Dienstag, 18.02.2020

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Schwabach: So wird man zum Lebensretter

Evi Felßner hat dank einer Stammzellenspende ihre Leukämie überstanden - 14.02.2020 16:15 Uhr

Ihre Hündin Alina sorgt für die tägliche Bewegung. „Ich kann wieder ein fast normales Leben führen“, sagt Evi Felßner. Zu verdanken hat sie das einem Mann aus Köln, der ihr Stammzellen gespendet hat. Am Donnerstag erhielt sie dessen E-Mailadresse, nun will sie ihn erstmals treffen. © Foto: Günther Wilhelm


"Da habe ich spontan beschlossen, mich zu outen", erzählt sie lächelnd. Also rief sie in der Redaktion an und stellte sich als Stammzellenempfängerin vor. Sie wolle sich ja nicht aufdrängen, aber wenn das Tagblatt Interesse hätte, würde sie gerne aus eigener Erfahrung berichten, wie unsagbar wichtig eine solche Registrierung bei der DKMS sein könne.

"Und noch am selben Tag bekomme ich Post von der DKMS", berichtet die 59-Jährige weiter. Darin wird ihr die E-Mailadresse eines Mannes aus Köln mitgeteilt, ohne den sie wohl nicht mehr hier wäre. "Er hat mir Stammzellen gespendet", sagt Evi Felßner. "Ich würde ihn gern treffen." Also hat sie ihm eine Mail geschrieben: "Hallo Lebensretter!"

Die Aktion in Röthenbach/St.W. ist besonders für die an Leukämie erkrankte Jasmin Sen-Kunoth aus Fürth gedacht. Die einzige Chance der vierfachen Mutter: eine Stammzellenspende. Eine Situation, die Evi Felßner nur zu gut kennt.

Zu wenig weiße Blutplättchen

"Losgegangen ist es 2014", blickt sie zurück. "Eigentlich hatte ich mich nicht krank gefühlt." Doch ein Bluttest während einer Erkältung zeigt, dass sie zu wenig weiße Blutplättchen (Leukozyten) hat.

Die Werte verschlechtern sich weiter, nach einer erneuten schweren Erkältung 2015 konsultiert sie einen Hämatologen. Der punktiert ihr Knochenmark. Diagnose: Leukämie. "Die Botschaft war: Keine Heilungschance ohne Stammzellenspende." So schockierend diese Nachricht, diese Klarheit war "der rettende Punkt", sagt Evi Felßner. "Und dann ging alles ganz schnell. Im September 2015 beginnt die DKMS mit der Suche nach einem Spender, und schon im Oktober war klar, dass es einen gibt. Es hätte sogar drei gegeben. Da war ich happy."

Im Oktober beginnt in der Uniklinik Erlangen zunächst eine hochdosierte Chemotherapie, am 12. Dezember 2015 folgt die Stammzellentransplantation. "Ich hatte mich auf meinen zweiten Geburtstag eingestellt, aber das lief ganz unspektakulär wie bei einer Bluttransfusion."

Es folgt eine schwierige Zeit mit "Auf und Abs", erzählt sie. "Seit 2018 fühle ich mich wieder gut. Ich bin nicht mehr so leistungsfähig, aber kann wieder ein fast normales Leben führen."

Glück im Unglück

Wer Evi Felßner heute trifft, sieht ihr nicht an, was sie durchstehen musste. Ihr Glück im Unglück: die Spenderdatei der DKMS.

Die Suche nach einem Stammzellenspender kann der berüchtigten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen gleichen. Das heißt umgekehrt: Je größer die Datenbank desto größer die Chance.

"Ich kann deshalb nur bitten, sich registrieren zu lassen", sagt Evi Felßner. Und wer weiß: Vielleicht bekommt auch ein Teilnehmer der morgigen Aktion irgendwann mal eine E-Mail: "Hallo Lebensretter!"

 

InfoDie DKMS-Typisierungsaktion findet am morgigen Sonntag von 12 bis 17 Uhr in Röthenbach/St.W. in der Schwarzachhalle statt. Registrieren lassen kann sich, wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren ist.

GÜNTHER WILHELM

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