhaus. Es ist ein Schmuckstück hier in der ehemaligen Herrengasse, dem „politischen Zentrum“ im Altort von Schwand. © Alfred Köhl/Museumsverein Schwanstetten

Der Kern des Richterhauses stammt demnach aus dem 17. Jahrhundert, Aufstockung mit einem Fachwerkgiebel erfolgte 1918. Das Haus steht mit dem Giebel zur Nürnberger Straße. Nördlich ist das alte Schul- und Mesnerhaus, südlich das Wildmeisterhaus. Gemeinsam mit den beiden anderen Gebäuden bildet das Richterhaus ein Ensemble.

Im Hof befand sich eine ältere Scheune, die abgebrochen wurde, nachdem sie 1982 aus der Denkmalliste gestrichen wurde.

Von 1632 (nach der Zerstörung des Ortes durch die Truppen Wallensteins im 30-jährigen Krieg, 1618 bis 1648) bis 1652 amtierte der Richter wegen der Kriegszerstörungen vorübergehend im Pfarrhaus. Von 1638 existiert eine Baurechnung; wahrscheinlich wurde damals das Richterhaus neu aufgebaut.

Richter erstmals 1375 erwähnt

Ein Richter in Schwand wurde übrigens erstmals 1375 urkundlich erwähnt, die niedere und höhere Gerichtsbarkeit war bis 1806 im Ort. Nach dem „Grund- und Lagerbuch“ bewohnte 1886 Julie Meier, geb. Krumm, das Haus. Sie ist wohl eine direkte Nachfahrin der Richterfamilie Krumm, die hier lange Zeit residierte und das Gebäude nach der Auflösung des Amtes übernahm. Nach dem Kataster-Blatt dürfte das Anwesen ursprünglich größer gewesen sein, da das alte Schulhaus (nördlich) wie aus dem Grundstück herausgeschnitten wirkt.

Fachwerkwände ersetzt

Alfred Köhl meint, dass das Richterhaus 1638 als Fachwerkhaus über dem Vorgängerbau errichtet wurde. Die Fachwerk-Wände im Erdgeschoss wurden bis 1966 nach und nach durch solche aus Stein, zum größten Teil wahrscheinlich Sandstein, ersetzt. 1918 wurde das Obergeschoss im „Schweizer Stil“ aufgestockt, der alte Dachstuhl wurde dabei wieder aufgesetzt. Ab 1986 erfolgte eine nach Meinung des Museumsvereins-Autors sehr gute, schonende Restaurierung.

Die Architektur liegt in der Tradition des Wohnstalls begründet, was sich auch an der asymmetrischen Gliederung der Fassade des Erdgeschosses darstellt, die links mit zwei Fenstern eine große Stube und rechts eine Kammer mit einem Fenster andeutet. Das Innere wird traditionsgemäß von einem breiten Gang erschlossen, der etwas auf die rechte Haushälfte verlagert ist. Er mündet in einen rückwärtigen Ausgang.

Die Räume sind allesamt ungewöhnlich hoch und zum kleinen Teil keiner konkreten Nutzung zuzuordnen.

Gericht und Amtsstube

Die große Stube links hat eine Bohlenbalken-Decke. Geheizt wird dieser Raum über einen Kachelofen von der dahinter liegenden Küche aus. Diesen großen Raum hält Alfred Köhl für das ehemalige Sitzungszimmer des Gerichts. Die Kammer rechts, ebenfalls versehen mit einer Bohlenbalken-Decke wäre demnach eventuell die alte Amtsstube. Später wurde sie als Polizeiamtsstube genutzt. Der ehemalige Nutzung der dahinter liegenden Räume ist unklar.

Dahinter liegt der spätere, wohl zur Barockzeit eingebaute Stall unter dem sich (laut mündlicher Überlieferung) ein weiterer Keller mit Brunnen befinden soll. Im ersten Stock war ursprünglich nur der rückwärtige Teil ausgebaut. Dort befindet sich eine erhaltene Stube mit Bohlenbalken-Decke und Kachelofen, an die seitlich eine ursprünglich kleinere Kammer anstieß, die jedoch im Barock erweitert wurde. Mit der Aufstockung wurde auch der Speicher an der Frontseite in Wohnraum umgewandelt, wobei der alte Dachstuhl mit wenigen Ergänzungen eine Etage höher wieder aufgestellt wurde.

Beispielhaft

Allgemeines Urteil von Alfred Köhl vom Museumsverein: Das Gebäude ist baulich sehr gut instandgesetzt. Auch die schonende, konservierende Restaurierung ist beispielhaft

Weiterhin findet sich auf der Internet-Seite des Museums eine Bildergalerie mit Luftbildern aus der Gemeinde. Sie wurde erstmals öffentlich gezeigt in der Ausstellung in der Gemeindehalle zum Walpurgismarkt. Auch von dieser Ausstellung finden sich Bilder.

www.museum-schwanstetten.de

Keine Kommentare