"Seku" und H-Bahn: Die historischen Vorläufer der StUB

24.9.2012, 21:44 Uhr
Die jetzt so heiß diskutierte Stadt-Umland-Bahn hat einige Vorläufer: Die Bahn, die hier Anfang der sechziger Jahre am Erlanger Himbeerpalast vorbeidampft, ist die alte Sekundärbahn. Die
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Die jetzt so heiß diskutierte Stadt-Umland-Bahn hat einige Vorläufer: Die Bahn, die hier Anfang der sechziger Jahre am Erlanger Himbeerpalast vorbeidampft, ist die alte Sekundärbahn. Die "Seku" oder manchmal auch Seekuh, wie sie liebevoll genannt wurde, durchquerte... © NN-Archiv

... Erlangen vom Hauptbahnhof über das Siemens-Viertel (hier der Bau des Tunnels in der Werner-von-Siemens-Straße) bis zum Bahnhof Zollhaus. Von dort ging die Strecke weiter über die Drausnickstraße...
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... Erlangen vom Hauptbahnhof über das Siemens-Viertel (hier der Bau des Tunnels in der Werner-von-Siemens-Straße) bis zum Bahnhof Zollhaus. Von dort ging die Strecke weiter über die Drausnickstraße... © Rudi Stümpel

...über Buckenhof, Uttenreuth, Dormitz (Foto), Neunkirchen am Brand, Kleinsendelbach, Eschenau, Forth, Igensdorf und Weißenohe bis nach...
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...über Buckenhof, Uttenreuth, Dormitz (Foto), Neunkirchen am Brand, Kleinsendelbach, Eschenau, Forth, Igensdorf und Weißenohe bis nach... © Gertrud Gerardi

... Gräfenberg. Der dortige Bahnhof war die Endstation der rund 28 Kilometer langen Trasse der Sekundärbahn. 1956 feierten dort die Kinder das 70-jährige Jubiläum der 1886 offiziell eingeweihten Strecke.
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... Gräfenberg. Der dortige Bahnhof war die Endstation der rund 28 Kilometer langen Trasse der Sekundärbahn. 1956 feierten dort die Kinder das 70-jährige Jubiläum der 1886 offiziell eingeweihten Strecke. © Auer

Doch schon damals war die Bahn nicht mehr rentabel genug. Da sie sich an vielen Stellen die Straße mit dem Autoverkehr teilen musste, war eine Vielzahl von Unfällen die Folge. 1963 wurde die Strecke der
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Doch schon damals war die Bahn nicht mehr rentabel genug. Da sie sich an vielen Stellen die Straße mit dem Autoverkehr teilen musste, war eine Vielzahl von Unfällen die Folge. 1963 wurde die Strecke der "Seku" zwischen Erlangen und Eschenau endgültig stillgelegt und durch einen Bus ersetzt. Der Teil bis nach Gräfenberg ist bis heute Teil der "Gräfenbergbahn", die in Nürnberg-Nordost startet. © EN-Archiv

Gerade in den Erlanger Umlandgemeinden erinnern sich heute viele Ältere mit einer Spur Nostalgie an die alte
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Gerade in den Erlanger Umlandgemeinden erinnern sich heute viele Ältere mit einer Spur Nostalgie an die alte "Seku". Für 80 Pfennig konnte man seinerzeit etwa von Dormitz nach Erlangen und zurück fahren. Die Stadt-Umland-Bahn wird, wenn sie denn kommt, zwar teilweise auf der alten Trasse der "Seku" verkehren, so günstig wird man allerdings wohl nicht mit ihr fahren können. © André De Geare

In den sechziger und siebziger Jahren lag der Schwerpunkt der Verkehrspolitik dann auf dem Individual- und Busverkehr. Dass der Schienenverkehr 1977 dennoch wieder entdeckt wurde, war der Tatsache zu verdanken, dass Erlangen Siemens-Standort ist. Das Unternehmen wollte zunächst eine Verbindung zwischen seinen einzelnen Unternehmenssitzen in der Hugenottenstadt und dem Bahnhof schaffen - mit Hilfe einer Hängebahn (H-Bahn).
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In den sechziger und siebziger Jahren lag der Schwerpunkt der Verkehrspolitik dann auf dem Individual- und Busverkehr. Dass der Schienenverkehr 1977 dennoch wieder entdeckt wurde, war der Tatsache zu verdanken, dass Erlangen Siemens-Standort ist. Das Unternehmen wollte zunächst eine Verbindung zwischen seinen einzelnen Unternehmenssitzen in der Hugenottenstadt und dem Bahnhof schaffen - mit Hilfe einer Hängebahn (H-Bahn). © NN-Archiv

Im Siemens-Forschungszentrum wurde eine Teststrecke eingerichtet. 1,4 Kilometer war sie lang und verfügte über zwei Haltestellen.
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Im Siemens-Forschungszentrum wurde eine Teststrecke eingerichtet. 1,4 Kilometer war sie lang und verfügte über zwei Haltestellen. © Stümpel

Im Juli 1977 begann man dort mit den Testfahrten, zu denen sich auch...
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Im Juli 1977 begann man dort mit den Testfahrten, zu denen sich auch... © Stümpel

