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Wer wird Oberbürgermeister in Schwabach? Christine Krieg im Gespräch

Kommunalwahl 2020: Die drei aussichtsreichsten Kandidaten - 01.08.2019 13:16 Uhr

Da will sie hinein: Grünen-Kandidatin Christine Krieg vor dem Schwabacher Rathaus. Die 50-jährige Juristin wurde von ihrer Partei ohne Gegenkandidaten für den Kampf um die Nachfolge von Noch-Amtsinhaber Matthias Thürauf nominiert. Krieg setzt auf bessere Verkehrskonzepte und eine möglichst klimaneutrale Kommunalpolitik für die Goldschlägerstadt.

© Foto: Alexander Jungkunz


Der OB-Wahlkampf kommt allmählich in Fahrt. Die meisten Parteien und Gruppierungen haben ihre Bewerberinnen oder Bewerber für die Nachfolge von Amtsinhaber Matthias Thürauf schon nominiert. Wir haben mit den drei Kandidaten gesprochen, die aussichtsreiche Chancen auf das Amt haben. Heute ist Christine Krieg an der Reihe, die Kandidatin der Grünen. Die Redaktion hat für alle Interviewpartner denselben Fragenkatalog ausgearbeitet.

Kurz und knackig, in drei Fragen und drei Antworten, äußert sich Krieg hier im Video:

Frau Krieg, der OB, den Sie beerben wollen, ist amtsmüde. Matthias Thürauf hört nach zwei Amtsperioden im nächsten Jahr auf. Warum wollen Sie sich die Tortur des Wahlkampfs und eines anstrengenden Jobs antun?

Christine Krieg: Wahlkampf – das mag eine Tortur sein, ist aber halt notwendig. Die Aufgabe als OB ist interessant und der Job, den ich jetzt habe, ist auch anstrengend. Von daher wäre das für mich nichts Außergewöhnliches. Ich schätze Herrn Thürauf sehr, auch seine Arbeit. Und die würde ich gern im grünen Sinne fortführen. Weil mir die Stadt am Herzen liegt, weil ich Schwabacherin bin. Und weil ich es mir zutraue.

Was läuft derzeit gut in Schwabach?

Ich glaube, dass die Abstimmung, die Kommunikation unter den Parteien einigermaßen gut funktioniert. Die Zusammenarbeit läuft gut – das ist etwas, was ich in einer Kommune für unabdingbar halte, sonst kann sie nicht geführt werden und gut arbeiten. Was auch gut läuft, ist die wirtschaftliche Entwicklung. Da müssen wir weiter dran arbeiten. Das bürgerschaftliche Miteinander ist sehr positiv; wir haben eine starke, engagierte Bürgerschaft in Schwabach. Das haben wir ja beim DG gesehen: Da gab es Pläne, die Bürger haben sich eingemischt – und dann wurde alles doch ein bisschen anders. Das zeigt: Wir dürfen nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden, wir müssen versuchen, sie mitzunehmen und das Ohr am Marktplatz haben.

Und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Am dringlichsten sind Verkehrskonzepte für Schwabach. Dann: Energiekonzepte, in verschiedenen Bereichen. Da könnte ich jetzt stundenlang ausholen. Wohnen: Da sehe ich einen gewissen Bedarf, und zwar im Bereich des günstigen, bezahlbaren Wohnraums. Da sehe ich Handlungsbedarf, und da haben wir auch etliche Ideen. Der Glasfaserausbau oder entsprechende Technik ist wichtig, um Schwabach als Wirtschafssstandort attraktiv zu halten. Wir haben ein Defizit an Betreuungsplätzen für Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Horten. Da bemüht sich die Stadt gerade sehr. Aber da brauchen wir mittelfristig wohl doch bessere Konzepte. Es gibt einiges zu tun!

Was verbindet Sie selbst mit Schwabach?

Mein ganzes Leben. Ich bin Schwabacherin. Ich bin hier geboren. Ich kenne den Marktplatz schon, als er noch nicht der umgebaute Marktplatz war. Ich verbinde mit Schwabach eine sehr starke, sehr stolze Stadt, die großes Potenzial hat in jeder Hinsicht. Und die zu führen ich große Lust hab‘.

Beschreiben Sie Schwabach mit drei Worten.

Schön. Stolz. Selbstbewusst.

Was wären die ersten drei Projekte, die Sie als OB anpacken würden?

Der Verkehr, also Maßnahmen zur Innenstadt-Beruhigung und auch zur Verkehrsregelung. Wir brauchen bessere Angebote für Alternativen zum Auto – also keine Verbote. Ich würde zudem mit als erstes eine verkehrsberuhigende Maßnahme zur Sicherheit der Schüler auf den Weg bringen – ich denke da an die Hindenburgstraße. Die zweite Maßnahme wäre mit Sicherheit, mich mit den Stadtwerken an einen Tisch zu setzen, um Konzepte für die Energieversorgung für Schwabach zu planen – neue Strompreisbildung, Dezentralisierung etc. Als Drittes würde ich mir als Chefin der Verwaltung genau anschauen, was die Mitarbeiter der Verwaltung brauchen. Da möchte ich genau hinhören und die Mitarbeiter mitnehmen.

