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Dienstag, 04.08.2020

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Schwabach: Halber Neuanfang bei der DJK

Die DJK Schwabach ist seit der Zwangsversteigerung des Geländes an der Huttersbühlstraße zwar schuldenfrei. Doch der Pachtvertrag mit den Investoren läuft nur noch bis Ende Juli 2021. Und dann? Diese Frage kann derzeit niemand beantworten. Auch der neue 1. Vorsitzende Steffen Vogel nicht. - 12.07.2020 12:30 Uhr

Mit dem 32-jährigen Steffen Vogel (4.v.li.) hat die DJK Schwabach endlich wieder einen 1. Vorsitzenden. Viele weitere Vorstandsposten blieben in der Mitgliederversammlung am Freitagabend aber unbesetzt. Deshalb soll es in vier bis sechs Wochen eine weitere außerordentliche Versammlung geben. Auf dem Bild sind von links zu sehen Silvia Heuberger (Schriftführerin), Bürgermeister Emil Heinlein (neuer Beisitzer), Stefan Kosmann (Ehrung für 60 Jahre), Steffen Vogel, Klaus Götz (bisher 2. Vorsitzender und Kassier, künftig Beisitzer und geehrt vom DJK-Bundesverband), Heinrich Billing (Ehrung für 50 Jahre), Armin Nowak (Ehrung vom DJK-Bundesverband) und Bernhard Martini, der Präsident des DJK-Sportverbandes im Diözesanverband Eichstätt. © Foto: Robert Gerner


Hinter Vogel, der früher beim TV 1848 aktiv war und erst vor zwei Jahren zur DJK gestoßen ist, gibt es mit Silvia Heuberger eine Schriftführerin, mit Brigitte Stein eine Gesamtjugendleiterin und mit Klaus Götz und Emil Heinlein zwei Beisitzer. Weitere Vorstände für ein maximales fünfköpfiges gleichberechtiges Vorstandsteam, so wie es die im Februar verabschiedete neue Satzung vorsieht? Fehlanzeige, ebenso wie bei den Posten des Vereinskassiers, des stellvertretenden Vereinskassiers, zwei weiterer Beisitzer und zwei Revisoren.

Emil Heinlein, eingefleischter DJK-ler, Tischtennisspieler und seit Anfang Mai Bürgermeister in Schwabach, gefiel das nicht. "Es geht jetzt um die Existenz des Vereins", sagte er am Ende der Versammlung in einem flammenden Appell. "Ich erwarte, dass jede der sechs Abteilungen Leute für den Vorstand findet." In vier bis sechs Wochen soll es noch einmal eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben, in der dann die Lücken möglichst gefüllt werden sollen.

 

Zu lang Mädchen für alles

 

Klar ist: Wenn die DJK eine Zukunft haben will, dann muss sie bei den sicher schwierigen anstehenden Gesprächen mit den neuen Eigentümern der Immobilien und mit der Stadt mit mehr Manpower auftreten als das in den vergangenen Monaten möglich war. Dem eigentlich als Hauptkassier gewählten Klaus Götz fiel zunächst zusätzlich die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden zu. Und als Vorsitzender Thomas Panni ausstieg, um sich mehr auf seine Arbeit in den beiden Fördervereinen zu konzentrieren, war Götz gewissermaßen Mädchen für alles.

Und dabei ging es für die DJK, einen der traditionsreichsten Sportvereine in Schwabach, zuletzt um alles oder nichts: Nach Überschuldung beantragte die Sparkasse als Hauptgläubiger die Zwangsvollstreckung. Vereinsgaststätte mit Kegelbahn, Sporthalle und das noch 39 Jahre währende Erbbaurecht der Sportplätze – die Grundstücke gehören der Kirche – kamen unter den Hammer. Und brachten im zweiten Anlauf so viel Geld ein, dass dem jetzt schuldenfreien Sportverein ein Neustart bei Null ermöglicht wurde.

 

Theorie und Praxis

 

Doch das ist die Theorie. In der Praxis darf man davon ausgehen, auch wenn das bis jetzt niemand offiziell bestätigen will, dass die Investoren aus Zirndorf auf Dauer mit einem Sportbetrieb – die DJK zahlt jetzt monatlich 1500 Euro Pacht für die Nutzung "ihres" Geländes – nicht viel am Hut haben. Viel lukrativer wäre es, das große Areal an der Huttersbühlstraße zu bebauen.

Möglicherweise haben sich die Ersteigerer der Immobilien und des Erbbaurechts dabei aber verkalkuliert. Die Kirche will daran festhalten, dass in der Halle und auf den Sportplätzen weiterhin Vereinssport betrieben werden soll. Und die Stadt, die theoretisch den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan aufstellen könnte, sieht das ebenso. Denn Sportstätten in der Goldschlägerstadt sind ein knappes Gut. "Da sind wir uns quer durch alle Fraktionen einig", so Bürgermeister Heinlein am Rande der Sitzung.

