Schwabacher Seifenfabrikant Fritz Ribot starb vor 100 Jahren

23.7.2014, 09:26 Uhr
Fritz Ribot mit Hund.

Fritz Ribot mit Hund. © W. Kandel

Später wurde Fritz Ribot  Siedemeister in der Seifenfabrik Miller in Danzig.

Know-how aus Übersee

1871 war er technischer Leiter der Moskauer Seifenfabrik Niethammer. Einige Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück, um der Militärpflicht zu genügen. Er brachte es schließlich bis zum Rittmeister beim Ansbacher Ulanenregiment. 1880 reiste er nach Amerika, um sich dort modern eingerichtete Fabriken in New-York, Cincinnati, Chicago, Buffalo, Baltimore und Pittsburgh anzusehen. In Pittsburgh heiratete er seine Cousine, Sophie Strunz.

Anlässlich des Todes seines Onkels und Schwiegervaters Steve Strunz im Jahre 1888, reiste er nochmals nach Amerika. Dabei lernte er weitere Neuerungen in der dortigen Seifenindustrie kennen.

Ei in der Seife

Nach Schwabach zurückgekehrt, setzte er amerikanische Werbemethoden im heimischen Betrieb um. Auch die Schwimmseife, eine amerikanische Erfindung, wurde in der Ribot’schen Seifenfabrik kreiert. Um 1900 kam die Ray-Seife, die einen großen Anteil an Hühnerei enthielt, auf den Markt. Vertriebsgesellschaft war die Compagnie Ray in Berlin, eine Art Großdrogist.

Doch auch im kommunalen Bereich war Fritz Ribot tätig. Von 1896 bis 1907 war er Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten in seiner Vaterstadt. Dort setzte er sich für Straßenbaumaßnahmen und Neubauten ein. Manche seiner Pläne wurden nicht verwirklicht, so der Bau einer Pferdebahn vom Bahnhof zum Marktplatz oder der Bau einer Eisenbahnlinie von Schwabach über Abenberg nach Spalt.

Er erreichte allerdings, dass in Schwabach das dritte Reichswaisenhaus errichtet wurde. Bis zu seinem Tod war Fritz Ribot dessen Vorstand.

Königlich bayerisch

Zu seinen Hauptverdiensten in Schwabach zählte jedoch, dass er die Millionenpleite des hiesigen Vorschussvereins zu einem glimpflichen Ende verhalf. Dies war wahrscheinlich der Grund, dass ihn Prinzregent Luitpold zum Kgl. bayer. Kommerzienrat ernannte. Der Monarch, der die Seifenfabrik höchstselbst besichtigte, bewirkte, dass die Firma ab 1904 den Titel „Königlich bayerische Hofseifenfabrik“ führen durfte.

Doch auch für die deutsche Seifenindustrie hat sich Fritz Ribot Verdienste erworben. Als der amerikanische Sunlight-Konzern den deutschen Betrieben stark zusetzte, war es Fritz Ribot, der zusammen mit dem Fabrikanten Haas aus Aalen per Gerichtsverfahren dem drohenden Ruin mancher hiesigen Firmen entgegenwirkte.

Im Jahr 1900 wurde der Verband bayerischer Seifensieder ins Leben gerufen, der anfangs ca. 150 Mitglieder zählte. Vorstand dieser Institution war ebenfalls Fritz Ribot. Vereinssitz war übrigens Schwabach.

Kurzes Gastspiel

1907 wurde Fritz Ribot in den bayerischen Landtag berufen. Das Landtagsmandat musste er aus gesundheitlichen Gründen aber schon bald aufgeben.

Am 2. Dezember 1907 verlieh die Stadt Schwabach dem Seifenfabrikanten das Ehrenbürgerrecht für sein vorbildliches Wirken auf allen Gebieten des gemeindlichen Lebens.

Am 27. Juli 1914 starb er an den Folgen eines Magenkrebsleidens. Bei vielen Schwabachern blieb lange Zeit seine Beerdigung in Erinnerung. So druckten die Tageszeitungen eine von ihm verfasste Traueranzeige ab.

Schimmel und Blasmusik

Noch im Jahre 1986 erinnerte sich die Tochter des damaligen Siedemeisters Karl Matthiae daran, dass die gesamte Belegschaft des Betriebs am Sterbebett vorbeidefilieren musste. Gemäß Ribots Testament wurde der Leichenwagen von seinen zwei Schimmeln gezogen, die mit weißen Rosen geschmückt waren. Die Enkelkinder sowie die Neffen und Nichten des Verstorbenen trugen helle Kleider.

Bis zur Stadtgrenze begleitete eine Blaskapelle den Trauerzug. Sie spielte flotte Märsche, wie sie Fritz Ribot zu seinen Lebzeiten liebte. Der mittlerweile verstorbene Uhrmachermeister Wilhelm Bayerlein erinnerte sich, dass damals auch „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ erklang.

"Betriebsausflug" zum Krematorium

Die Einäscherung erfolgte im Nürnberger Krematorium, wobei ebenfalls die gesamte Belegschaft zu Fuß von Schwabach nach Nürnberg lief. Die Predigt hielt der reformierte Pfarrer, D. Christoph Fikenscher zu den Worten „Der Mensch, er gehet an seine Arbeit vom Morgen bis zum Abend!“ Dies passte hervorragend zu Ribots Wahlspruch „Unverwendt, bis ans End“.

Foto vom 28. Juli 1914: Trauerzug vor dem Nürnberger Torplatz.

Foto vom 28. Juli 1914: Trauerzug vor dem Nürnberger Torplatz. © Privat-Archiv

Die Urne mit Ribots sterblichen Überresten wurde danach im elterlichen Grab auf dem Alten Friedhof in der Bahnhofstraße beigesetzt. Nach der Umgestaltung der Anlage gelangte der marmorne Engel, der einst das Grabmal bekrönte, nach Kornburg. Dort steht er vor dem Westeingang der Nikolauskirche. Im Schwabacher Alten Friedhof erinnert heute lediglich ein schlichter Gedenkstein an Schwabachs einstigen Ehrenbürger.

Distler liest aus Autobiografie

Wer noch mehr über Fritz Ribot erfahren möchte, hat am Sterbetag, Sonntag, 27. Juli, Gelegenheit dazu. Ulrich Distler wird von 17 Uhr bis 19 Uhr einige Kapitel aus Fritz Ribots „Erinnerungen aus alter und neuer Zeit“ im Jugendstilsalon der Villa Stark, Hindenburgstraße 40, vorlesen. Diese Autobiografie wurde erstmals in der Augsburger Seifensiederzeitung veröffentlicht. Nach Fritz Ribots Tod brachte dessen Bruder Konrad zusammen mit den Angehörigen, einige kleinere Auflagen in Buchform heraus. Auf dem Trichtergrammophon wird Marschmusik zu hören sein.

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