Schwabach: Initiativkreis fordert Ja zum neuen Hallenbad

28.4.2021, 06:00 Uhr
1970 war das Hallenbad ein großer Fortschritt für Schwabach. Inzwischen aber ist die Technik veraltet und das Bad zu klein. Die Pläne für einen Neubau stehen weitgehend. Nun muss der Stadtrat entscheiden, ob er trotz der Steuereinbrüche durch Corona verwirklicht wird.

1970 war das Hallenbad ein großer Fortschritt für Schwabach. Inzwischen aber ist die Technik veraltet und das Bad zu klein. Die Pläne für einen Neubau stehen weitgehend. Nun muss der Stadtrat entscheiden, ob er trotz der Steuereinbrüche durch Corona verwirklicht wird. © Archivfoto: Stadt Schwabach

Die Botschaft ist kurz und klar: "Schwabach braucht ein Hallenbad." Mit diesem Appell richtet sich ein "Initiativkreis" an Oberbürgermeister Peter Reiß (SPD) und den Stadtrat. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Am kommenden Freitag steht die Entscheidung über den seit Jahren diskutierten Neubau auf der Tagesordnung der Stadtrats.


Planungen zu Schwabacher Hallenbad schreiten voran


Das neue Hallenbad ist auch und vor allem für den Schul- und Schwimmsport gedacht. "Diesem Appell haben sich alle Schwabacher Schulen und Elternbeiräte sowie das Schulamt Roth-Schwabach angeschlossen", erklärt Julian Meindl vom Initiativkreis in einer Pressemitteilung. Auch die Wasserwacht, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Schwimmverein Schwabach unterstützen den Aufruf.

Offener Brief

In einem offenen Brief an die Stadträte erinnert der Initiativkreis daran, dass das Projekt schon einmal verschoben werden musste. Wegen der schwierigen Haushaltslage nach der Finanzkrise galt ein Neubau 2014 als nicht bezahlbar.

Inzwischen aber hatten sich die Stadtfinanzen wieder deutlich verbessert, sodass ein zweiter Anlauf zum neuen Hallenbad genommen wurde. Im Stadtrat ist man sich grundsätzlich einig. Allerdings reißt die Corona-Pandemie neue Löcher in den Haushalt. Ein Bundeszuschuss von drei Millionen Euro hat die Chancen für die Projekt aber deutlich erhöht.

Der Initiativkreis lobt den Stadtrat, weil er die Planung wieder aufgenommen hat: "In Zeiten des großen deutschlandweiten Hallenbadsterbens" sei dies "ein positives Signal der Hoffnung auch über die Stadtgrenzen hinaus".

Neue Sorge

Jedoch: "Diese Entwicklung sehen wir nun durch die Coronakrise und die breit angelegte Diskussion über die Fällung der vier Bäume am neu geplanten Standort des Bades gefährdet. Wir befürchten, dass durch diese Verschiebung der Schwerpunkte die wichtigen Gründe aus dem Fokus geraten, die ein Hallenbad in Schwabach notwendig machen", erklärt die Initiative.


Neues Hallenbad: Was tun mit vier wertvollen Linden?


Der "marode Zustand" des 51 Jahre alten Hallenbads lasse keine Verzögerungen mehr zu. Ein modernes Hallenbad sei deshalb "unverzichtbar".

"Land der Nichtschwimmer"

Ein weiteres Argument: "Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass Deutschland und insbesondere Bayern zu einem Land der Nichtschwimmer wird", so der Initiativkreis. "Diese Aussage mag polemisch klingen, ist in ihrem allgemeingültigen Wahrheitsgehalt aber erschreckend zutreffend."

Denn Bayern stelle mit 95 Badetoten im Jahr 2019, darunter auch ein fünfjähriger Junge aus Schwabach, einen traurigen Rekord in Deutschland auf. Auch für das Jahr 2018 vermelde Bayern 89 Tote durch Ertrinken.


Roth und Schwabach bauen kein gemeinsames Bad


Während Ende der 1980er Jahre noch fast 90 Prozent der Bevölkerung schwimmen konnte, sei dies längst nicht mehr der Fall. Nach Studien der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) können knapp 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher oder überhaupt nicht schwimmen.

Gefahr durch Ertrinken

"Ertrinken stellt bei Kindern die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache nach Verkehrsunfällen dar", heißt es in dem Schreiben weiter. "Die persönliche Erfahrung von Grundschullehrerinnen und -lehrern in Schwabach bekräftigt diese Aussage. So sind Klassen mit bis zu 70 Prozent Nichtschwimmeranteil keine Seltenheit mehr. Selbst in Klassen mit niedrigerer Nichtschwimmerquote ist die Ziffer derer, die als unsichere Schwimmer gelten, alarmierend hoch."

Für diese Entwicklung sei zum großen Teil die immer weiter fortschreitenden Bäderschließungen verantwortlich. Jede vierte Grundschule habe keinen Zugang zu einem Bad. Eltern, die ihre Kinder in Schwimmkursen der Schwimmvereine oder der Wasserwacht/DLRG anmelden wollten, müssten sich aufgrund der immer stärkeren Auslastung der verbliebenen Bäder auf mehrere Monate bis Jahre Wartezeit einstellen. "Dies führt dazu, dass viele junge Menschen an einem ehemals weit verbreiteten Teil unserer Kultur nicht mehr teilhaben können. Auch in Schwabach wird sich diese Situation in Zukunft nochmals weiter verschärfen", so die Befürchtung.

Diese nicht mehr tragbare Entwicklung sei auch von staatlicher Seite erkannt worden. Dies zeigten Kampagnen wie "Bayern schwimmt" von der Wasserwacht Bayern unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Aigner und Kultusminister Piazolo sowie die Initiative des Kultusministeriums "Schwimmen in der Grundschule". Sie soll die schwimmspezifische Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer vertiefen. Doch hierfür benötige es Bäder.

"Wir bitten inständig"

"Nimmt man die genannten Probleme ernst, muss die Schlussfolgerung gezogen werden, dass sich die Stadt Schwabach als familienfreundliche Schulstadt den Wegfall des Hallenbades ohne angemessenen Neubau nicht leisten kann", betont die Initiative. "Auch in Krisenzeiten muss deutlich klargestellt werden, dass ein Hallenbad in Schwabach kein Luxus ist. Wir bitten inständig, sich die genannten Probleme vor Augen zu führen." Zudem seien die zugesagten Zuschüsse "eine einmalige Gelegenheit".

(Sollte die Karte nicht dargestellt werden, klicken Sie bitte auf diesen Link.)

Keine Kommentare