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Schwabach: Kilimandscharo statt Stadtratssitzung

Der höchste Berg Afrikas verändert die Menschen, die ihn besteigen. Die Schwabacher Heiner Hack und Damir Vrdoljak können das bestätigen - 15.09.2018 06:00 Uhr

Es ist geschafft. Heiner Hack (vorne links mit Stöcken) und Damir Vrdoljak (rechts daneben mit offener Jacke) auf dem Gipfel des Kilimandscharo. Der Berg hat auch die beiden Schwabacher verändert. © Foto: Privat


Bergsteigen? "Ich war früher gerne in den Bergen, doch in den letzten 20 Jahren habe ich in dieser Hinsicht kaum etwas gemacht", sagt Heiner Hack. Dann kam der März. Bei einem Seminar in Ungerthal kam er mit seinem alten Freund Hubert Schwarz auf den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, zu sprechen.

Ein paar Wochen lang hat der Schwabacher CSU-Stadtrat überlegt, im April hat er sich entschieden: "Ich habe beschlossen, dass ich da hoch wollte." Immerhin hat ihn der Berg schon während eines früheren Kenia-Urlaubs fasziniert. "Beim Versuch, ein besonders tolles Foto zu machen, bin ich damals fast aus dem VW-Bus gefallen", erinnert er sich.

Schon immer ein Traum

Während Hack, 63, also erst ein wenig herangeführt werden musste an den "Kili", hat Damir Vrdoljak von sich aus die Initiative ergriffen. "Diese Besteigung war von mir schon immer ein Traum", sagt er. Aber erstens habe er ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und zweitens sei er nicht besonders sportlich. Zudem sei es als selbständiger Unternehmensberater und Jurist, der durch ganz Europa fährt, schwierig, mehr als zwei Wochen Urlaub am Stück zu nehmen. Schwierig, aber nicht unmöglich. Vrdoljak, 49, meldete sich von sich aus an für die Tour.

Unabhängig voneinander haben sich die beiden Schwabacher dann vorbereitet. Hack hat zu Fuß die Zugspitze bezwungen und gleich noch den Watzmann hintendrauf. Der Rentner trainierte zu Hause rund um Unterreichenbach und manchmal im Eichwasen. Die 13 Stockwerke der dortigen Hochhäuser simulierten gewissermaßen den Kilimandscharo. "Treppen rauf, Treppen runter, so habe ich das gemacht", erzählt Hack. Vrdoljak packte bei seinen Geschäftsreisen nicht mehr nur den Business-Koffer in den Kofferraum seines Autos, sondern auch die Gehstöcke. Wann immer sich die Gelegenheit bot, ist er dann losgelaufen.

Gemeinsames Training? Fehlanzeige. Sie wussten gar nichts voneinander. "Wir haben uns erst am Frankfurter Flughafen getroffen, dabei hat jeder von uns überrascht festgestellt, dass er nicht der einzige Schwabacher in der Gruppe ist", erzählt Hack.

Arzt immer in Reichweite

Hubert Schwarz beziehungsweise die "Hubert Schwarz GmbH & Co. KG" gehört zu den besten, profiliertesten und professionellsten Anbietern von Kilimandscharo-Touren. Immer wieder schafft es der frühere Extremsportler, auch ältere und bis dato wenig trainierte Interessenten auf das Dach Afrikas zu befördern. Weil er motivieren kann, weil die Trainingspläne ausgefeilt sind – und weil die ärztliche Betreuung vor Ort als optimal gilt. Eine Ärztin oder ein Arzt gehört immer zur Gruppe.

An den Berg herantasten

Den Kilimandscharo kann man nicht einfach besteigen. Man muss sich an ihn herantasten. Heiner Hack, Damir Vrdoljak und die anderen stiegen zunächst auf den "Nachbarberg", den 4566 Meter hohen Mount Meru. Der Akklimatisierung wegen.

Auch auf das Dach Afrikas geht es nicht in einem Rutsch, sondern von Hütte zu Hütte. Erst auf 2675 Meter, dann auf 3725 Meter, dann auf 4200 Meter, dann hoch zum letzten Camp auf 4700 Meter. Dort noch etwas ausruhen, und dann um Mitternacht der Angriff auf den Gipfel. In kleinen Schritten über Geröllfelder und den Resten von Schnee und Eis. Der permanente Kampf in sauerstoffarmer Luft um den nächsten Höhenmeter. Der Blick auf die Fersen des Vordermannes.

Angriff auf den Gipfel

"Alleine hätte ich es nie geschafft, aber in der Gruppe entwickelt sich eine wunderbare Dynamik", erzählt Vrdoljak. "Du schaffst mehr, als du eigentlich schaffen kannst", bestätigt Heiner Hack rückblickend.

Nach sechs Stunden war der Gilmannspoint (5685 Meter) erreicht. Wer diesen "kleinen" Gipfel des "Kili" bezwingt, hat den Berg nach offizieller Lesart schon bestiegen. Aber sechs der acht Leute aus der Hubert-Schwarz-Gruppe, inklusive der beiden Schwabacher, schafften es auch noch auf den Uhuru Peak in 5895 Meter Höhe.

Mehr als zehn, vielleicht 15 Minuten blieb die Gruppe nicht am Gipfel. Das reichte, um bei minus 18 Grad (gefühlt aufgrund des Windes wie minus 30 Grad) das phänomenale Panorama hoch über der Wolkendecke zu genießen. Und um ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Doch zum einen drängten andere Gruppen von unten nach. "Außerdem geht es dir mit jedem Meter, den du tiefer steigst, wieder besser", erklärt Heiner Hack.

Noch Gänsehaut

Die beiden Schwabacher sind längst wieder zurück in der Stadt. "Es war", bilanziert Hack, "einer der Höhepunkte in meinem Leben. Wenn ich dran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut." Das Erlebnis sei so einzigartig gewesen, dass er es gar nicht weiter toppen will. "Ich kann mir höchstens vorstellen, die Tour ein zweites Mal zu machen, weil ich jetzt weiß, was auf mich zukommt und weil ich sie vielleicht dann noch ein bisschen besser genießen kann."

Damir Vrdoljak dagegen hat Blut geleckt. Für dieses Jahr hat der Jurist und Hobby-Musiker seine To-do-Liste zwar abgearbeitet: "Eine Gitarre von B.B. King gekauft, den Kilimandscharo bestiegen und endlich meine Doktorarbeit eingereicht." Aber vielleicht geht ja 2019 oder 2020 noch was. Vrdoljak hat sich im Internet schon mal mit dem "Elbrus" beschäftigt, den mit 5642 Meter höchsten Berg Europas im Kaukasus.

ROBERT GERNER

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