... der damalige Forschungsminister Hans Matthöfer (rechts) nach Erlangen begab, um sich vom Leiter des Bereiches Energietechnik bei Siemens, Helmut Wilhelms, die Hängebahn in der Praxis zeigen zu lassen.
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... der damalige Forschungsminister Hans Matthöfer (rechts) nach Erlangen begab, um sich vom Leiter des Bereiches Energietechnik bei Siemens, Helmut Wilhelms, die Hängebahn in der Praxis zeigen zu lassen. © Stümpel

Ein Blick in das Innere des Fahrbahnträgers: Links erkennt man die vier Stromschienen für den Gleichstrommotor, der auf dem Dach der Kabine angebracht ist.
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Ein Blick in das Innere des Fahrbahnträgers: Links erkennt man die vier Stromschienen für den Gleichstrommotor, der auf dem Dach der Kabine angebracht ist. © Stümpel

Geplant war jedoch eigentlich viel mehr als nur eine Teststrecke auf dem Siemens-Gelände: Mit der H-Bahn sollten Büchenbach und der Stadtosten verbunden werden, in der Altstadt wäre die Trasse sogar für mehr als einen Kilometer unter der Erde verlaufen.
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Geplant war jedoch eigentlich viel mehr als nur eine Teststrecke auf dem Siemens-Gelände: Mit der H-Bahn sollten Büchenbach und der Stadtosten verbunden werden, in der Altstadt wäre die Trasse sogar für mehr als einen Kilometer unter der Erde verlaufen. © Stümpel

Doch das Projekt blieb umstritten: Argumente wie das, die fahrerlos geplante H-Bahn würde zu Sittlichkeitsverbrechen einladen und die Höhe der Fahrbahnträger das Hineinspähen in Wohnungen erleichtern, muten heute allerdings eher absurd an. Doch es gab auch...
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Doch das Projekt blieb umstritten: Argumente wie das, die fahrerlos geplante H-Bahn würde zu Sittlichkeitsverbrechen einladen und die Höhe der Fahrbahnträger das Hineinspähen in Wohnungen erleichtern, muten heute allerdings eher absurd an. Doch es gab auch... © Stümpel

... andere Argumente. Neben den massiven Veränderungen im Stadtbild, die eine H-Bahn hervorgerufen hätte, wollte die CSU lieber mit dem jahrelang propagierten Ausbau des Kosbacher Dammes die Verkehrsprobleme lösen. Am Ende stimmte der Stadtrat gegen die H-Bahn und begrub sie damit in Erlangen für alle Zeit. Die Fotomontage aus den
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... andere Argumente. Neben den massiven Veränderungen im Stadtbild, die eine H-Bahn hervorgerufen hätte, wollte die CSU lieber mit dem jahrelang propagierten Ausbau des Kosbacher Dammes die Verkehrsprobleme lösen. Am Ende stimmte der Stadtrat gegen die H-Bahn und begrub sie damit in Erlangen für alle Zeit. Die Fotomontage aus den "Nürnberger Nachrichten" von 1977 zeigt, wie eine H-Bahn über dem Lorlebergplatz ausgesehen hätte. © Stümpel

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"Kleinliche Parteitaktik und provinzielle Bürgersorgen" hätten die Umsetzung der H-Bahn verhindert - dieses harte Urteil über die Erlanger Kommunalpolitik fällte damals der SPIEGEL. Dafür war die H-Bahn später in Nürnberg (die Fotomontage zeigt, wie sich die Planer die Bahn am Steiner Schloss vorstellten) im Gespräch, umgesetzt wurde sie aber auch hier nicht. © Voll

Viel hätte Erlangen für die H-Bahn in der Stadt damals nicht zahlen müssen, Bund, Freistaat und Siemens hätten einen Großteil der Kosten übernommen. Nach der Absage durch den Stadtrat wurde die H-Bahn schließlich in Dortmund umgesetzt, wo sie Nord- und Südcampus der Universität verbindet.
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Viel hätte Erlangen für die H-Bahn in der Stadt damals nicht zahlen müssen, Bund, Freistaat und Siemens hätten einen Großteil der Kosten übernommen. Nach der Absage durch den Stadtrat wurde die H-Bahn schließlich in Dortmund umgesetzt, wo sie Nord- und Südcampus der Universität verbindet. © NN-Archiv

Und noch einen Vorgänger hatte die Stadt-Umland-Bahn: Die Aurachtalbahn, die seit 1894 Herzogenaurach und Erlangen verband. 1984 wurde zuerst der Personenverkehr eingestellt, 1995 die Strecke endgültig stillgelegt. Jetzt könnte mit der StUB wieder Leben auf die brach liegenden Gleise einkehren.
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Und noch einen Vorgänger hatte die Stadt-Umland-Bahn: Die Aurachtalbahn, die seit 1894 Herzogenaurach und Erlangen verband. 1984 wurde zuerst der Personenverkehr eingestellt, 1995 die Strecke endgültig stillgelegt. Jetzt könnte mit der StUB wieder Leben auf die brach liegenden Gleise einkehren. © André De Geare