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Schwanstetten: Kampf dem Kartoffelkäfer

Schon seit dem Jahr 1924 - 21.10.2020 10:37 Uhr

Ein Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) knabbert an einem Blatt. Kartoffelkäfer sehen nett aus. Aber sie sorgen für jede Menge Ärger. Sie und ihre Larven machen Kartoffelpflanzen kaputt.

20.10.2020 © Foto: Julian Stratenschulte/dpa


Hans Volkert (geboren am 9. Oktober 1932, verstorben am 17. Januar 2017) hat etliches über das Leben in Schwanstetten
aufgeschrieben und dem Museumsverein Schwanstetten übereignet. Dieser Bericht über Kartoffelkäfer
entstand etwa zwischen 1990 und 1995.

1924 erster Aufruf zur Bekämpfung

Mit dem Schreiben der Landwirtschaftsstelle Roth wurde am 3. September 1924 erstmals zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers aufgerufen.

Am 24. April 1933 wandte sich das Staatsministerium für Wirtschaft, Abteilung Landwirtschaft, wegen Bekämpfung des Kartoffelkäfers direkt an die Gemeinden.

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Der Kartoffelkäfer (Koloradokäfer) habe sich in den vergangenen Jahren in Frankreich so stark vermehrt, dass die Gefahr seines Übergreifens auf Deutschland bedrohlich näher gerückt sei. Trotz der verschiedenen Verordnungen der Staatsregierung zur Bekämpfung des Schädlings musste in den Folgejahren weit mehr als seitdem damit gerechnet werden, dass der gefürchtete Käfer eingeschleppt werde.

Diese Gefahr bestand in erster Linie für die Pfalz. Die Anstalt für Pflanzenanbau und -schutz wurde deshalb nicht müde, immer wieder die Bevölkerung durch Merkblätter auf den Koloradokäfer und die damit auftretenden Gefahren hinzuweisen.

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Mit der Verordnung vom 17. März 1933 wurde im Detail die Bekämpfung des Käfers umschrieben: Äcker, Gärten und andere Grundstücke unterlagen künftig der Überwachung, zunächst durch die Polizeibehörden und die Landwirtschaftsstellen.

So musste das Auftreten des Käfers unverzüglich der Ortspolizeibehörde angezeigt werden. Die Versendung und sonstige Vermittlung des Käfers war bei Androhung einer Geldstrafe von 150 Reichsmark verboten.

Zuflug des Kartoffelkäfers aus Frankreich

Der außerordentlich starke Zuflug des Käfers aus Frankreich im Jahr 1938 veranlasste die Behörden, ab 1939 auch den Landkreis Schwabach in die Gefahrenzone einzubeziehen. Eine erfolgreiche Bekämpfung sei nur dann möglich – weil sich der Käfer ungeheuer schnell vermehre – wenn der Schädling rechtzeitig festgestellt und sein Auftreten sofort gemeldet werde.

Zur Abwehr des Käfers wurde am 4. Mai 1939 angeordnet, dass von allen Nutzungsberechtigten die mit Kartoffeln und Tomaten bestellten Grundstücke an festgesetzten Suchtagen kolonnenweise abgesucht werden müssen.

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Die Verordnung vom 20. Mai 1941 reihte auch nicht-landwirtschaftliche Haushaltungen zu den Suchenden ein. Die Suche sollte nur bei trockener Witterung durchgeführt werden. Für die einzelnen Landkreisgemeinden wurde wöchentlich ein besonderer Suchtag festgesetzt. Für Leerstetten und weitere neun Gemeinden war dies zunächst der Mittwoch Vormittag. Jede Kolonne sollte 10 bis 15 Personen umfassen.

Kolonnen-Führer waren honorige Bürger

Als Kolonnen-Führer kamen in erster Linie die Bürgermeister, die Ortsbauernführer, die Lehrer und die Feldhüter in Betracht. In Leerstetten übernahm seinerzeit auch der damalige Pfarrer Karl Plesch die Führung einer Kolonne.

Vor Beginn der Suche waren zunächst die Anwesenden und die nicht Anwesenden festzustellen. Die unentschuldigt der Suche Ferngebliebenen waren der Ortspolizeibehörde zur Bestrafung zu melden.

Da sich die Kartoffelkäfer mit Anhang bei regnerischer Witterung unter die Blätter verkrochen, blieb eine Suche nur bei sonniger Witterung erfolgreich. Jeder Teilnehmer sollte jeweils nur zwei Pflanzenreihen absuchen. In den Suchkolonnen konnten ab 1940 auch ältere Schüler zwischen erwachsenen Personen eingereiht werden. Kriegsgefangene und ausländische Landarbeiter durften allerdings nicht mitsuchen.

Der Kolonnen-Führer hielt anfangs zum Abtöten der gefundenen Käfer und Larven ein mit Spiritus oder Benzin gefülltes Fläschchen bereit.

Jede Gemeinde hatte – wie schon erwähnt – ihre gesamte Flur wöchentlich einmal planmäßig abzusuchen, auch die Felder auswärtiger Eigentümer. Die Bekämpfung des Käfers sollte sofort nach dem Austreiben der Kartoffelpflanzen – und nicht erst später – erfolgen.

Die Gemarkung der Gemeinde war in so viele Suchbezirke einzuteilen, dass jeder Bezirk bequem und gewissenhaft abgesucht werden konnte und jede Kolonne dazu etwa die gleiche Zeit benötigte. Die erwähnten Suchbezirke und die jeweiligen Kolonnen-Führer sollten während des Jahres nicht ausgetauscht werden.

Auch Schüler wurden zur Suche eingeteilt

Schüler waren so einzusetzen, dass zwischen drei bis fünf Kindern zwei Erwachsene gingen. Verboten war es, eine Lehrkraft mit einer großen Anzahl von Kindern allein auf die Felder zu schicken, also den Suchdienst nur allein von einer Schule durchführen zu lassen.

Nach Beendigung des Suchdienstes, der nicht vor 9 Uhr beginnen und nicht nach 21 Uhr enden sollte, hatte der jeweilige Kolonnen-Führer den Meldezettel dem Bürgermeister zu übergeben. Dieser Vordruck enthielt Angaben über den Nutzungsberechtigten, den befallenen Acker und auch die jeweils gefundenen Käfer, Larven, Puppen und Ei-Gelege.

Leider erwies sich die Annahme als irrig, dass die Schädlinge durch die strenge Kälte im Jahr 1947 erfroren seien. Deshalb musste auch in den Folgejahren verstärkt der sich immer mehr ausbreitenden Gefahr begegnet werden.

Das Suchpersonal war während seines Einsatzes gegen Unfall- und Haftpflichtschäden eigens versichert.

Vordringen des Käfers war nicht zu stoppen

Leider konnten alle die bis dahin erfolgten Suchaktionen das Vordringen und Vermehren des Kartoffelschädlings nicht stoppen. Ab etwa 1949 wurden andere, wirkungsvollere Methoden der Bekämpfung notwendig, nämlich die Vergiftung des Käfers und seiner Nachkommen durch Kalk-Arsen.

Die zunächst eingesetzten und auf dem Rücken getragenen Handspritzen wurden von immer besseren, an den Traktoren angekuppelten Spritzen abge-löst.

 

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