Mittwoch, 20.01.2021

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Sportliche Wiedervereinigung "am Keller"

Im Sommer 1990 zum ersten sportlichen Treffen von Stehern aus Ost und West. - 04.12.2020 09:05 Uhr

Historisches Gruppenfoto nach dem ersten gemeinsamen Renntag „am Keller“, das inzwischen historisch ist — von links: Schrittmacher Hillert (Leipzig) mit DDR-Meister Ralf Keller, der amtierende Westdeutsche Stehermeister Reinhold Kleebaum (Wiesbaden) mit Schrittmacher Graf. Im gestreiften Hemd DDR-Steherlegende Siegfried Wustrow, 1961 und 1962 Vize-Weltmeister der Amateure, dahinter Bayernmeister Axel Hassler (RV Union Nürnberg) mit Schrittmacher Vogl, daneben der Helmut Hummel (Traunstein) mit Schrittmacher Pühringer und Holger Ehnert mit Schrittmacher Adelmeier, der vorne kniet.

04.12.2020


Rudolf Pühringer, der 1. Vorsitzende des Tourenklubs Schwabach, erinnert sich noch gut an den Tag, als die "Wiedervereinigung der Steher" am Reichelsdorfer Keller stattfand: "Ich fuhr damals als Schrittmacher mit dem Traunsteiner Helmut Hummel. Die zwei Läufe mit den beiden DDR-Gespannen waren für uns und für sie ein erstes gegenseitiges Testen!"

"Völlig neue Erfahrungen"

Auch Ralf Keller, der 1988, 1989 und 1990 souverän die letzten drei DDR-Stehermeisterschaften gewonnen hat, denkt gerne zurück an seinen ersten Start in Franken. "Für mich und für Holger Ehnert, waren es damals völlig neue Erfahrungen. Wir erkannten sehr schnell, dass diese 400m-Piste ideal für Steherrennen war und dass die Nürnberger Motoren prächtig liefen. Für unsere Schrittmacher war die Umstellung auf diese Maschinen zunächst jedoch nicht so einfach. Sie waren es gewohnt, bei unseren Rennen auf den alten Schrittmachermaschinen zu sitzen. Die Nürnberger Maschinen wurden im Stehen gefahren. Auch ihre Motore waren völlig anders, viel stärker und spritziger, so dass man taktisch ganz anders fahren und reagieren musste. Die Rennen wurden schneller und aggressiver gefahren. Dabei mussten auch wir als Fahrer hinzulernen."

Gerne und sehr häufig waren Ralf Keller und Holger Ehnert danach auch auf den übrigen Pisten in West-Deutschland am Start. Ralf Keller entwickelte sich relativ schnell zu einem gefürchteten und starken Konkurrenten der "Wessi-Steher". "Es lief bei mir nach jedem Rennen besser", erzählt der dreifache DDR-Meister, der in den folgenden Jahren bei Deutschen Meisterschaften zweimal Zweiter und einmal Dritter wurde!

Ralf Keller hatte den Anschluss an die deutsche Spitzenklasse geschafft, auch bei Weltmeisterschaften zählte er zum BDR-Nationalkader. 1993 verfehlte er als Vierter nur knapp WM-Bronz. Seine gute Form holte sich der ehrgeizige Allrounder bei vielen schweren Straßenrennen, bei denen er ebenfalls zur deutschen Spitzenklasse zählte. Bis heute ist der inzwischen 57-jährige DDR-Altmeister der Steher noch immer einer der erfolgreichsten deutschen Senioren im Straßenrennsport.

Stammgast "am Keller"

Auch Kellers einstiger Kampfgenosse Holger Ehnert blieb dem Radsport seit dem Ende seiner Steher-Karriere eng verbunden. Als Schrittmacher sitzt er seit rund 20 Jahren bis heute noch immer im Sattel. Bis 2017 war er Jahr für Jahr bei den Rennen am Reichelsdorfer Keller am Start. Als Stamm-Schrittmacher von Robert Retschke stand Holger Ehnert mehrfach bei der Steher-DM mit auf dem Treppchen. Wie Ralf Keller bedauert es auch Holger Ehnert sehr, dass es die Piste am Reichelsdorfer Keller inzwischen nicht mehr gibt: "Das ist sehr schade, denn die Nürnberger Rennbahn war für uns eine unserer Lieblingsbahnen. Sie war einfach ideal für rasante und spannende Steherrennen!"

MANFRED MARR

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