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Schwabach: Keine Bienen ohne Imker

Eckhard Göll: Heimische Honigbienen sind ohne intensive Pflege vom Aussterben bedroht. - 11.05.2019 06:00 Uhr

Einblick in die Imkerei: Eckhard Göll vermittelte den Kern-Schülern einige Grundkenntnisse dieses für die heimischen Bienen lebenswichtigen Hobbies. © Foto: Robert Schmitt


"Auch die heimische Honigbiene wäre wohl schon ausgestorben, gäbe es keine Imker", sagt Eckhard Göll, "denn in den heutigen Wäldern, Feldern und Wiesen bestehen keine adäquaten Lebensmöglichkeiten mehr für sie." Ausschließlich die Intensivpflege der Imker halte die Honigbiene am Leben.

Bio-Unterricht live

Wie sie aussieht und welch große Bedeutung die Biene für den Menschen besitzt, das hat der Schwabacher Imker mit seinem Reichelsdorfer Kollegen Gerhard Pallin der Klasse 5c der Johannes-Kern-Schule nahegebracht. 22 Schüler und zwei Lehrerinnen haben Gölls Völker in der grünen Nähe des Katzwanger S-Bahnhofs besucht. Göll und Pallin erklärten dabei Haltung und Pflege der Bienen, schilderten den Weg vom Nektar zum Honig und zeigten den Kids den Aufbau eines Bienenstocks samt Waben.

Bestäubung noch wichtiger als Honig

Der Wert der Honigbiene liegt letztlich nur im geringen Umfang in der Honigproduktion. Sehr viel bedeutender sei ihre Bestäubungsleistung für etliche Nahrungs- und andere Pflanzen. Göll erklärt die Kettenreaktion: "Ohne Imker keine Biene, ohne Biene keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Ernte."

Zugleich schilderten die beiden Bienenspezialisten die Bedrohungen der Bienenzucht: Varroa-Milbe, zunehmende Trockenheit und intensive Landwirtschaft. "Wir wollen kein Bauern-Bashing betreiben, aber aus imkerlicher Sicht ist die Ökonomisierung der Landwirtschaft ein Problem", betonte Göll. In Schwabach jedoch, fügte er hinzu, spiele der Pestizideinsatz "keine wirkliche Gefährdungsrolle".

Gebannte Blicke und ein gelungener Schnappschuss. © Foto: Robert Schmitt


Die meisten hiesigen Landwirte betonten beispielsweise im persönlichen Gespräch, sie hätten noch nie Glyphosat verwendet. "Und ich glaube ihnen", unterstrich Göll. "Wir stellen nur vereinzelt Bienen gefährdenden Spritzmitteleinsatz fest."

Tödliche Varroa-Milbe

"Hauptproblem Nummer eins" sei für die Imker nach wie vor die Varroa-Milbe, ein in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppter Schädling, der sich an der Biene festsetzt und ihr so lange Energie entzieht, bis sie stirbt. Aufgrund des warmen Herbsts 2016 mit fantastischen Brutbedingungen für den Schmarotzer sei "ein extremer Varroa-Winter" gefolgt, so Göll. "Bei manchen Imkern hatte er fast den Total-Ausfall ihrer Völker zur Folge." Lokaler Spritzmitteleinsatz im Spätsommer führte außerdem zu einer massiven Vergiftung mit zahlreichen toten Bienen.

Es fehlen Blumen und Kräuter

Zweites Thema sind Gölls Schilderungen zufolge "die ausgeräumten Landschaften". Denn intensive Bewirtschaftung führe zur Verringerung der pflanzlichen Artenvielfalt. "Obwohl ich natürlich Verständnis für jeden Landwirt habe", so Göll: "Für die Bienen fehlen Zwischentrachten."

Denn sie brauchen auch dann Nahrung, wenn die großen Nektarbringer verblüht sind. Kamille, Mohn- und Kornblume sind extrem wichtige Nektar- und Pollenquellen zwischen der Frühjahrs- und Sommertracht. Fehlen Blumen und Wildkräuter, müssen Imker wie Göll und Pallin mit Zuckerwasser zufüttern. Darunter leiden die Völker und der Imker gleichermaßen. "Wir ernten den Honig dann nicht mehr, sondern belassen ihn den Bienen als Nahrung." Als Ausweg aus diesem Dilemma sieht Eckhard Göll "eine flächendeckende Renaturierung landwirtschaftlicher Flächen mit heimischen Pflanzen im Biotopverbund ohne Spritzmitteleintrag von Außen".

Blühende Ackerstreifen

Denn die Biene brauche ein vielfältiges, ganzjähriges und umfangreiches Angebot an Nektar- und Pollenpflanzen. "Blühende Ackerrandstreifen" seien dann sinnvoll, wenn sie "umfangreich angelegt werden". Vereinzelte Quadratmeter auf einem Hektar brächten hingegen wenig, ist Göll überzeugt.

Eckhard Göll ist vor 16 Jahren in das Hobby der Imkerei eingestiegen. Gemeinsam mit seiner Gattin bewirtschaftet er gut ein Dutzend Völker. Er versorgt die Bienen. Michaela Göll erntet und bearbeitet den Honig.

Erinnerung an Hans Beer

"Sehr viel gelernt" haben die beiden vom verstorbenen Bienen-Papst der Region. Hans Beer aus Heideck hat seine Erfahrung an viele Neuimker weitergegeben und damit geholfen, Anfängerfehler zu vermeiden.

"Die praktische Einweisung durch einen so hochkompetenten Bienenpaten lässt sich nicht durch 1000 Bücher ausgleichen", ist Eckhard Göll überzeugt, der allen Einsteigern allerdings auch theoretisches Fachwissen ans Herz legt. "Denn die Arbeit des Imkers ist ein wesentlicher Faktor für das Wohlergehen der Bienen."

VON ROBERT SCHMITT

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