Mittwoch, 29.01.2020

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Suche nach Bankräuber: Schon lag Rentner am Boden

72-jähriger Kleinschwarzenloher wie Schwerverbrecher behandelt — Verletzt — Polizei will Vorkommnisse aufklären - 13.04.2016 16:08 Uhr

Diese Szene hat ein Nachbar von Hans R. mit dem Handy fotografiert: Der 72-Jährige liegt auf dem gepflasterten Hof vor seiner Wohnung. © Foto: oh


An jenem Mittwoch war Hans R. wie so oft mit seinem Hund, einem Dackel-Mix, im Wald spazieren. Auf dem Rückweg bemerkte er, dass über ihm ein Polizeihubschrauber kreiste, ihn auf seinem Weg zum Auto und dann auf der Fahrt nach Hause regelrecht „verfolgte“. Als R. zuhause ankam, parkte er vor seiner Wohnung, lud seinen Vierbeiner aus und machte sich auf den Weg zum Hauseingang.

Dann, so schildert er, traten ihn drei mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten gegenüber. Auf seine Frage, was denn los sei, habe er nur sinngemäß zur Antwort bekommen, dass ihn das nichts angehe. Die Polizeibeamten hätten ihm noch gestattet, seinen Hund an einem Pfosten in der Nähe anzuhängen. Dann wurde R., so seine Angaben, sogleich von einem Polizisten am Arm gepackt. Der Angegangene bat, vorsichtig zu sein, weil er eine Verletzung am Arm habe; dieser Hinweis habe sinngemäß „Seien Sie nicht so zimperlich!“ als Antwort des Beamten ausgelöst.

Als sich Hans R. wegen der Schmerzen im Arm ein Stück zur Seite drehte, um sich Erleichterung zu verschaffen, sei er sofort zu Boden gebracht worden, sagt der Kleinschwarzenloher Rentner, dem die Arme mittels Handschellen auf dem Rücken fixiert wurden.

Wieder habe er auf Schmerzen im Arm hingewiesen. Dies sei mit „Jammern‘s net so!“ quittiert worden. „Dann habe ich den Kopf ein wenig gehoben, um mir Erleichterung zu verschaffen“, so Hans R. Dies wiederum habe den Polizisten – der Rentner schätzt ihn auf etwa 25 Jahre – veranlasst, den Kopf des Mannes kräftig auf das Pflaster zu drücken. Dreimal sei dies geschehen. „Ich habe mich ohne zu fragen gedreht, um die schmerzende Schulter zu entlasten, und wieder wurde mein Kopf runtergehauen“, so Hans R.. Rund eine halbe Stunde, meint Hans R., sei er so auf dem Boden gelegen. Anschließend wurde er in ein Polizeiauto gesetzt.

Immer wieder habe er die Polizisten auch gebeten, seine geschiedene Frau anzurufen, damit sie sich um den Hund kümmere, der angeleint in der Sonne verharren musste. Es war dann eine Nachbarin, die die Ex-Frau nach eineinhalb Stunden verständigte.

Die Wohnung von Hans R. wurde durchsucht, doch auf wiederholte Nachfragen, was denn eigentlich los sei, habe es immer wieder sinngemäß geheißen, dass dies den Festgenommenen nichts angehe. Später hat R. dann erfahren, dass nach dem Überfall die Suche einem 30-jährigen Mann galt, der osteuropäischen Akzent gesprochen habe. R. spricht fränkisch.

Schließlich sei er noch gefragt worden, ob er freiwillig einen Speicheltest machen würde. R. hat eingewilligt, sei aber trotzdem am Nachmittag noch ins Polizeipräsidium gebracht worden, ehe er dann von einem Beamten doch nach Haus gefahren wurde. Am Abend war Hans R. im Schwabacher Krankenhaus, hat seine Kopfverletzungen behandeln und seinen Arm untersuchen lassen. Noch heute leidet der Rentner an Folgen der Blessuren.

Elke Schönwald, Sprecherin der mittelfränkischen Polizei, sagte auf Anfrage, dass im Rahmen der Fahndung nach dem Raub, bei dem der Täter geschossen habe, auch Kräfte der Bereitschaftspolizei, nämlich vom Unterstützungskommando, eingesetzt gewesen seien. Mehrere Personen seien vorübergehend festgenommen worden, die näheren Umstände würden noch lückenlos aufgeklärt, sicherte Schönwald zu. Sollten sich dabei strafbare Vorwürfe ergeben, würden die Untersuchungen vom Kommissariat für interne Ermittlungen beim Landeskriminalamt geführt.

jk

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