Montag, 21.10.2019

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Schwabacher Schüler engagieren sich für die Umwelt

"Fridays For Future": Jugendliche des AKG und WEG beteiligen sich an Demo in Nürnberg - 15.03.2019 12:23 Uhr

Der harte Kern der AKG-Klimaschützer. © Fotos: Laura Koop


Die 16-jährige Helena setzt sich am Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium (WEG) für das Klima ein. Gemeinsam mit drei Freundinnen war sie bereits zweimal in Nürnberg bei den "Fridays for Future" aktiv dabei. Das ist auf der Schule nicht von jedem gern gesehen: "Es sind sehr viele Lehrer dagegen, da sie hier nur einen Vorwand zum Schwänzen sehen", erklärt die Schülerin aus der Q11. Doch es gehe ihr um einiges mehr: "Das ist meine Zukunft und dafür die Schule zu schwänzen, ist vollkommen legitim."

Anstoß für ihr Engagement sei der Vorschlag ihrer Mutter gewesen, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Nach kurzen Recherchen sei Helena klargeworden, wie sehr die Menschheit eigenhändig die Umwelt verschmutze, insbesondere durch extremen Konsum oder eben Kreuzfahrten. Nun bemühe sich die Schülerin, diese Problematik offen anzusprechen und ihre Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen. Außerdem organisiert die junge Umweltschützerin einen Flohmarkt am WEG, um dem "Konsumwahnsinn" Widerstand zu leisten.

Smartphone-Generation?

"Vor allem in der jetzigen Lage sollte der Umwelt- und Klimaschutz ein festes Fach in der Schule sein", findet Helena. Sie erhebt auch Vorwürfe: "Ich habe immer wieder den Lehrern offen gesagt, wenn ich zu einer Demonstration gegangen bin – in der Hoffnung, dass sie mal darüber sprechen. Sie blockten aber jedes Mal komplett ab". Das missfällt ihr. "Unsere Generation wird als Smartphone-Generation bezeichnet, uns wird nachgesagt, wir würden nichts tun, außer auf Instagram, Facebook und Co. rumzuhängen", klagt sie, "aber wenn wir mal wirklich aktiv werden und für unsere Zukunft auf die Straße gehen, wird das wieder bemängelt und nur von der negativen Seite gesehen".

"Die Erwachsenen sollten uns motivieren und unterstützen, sie müssen für ihre Zukunft und ihre eigenen Kinder doch auch nur das Beste wollen", fordert die Schülerin. Von einer offiziellen Fairtrade-Schule, wie es das WEG ist, erwartet die junge Aktivistin mehr Engagement. "Anstatt mit Verweisen zu drohen, sollten alle gemeinsam etwas für unsere Umwelt tun", findet sie.

Studiendirektor Gernot Höflinger erklärte dazu namens der Schulleitung des Gymnasiums, dass am WEG der Fokus darauf gelegt werde, Umweltthemen sachorientiert im Unterricht aufzugreifen. Das gehe soweit, dass sich die Schule derzeit aktiv um eine Auszeichnung als Umweltschule bemühe. Daran werde mit den Schülerinnen und Schülern gearbeitet. Grundsätzlich sei es auch so, dass sich Schülerinnen und Schüler bei triftigen Gründen mit einem Antrag auf Befreiung vom Unterricht an die Schulleitung wenden können.

Konsens am AKG

Am Adam-Kraft-Gymnasium (AKG) haben Schüler, Lehrer und Schulleitung einen Konsens gefunden. 17 besonders engagierte Jugendliche schrieben der Schulleitung nach den ersten Demos in Nürnberg einen emotionalen Brief, in dem sie ihre Besorgnis um ihre und die Zukunft späterer Generationen kundtaten. Es folgte ein Gespräch zwischen Schulleiter Harald Pinzner und drei Schülerinnen der Oberstufe – es ging um eine Zusammenarbeit von Lehrkräften, Schulleitung und den Jugendlichen.

"Für uns wäre es leichter gewesen, einfach nur einen Verweis zu kassieren", erklärt die 16-jährige Lena, "wir wollten aber, dass die Schulleitung von unserem Vorhaben Bescheid weiß und alle gemeinsam eine Lösung finden." Den Schülern sei bewusst, "dass Herr Pinzner an Regeln gebunden ist" und er ihnen "nicht einfach so schulfrei erteilen kann, nur um auf eine Demonstration zu gehen."

Pinzner bot den Jugendlichen deshalb gemeinsam mit vier weiteren Lehrkräften ein "wissenschaftspropädeutisches Symposium" an, wie es offiziell bezeichnet wurde. Am Freitag vor zwei Wochen wurden die Schüler nachmittags mehrere Stunden rund um die Themen Umweltschutz und Klimawandel informiert. Im Gegenzug sind die Teilnehmer für die heutige Demo in Nürnberg vom Unterricht freigestellt. Laut Schülerin Lena waren alle Jugendlichen "sehr dankbar für dieses Entgegenkommen".