 

Sieht eher nach Schikane aus

 

Auch wenn das niemand so deutlich sagt: Es ist ein nicht ganz einfaches Verhältnis zwischen den neuen Eigentümern und den Vorgängern, die jetzt nur noch Mieter sind. Das fängt schon bei der Vereinsgaststätte an, die nicht mehr auf klassischem Weg bewirtschaftet werden darf. Weil man möglicherweise nach Ende des jetzigen Mietvertrages, der noch bis Ende Juli 2021 läuft, einen neuen Vereinswirt nicht mehr los wird, so ließen die Investoren wissen.

Bei der DJK hält man das für ein vorgeschobenes Argument. Für die Sportler klingt das vielmehr nach Schikane. "Ohne Sportheim fällt das, was einen Verein ausmacht, nach und nach auseinander", klagte ein Mitglied bei der Versammlung. Was andere wieder vermuten ließ: Vielleicht ist es ja genau das, was die Investoren wollen.

 

Was ist ab August 2021?

 

Die unsicheren Aussichten, die derzeit nur noch knapp 13 Monate in die Zukunft reichen, sind für einige der Abteilungen ein Problem. Ob Fußballer, Kegler, Tischtennis- oder Badmintonspieler: Wer will sich jetzt, da allmählich die Wechselfristen nahen, schon Mannschaften anschließen, von denen man nicht weiß, ob es sie ein Jahr später noch geben wird? "Die Zeit brennt uns unter den Nägeln", sagte Revisor Jens Schmetzer, der "nebenher" auch noch die Fußballmannschaft trainiert, in der Versammlung.

Droht der DJK also eine weitere Schrumpfkur? Schon 2019 waren die Abteilungen Karnevalistischer Tanzsport und Tennis liquidiert worden, aktuell zählt der Verein nur noch etwa 430 Mitglieder. Es gibt nicht wenige im Verein, die bezweifeln, ob es für die DJK eine eigenständige Zukunft gibt. Sicher, nach der Zwangsversteigerung ist der Sportverein schuldenfrei. Doch er lebt bei einem Guthaben von derzeit rund 15 000 Euro gewissermaßen von der Hand in den Mund. Und für eine mögliche Fusion ist ein Sportverein ohne eigenes Gelände natürlich keine besonders attraktive Braut.

Der vom früheren Vorsitzenden Thomas Panni in die Mitgliederversammung eingebrachte Antrag, eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Schwabacher Sportvereinen auszuloten, wurde am Freitagabend aber gar nicht so intensiv diskutiert, Panni zog später den Antrag auch wieder zurück. "Eines nach dem anderen", mahnte Ex-Stadtrat Stefan Kosmann, der zu Beginn der Versammung für 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde. Das heißt: Erst einmal den Vorstand komplettieren und dann Gespräche mit den Investoren, mit der Stadt und zur Not auch mit Nachbarvereinen führen.

 

Die DJK soll DJK bleiben

 

Der neue Vorsitzende Steffen Vogel machte aber schon einmal klar, was er von Fusionen hält: nicht allzu viel. "Ich möchte, dass die DJK die DJK bleibt", sagte er. Selbst einen Rückkauf des Geländes wollte er nicht ausschließen, wofür aber Vor-Vorgänger Thomas Panni keine allzu großen Chancen sieht. "Wir können Sport auf einem geilen Gelände treiben. Aber ich würde in ganz Deutschland keine Bank finden, die uns auch nur einen Euro Kredit gibt. Wir könnten ja keine Sicherheiten bieten."

Doch Vogel hat nach einigen Angaben "schon einige Ideen", den Verein wieder attraktiver auch für junge Mitglieder zu machen. Seine Hoffnung ist, dass er in den nächsten Wochen einige mutige Mitstreiter findet, die mit ihm den leck geschlagenen Dampfer wieder flott bekommen.

 

Ehrungen und Auszeichnungen

 

Auch wenn es bei der DJK um alles oder nichts geht: In einer Mitgliederversammlung gibt es auch Regularien. Und eine dieser Regularien waren die Ehrungen. Neben Stefan Kosmann gehören auch Simon Bock und Herbert Tausch 60 Jahre der DJK Schwabach an. Die Auszeichnungen werden ihnen zu Hause überreicht. Seit 50 Jahren dabei ist Heinrich Billing. Er ist damit automatisch Ehrenmitglied.

Weitere 13 Ehrungen gab es für 40, 30, 20 und 15 Jahre Mitgliedschaft. Für ihren außerordentlichen Einsatz in schwierigen Zeiten erhielten zudem Klaus Götz und Armin Nowak eine Auszeichnung des DJK-Bundesverbandes.

ROBERT GERNER

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