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Wendelstein: Das "Märchen von den zwei Impfdosen"

Impfdrängelei: Streit um Unregelmäßigkeiten im Betreuten Wohnen in Wendelstein dauert an - 14.05.2021 11:00 Uhr

Wer geimpft ist, erhält einen Aufkleber in sein Impfbuch. Der Aufkleber gibt Auskunft darüber, mit welchem Impfstoff geimpft wurde. Das Datum muss der Arzt noch per Hand eintragen, oder er benutzt einen Stempel.

12.05.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Fest steht: Am 28. Januar, als die Einwohner des Betreuten Wohnens geimpft wurden, war Impfstoff in Deutschland ein knappes Gut. Und es ging damals um vermutlich sechs statt zwei anderweitig vergebene Impfdosen. Inzwischen ist reichlich Impfstoff vorhanden, auch die Hausärzte impfen schon.

Wendelsteins SPD-Fraktionsvorsitzender Maximilian Lindner weist nun darauf hin, dass die Aufklärung durch Bürgermeister Werner Langhans nicht erschöpfend und transparent gewesen sei. Es gehe nicht nur um zwei übrig gebliebene Impfdosen, sondern um vier weitere.

Dies hatten auch schon die Grünen in ihrer Stellungnahme unmittelbar nach der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses erklärt, in der Langhans eine persönliche Erklärung verlesen hatte. Eigentlich hatte der Bürgermeister mit der „Impfdrängelei“ überhaupt nichts zu tun, außer, dass er Dienstherr von Stefan Zeltner ist sowie Parteigenosse und Freund von Willibald Milde.

„Vertraulich“ war nicht viel wert

Der eine ist Geschäftsführer der Wendelstein Immobilien-, Bau- und Service GmbH (WIBS), der andere deren Generalbevollmächtigter. Zeltner und Milde hatten den „Impfskandal“ ausgelöst. Doch letztlich wollten die Kritiker alle wohl den Bürgermeister treffen.


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Willibald Milde will zu dem Thema nicht mehr viel sagen. „Es geht mir sehr an die Nieren“, stellt er fest. Der Brief des Anwalts sei vertraulich auch an die Fraktionen gegangen, teilt Milde mit.

Wie viel dieses „Vertraulich“ wert ist, zeigt sich daran, dass jetzt die Grünen und die SPD explizit auf die vier zusätzlichen Geimpften hinweisen. Diese Information stammt ausschließlich aus dem Anwaltsbrief. Die Initiative „Bürger gestalten Wendelstein“ verfügt offenbar ebenfalls über dieses vertrauliche Wissen. Ohne den Brief des Anwalts hätte von diesen vier zusätzlich geimpften Personen niemand gewusst

Wer hat gelogen?

Auch Stefan Gundel stellt Fragen im Zusammenhang mit dem Vorfall. Er will letztlich wissen, von wem er belogen wurde. Er fragt, ob es zum Zeitpunkt der Impfung im „Betreuten Wohnen“ eine Ersatzliste mit Impfwilligen gegeben habe.

Bürgermeister Langhans hatte dies in einem Facebook-Eintrag verneint. Und zwar ganz einfach, weil er damals nichts von einer Ersatzliste wusste. Die Ersatzliste gab es allerdings sehr wohl, wie das Landratsamt mitteilte. Wer aber über diese Liste verfügte, ist nicht klar. Möglicherweise ausschließlich die Firma Vitolus, die die Impfungen vornimmt. Beachtet hat sie die Liste offenkundig nicht.

Angeblich hatte Willibald Milde als Generalbevollmächtigter der WIBS vier mit ihm verwandte oder bekannte Personen, die ihm nahe stehen, schon vorab zu dem Impftermin eingeladen. Dies habe er der Öffentlichkeit verheimlicht, um die betreffenden Personen, die gar nichts dafür können, zu schützen. Er habe durch sein Verhalten Anlass für Spekulationen geliefert, die daran zweifeln lassen, dass die Impfreihenfolge eingehalten wurde. Dies sei nicht der Fall gewesen, es seien ausschließlich Personen aus der Prioritätsgruppe eins geimpft worden.

Öffentliche Rüge

Das von Stefan Zeltner und Willibald Milde verbreitete „Märchen von zwei übriggebliebenen Impfdosen“ sei durch das anwaltliche Schreiben widerlegt worden, kritisiert die SPD. Möglicherweise waren am Ende der Impfkampagne weitere zwei Impfdosen übrig geblieben, für die Stefan Zeltner dann seine Eltern aus Pyrbaum im Nachbarlandkreis Neumarkt zum Impfen bringen ließ. Er hat sich dafür entschuldigt und wurde von Bürgermeister Langhans öffentlich gerügt.

Die Seniorenbeauftragte Sonja Kreß von Kressenstein habe ebenfalls Fragen gestellt, die nicht beantwortet wurden, so die SPD. Sie habe die gleiche Antwort bekommen wie die Fraktionen, betont Rathauschef Langhans. Die Verwaltung habe über mehrere Tage versucht, Kreß von Kressenstein vor der Sitzung am 29. April zu kontaktieren, um die Fragen im Detail noch einmal durchzugehen. Diese habe in dieser Zeit jedoch weder auf E-Mails noch auf Telefonanrufe reagiert.

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Die Seniorenbeauftragte selbst teilt mit, es seien sogar Personen, die außerhalb des Landkreises Roth und somit außerhalb von Wendelstein wohnen, geimpft worden. Die Entrüstung darüber sei groß gewesen. Sie befürchtet, sie habe dadurch Vertrauen verloren.
Alle seinerzeit Geimpften hätten der Prioritätsstufe eins angehört, betonte Bürgermeister Werner Langhans in seiner persönlichen Erklärung.

Die Aufklärung des Falls sei unvollständig und intransparent, die Fragen der Fraktionen seien durch das Schreiben des Rechtsanwalts nur teilweise und daher unzureichend beantwortet worden, meint wiederum die SPD.


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Gunther Hess Schwabacher Tagblatt E-Mail

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