Gezielt informiert

Im Vorfeld, so beschreibt es Robin aus der Q12, habe man die Jugendlichen gezielt über die Vereinbarung mit der Schulleitung informiert. Man habe deutlich gemacht, dass sich nur diejenigen daran beteiligen sollen, die sich auch tatsächlich für den Klimaschutz einsetzen wollen. Ein "Schwänzen" oder die Ausnutzung der Freistellung vom Unterricht wollten die jungen Umweltaktivisten vermeiden. "Es geht hier darum, die Politik auf sich aufmerksam zu machen und etwas für die eigene Zukunft und die der weiteren Generationen zu verändern", erklärt Simon.

Beim Symposium wurde dann deutlich, welch großes Interesse am Klimaschutz besteht. Schon vor Beginn war die AKG-Mensa bis auf den letzten Platz belegt. Lena, Sophie, Simon und Robin, die in der Initiatoren-Gruppe federführend sind, bedankten sich bei allen Lehrkräften, dem Direktorat und den Mitschülern für den gemeinsamen Einsatz für die Umwelt. Über 120 Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur zwölften Klasse hörten der Einführung in die Grundlagen der Klimatologie durch die Geographie-Lehrkräfte Christof Pfahler, Frank Schmidt und Frank Menzel zu.

Danach erarbeiteten die Jugendlichen in kleineren Gruppen Flyer, Plakate und ein Quiz. Sogar Podcasts wurden rund um die Themen Umweltschutz und Klimawandel vorbereitet und sollen bald auf der Schulwebsite zur Verfügung stehen. Eigene Kreativität, selbstständiges Arbeiten und verantwortungsvoller Umgang mit Informationen standen am gesamten Nachmittag im Vordergrund.

"Ruhig und organisiert"

"In den Klassenräumen befindet sich in etwa die dreifache Menge an Schülern als üblicherweise", stellte Lehrerin Stefanie Ulrich fest. Die Jugendlichen "bringen sich normalerweise nicht so engagiert mit eigenen Ideen ein – insbesondere an einem Freitagnachmittag". Ebenso verblüfft war sie darüber, "wie ruhig und organisiert die Schüler unterschiedlichster Klassen miteinander arbeiten, da eigentlich derartige Aktionen oft in einem Chaos enden".

Am AKG wurde in Kleingruppen etwa ein Klimaschutz-Quiz entwickelt. © Fotos: Laura Koop


Für Harald Pinzner ist es wichtig, dass jeder einzelne lernt, unterschiedliche Themen "von allen Seiten zu beleuchten", "mit Skeptikern umzugehen" und sich somit "nicht instrumentalisieren" zu lassen. Er beobachte mit Begeisterung "das Interesse der Jugendlichen an gesellschaftspolitischen Themen". Er habe sich zu den "Fridays For Future" schon länger Gedanken gemacht. Als die Schüler dann in seinem Büro standen, sei für ihn auch das Interesse seitens der Jugendlichen bestätigt gewesen, sodass die Aktion schnell ihren Lauf nehmen konnte.

Auch in Schwabach

Lehrer Christof Pfahler hob hervor, dass keine Lehrkraft dazu "verdonnert" worden sei, diesen besonderen Unterricht in ihrer eigentlichen Freizeit zu halten – alles sei auf freiwilliger Basis und "aus eigenem Interesse" geschehen. Es sei wichtig für die Jugendlichen zu wissen, dass sie über die Lehrer jederzeit an Informationen gelangen können.

Die engagierten AKG-Schüler wollen weiter aktiv bleiben. "Fridays For Future" auch in Schwabach zu initiieren, wie beim "großen Bruder Nürnberg", sei dabei eines ihrer künftigen Ziele. Außerdem möchten die Jugendlichen, dass das AKG eine offizielle Fairtrade-Schule wird. Man versuche bereits "weitestgehend auf Plastik, beispielsweise bei Kuchenverkäufen zu verzichten". Unterhält man sich mit den Schülern, dann merkt man, dass sie auch außerhalb der Schule ihr Bestes tun, um die Umwelt zu schützen: Fahrrad fahren statt Auto, Vermeidung von Plastik, möglichst geringer oder kein Konsum von Fleisch und so selten wie möglich mit dem Flugzeug fliegen – das sind nur einige Punkte der langen Liste. "Es ist einfach abartig, wie viel in den Supermärkten unnötig in Plastik verpackt ist", meint die 16-jährige Nele.

Die Schüler sind außerdem wütend über die Passivität in der Politik. "Gruppen, die sich gezielt für die Umwelt einsetzen, werden immer größer", meint Simon, "aber sie werden einfach ignoriert". Die Jugendlichen sind sich einig, dass ihnen bisher auch aufgrund ihres Alters in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden sind. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

LAURA KOOP

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