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Unternehmen in der Region: "Die Lage ist nicht schön"

Unternehmerfabrik schätzt bis zu 30 Prozent Auftragseinbußen für Landkreisbetriebe. - 23.07.2020 06:00 Uhr

Einer der weniger Corona-Gewinner ist die Kloßteig-Firma Henglein.

22.07.2020 © Foto: Firma Henglein


Mit Trendstore (Greding) und Kegler (Hilpoltstein) hätten zuletzt zwar zwei mittelgroße Firmen Insolvenz anmelden müssen. Doch sie hätten schon vor Corona Probleme gehabt, so Karl Scheuerlein, Chef der von Landkreis Roth, Stadt Roth, Sparkasse und IHK getragenen Unternehmerfabrik. Die meisten Firmen hätten Ruhe bewahrt und "keine Hysterie" aufkommen lassen.

Allerdings schätzt Scheuerlein die durchschnittlichen Auftragseinbußen auf 15 bis 30 Prozent. Es habe in der Krise aber nicht nur Verlierer, sondern auch einige Gewinner wie den Kloßteigspezialisten und Kartoffelverarbeiter Henglein (Abenberg-Wassermungenau) gegeben.

Schwierig sei die Lage nach wie vor in Gastronomie und Hotellerie. Immerhin hätten sich nicht wenige Vermieter und Verpächter kulant bei monatlichen Forderungen gezeigt.

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Scheuerleins Zwischenfazit, das er vor dem Kreistag zog: "Die Lage ist nicht schön, sie ist aber auch nicht extrem dramatisch." Allerdings gibt es einige Einschränkungen. Wie viele Firmen tatsächlich aufgrund Corona am Ende in die Knie gehen werden, kann man jetzt noch nicht verlässlich abschätzen, weil bis September die Insolvenzmeldepflicht ausgesetzt ist. "Im dritten Quartal werden wir klarer sehen", so Scheuerlein.

Weil Corona der Digitalisierung einen neuen Schub verleiht, hält es der Chef der Unternehmerfabrik für besonders wichtig, dass an der Berufsschule in Roth künftig Fachinformatiker ausgebildet werden können. "Diese Leute mussten bisher nach Nürnberg oder Erlangen fahren", so Scheuerlein. Dass es dem Landkreis bei einem Gespräch im Kultusministerium gelungen sei, diese neue Ausbildungsrichtung nach Roth zu lotsen, bezeichnete er als "großen Erfolg".

Überhaupt mache er sich um den Ausbildungsjahrgang 2020 "wenig Sorgen". Die Zahl der Ausbildungsverträge werde trotz Corona vermutlich nicht weit unter dem Vorjahresniveau liegen. "Ich erwarte nicht, dass hier größere Einschläge kommen."

Das hofft auch Landrat Herbert Eckstein. Er ermahnte die Firmenchefs – im Landkreis Roth gibt es etwa 3300 Betriebsstätten mit rund 38 000 Beschäftigten –, weiterhin in den Nachwuchs im eigenen Betrieb zu investieren. "Noch im Januar und Februar habe ich nur Klagen gehört, dass Fachkräfte fehlen", sagte Eckstein in der Sitzung des Kreistags. "Diese Leute fehlen auch nach Corona. Da hilft nur ausbilden, ausbilden, ausbilden."

Scheuerlein und sein "Co." Felix Lehnhoff hatten auch Zahlen mitgebracht: 2019 habe es 1184 Gewerbeanmeldungen gegeben, davon 932 Neugründungen. In Corona-Zeiten seien 2504 Anträge auf Corona-Soforthilfe eingegangen. 15,3 Millionen Euro habe der Staat an die Firmen im Landkreis bezahlt.

ROBERT GERNER

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