Wo sehen Sie die Stadt nach Ihrer ersten Amtszeit, im Jahr 2026?

Ich sehe die Stadt ein Stück weit hin auf dem Weg zur Klimaneutralität, das neue Lieblingswort von Herrn Söder. Und weiter auf dem Weg des wirtschaftlichen Wachstums.

Warum sind Sie in der Partei, für die Sie antreten?

Ich war ja auch schon mal in der CDU, allerdings in Nordrhein-Westfalen, das ist was ganz was anderes als die CSU in Bayern. Da hab‘ ich auch schon mit den Grünen sympathisiert. Ich bin bei den Grünen, weil sie für mich die einzige Partei sind, die seit vielen Jahrzehnten wirklich glaubhaft den Erhalt unserer Lebensgrundlagen im Mittelpunkt hat. Und wir leben in einer Zeit, in der die Erhaltung dieser Lebensgrundlagen Zentrum des politischen Handelns sein muss, wir haben gar keine andere Wahl. Vor einigen Jahren war das noch nicht so deutlich sichtbar, jetzt ist es sehr, sehr deutlich. Und da sind die Grünen für mich am überzeugendsten.

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Glauben Sie denn, dass der Höhenflug der Grünen von Dauer sein wird?

Das ist eine Frage, deren Beantwortung fast schon hellseherische Fähigkeiten voraussetzt. . . Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die Themen der Grünen bleiben. Und ich denke, dass viele Bürger der Meinung sind, dass diese Themen von den Grünen am besten besetzt werden. Selbst wenn der grüne Höhenflug nicht so anhält – dann aber hoffentlich die Thematik. Denn darum geht es.

Was hat Sie damals zur CDU gebracht?

Das kann ich Ihnen sehr genau sagen. Ich war schon immer politisch interessiert. Damals lebte ich in Leverkusen. Und da wurde die NPD in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt. Das war für mich wie ein Schuss vor dem Bug, um mir zu sagen: Jeder, der sich als Demokrat empfindet, was ich natürlich tue, der muss sich jetzt bekennen. Und da bin ich dann in die CDU eingetreten. DIe Herausforderung hat sich ja übrigens nicht verändert.

Beurteilen Sie bitte Ihre beiden Hauptkonkurrenten – wie sehen Sie Michael Fraas von der CSU und wie Peter Reiß von der SPD?

Peter Reiß kenne ich insofern, als wir auch schon beruflich zusammengearbeitet haben. Er hat bei uns schon in der Kanzlei gearbeitet, er ist ein guter Jurist. Er ist sehr, sehr motiviert und ehrgeizig, sich politisch zu entwickeln, sag‘ ich jetzt mal vorsichtig. Er ist angesichts seines Alters natürlich noch etwas unerfahren im Leben und im Beruf, aber sehr engagiert. Bei Michael Fraas tue ich mich etwas schwer, weil ich ihn wenig kenne. Ich habe ihn als freundlichen, höflichen Menschen erlebt. Auch er ist Jurist – wie wir alle drei – und er hat einen sehr netten Sohn, mit Blinker-Sandalen. Die haben mich wahnsinnig beeindruckt. Politisch habe ich von ihm noch nie irgendeine Aussage gehört, da kann ich wenig dazu sagen.

Und wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich würde mich als durchsetzungsstark beschreiben. Zielstrebig, aber empathisch.

Vollenden Sie bitte diese drei Sätze:

Schwabach ist für mich wie. . .

. . . Daheim

Ich will OB werden, weil. . .

. . . mir die Stadt am Herzen liegt.

Jetzt freue ich mich erst mal auf. . .

. . .Feierabend. (Lacht). Das wollten Sie jetzt aber nicht hören, oder? Ich freu‘ mich erst mal auf einen kollegialen und angenehmen Wahlkampf, der sich bisher auch so abzeichnet.

Hier gelangen Sie zu den Interviews mit CSU-Kandidat Michael Fraas und SPD-Kandidat Peter Reiß; und zu den Porträts von FDP-Kandidat Axel Rötschke und FW-Kandidat Markus Hoffmann.

Christine Krieg ist Fachanwältin für Medizinrecht in einer großen Kanzlei in Gunzenhausen. Die 50-Jährige Juristin ist gebürtige Schwabacherin und lebt auch in der Stadt. Die Grünen-Kandidatin ist verheiratet und hat zwei Töchter. Von 1997 bis 2009 lebte und arbeitete sie in Leverkusen, wo sie sich bei der CDU engagierte.

© Foto: Alexander Jungkunz


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