Samstag, 07.12.2019

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Sensoren für A9: So wird Bayerns erste digitale Autobahn

Instrumente sollen auch dabei helfen, Geisterfahrten zu entschärfen - 09.08.2016 06:00 Uhr

Gleich mehrere Sensoren sollen mit den Fahrzeugen auf der Straße kommunizieren. Entwickelt wird das System unter anderem von Siemens. © Siemens/Infineon


Radarsensoren werden dort ab Mitte 2017 den Verkehr vermessen und für mehr Sicherheit sorgen. Vor Geisterfahrern kann dadurch etwa sehr viel früher gewarnt werden. Die Standorte für die wohl zunächst fünf Anlagen stehen noch nicht ganz fest, konkretisieren sich aber allmählich. "Wir könnten uns Radarsensoren am Autobahndreieck Holledau, im Raum Ingolstadt oder am Autobahnkreuz München-Nord vorstellen", sagt Siemens-Projektleiter Marcus Zwick. Das Unternehmen entwickelt die Technik gemeinsam mit Chip-Hersteller Infineon.

"Durch die Sensoren soll der Verkehr flüssiger werden, die Kapazitätsauslastung der Autobahn soll sich verbessern", erklärt Zwick. Dazu werden vor allem die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrzeuge und die Auslastung der Autobahn gemessen, auch der Standstreifen wird überwacht.

Sensoren für neblige und verschneite Tage

Dadurch können Autofahrer frühzeitig über dichten Verkehr, Hindernisse und Unfälle auf der Strecke informiert werden. Außerdem kann das Tempolimit an die gegenwärtige Auslastung der Straße angepasst werden.

"Das passiert jetzt schon mit Kameras. Aber Sensoren haben da einfach eine höhere Verfügbarkeit. Sie können auch durch Nebel, Schnee oder Dunkelheit hindurchsehen", verdeutlicht Zwick. Letztendlich könnten die Sensoren den mit Kommunikationssystemen ausgestatteten Fahrzeugen auch die optimale Spur für die Reise mitteilen - je nach Fahrbahnauslastung, Reiseziel und Geschwindigkeit.

Mischverkehr als besondere Herausforderung

Etwa 200 Meter weit können die Sensoren sehen. "Das heißt aber nicht, dass wir künftig alle 200 Meter Sensoren platzieren müssen", betont Zwick. "Wichtig sind sie bei Gefahrenschwerpunkten und für bereitgestellte Nothaltebuchten." Mit den Nothaltebuchten meint er keine Buchten im herkömmlichen Sinne. Vielmehr geht es um das künftig auftauchende Problem, autonom fahrende Autos im Notfall sicher zum Stehen zu bringen. Nötig wäre das zum Beispiel, wenn sich im Winter Schneematsch an den Sensoren des selbständig fahrenden Wagens festsetzt und das Auto dadurch nichts mehr sieht.

Eine besondere Herausforderung für die voll digitalisierte Straße wird der Mischverkehr aus hochintelligenten Fahrzeugen und alten Autos sein. "Alle Optimierungsansätze gehen davon aus, dass alle Autos miteinander kommunizieren und autonom fahren können. Das dauert aber auf jeden Fall noch über 20 Jahre", erklärt Marcus Zwick.

Die Radarsensoren werden zunächst auf dem Siemens-Gelände in München-Perlach getestet, bevor sie dann an der A9 installiert werden. Dort werden die Sensoren an Masten oder Schilderbrücken angebracht. Vor der totalen Überwachung an der Autobahn muss aber auch dann niemand Angst haben, betont Zwick: "Wir machen keine Geschwindigkeitsmessung und blitzen auch nicht. Durch die Sensoren können wir weder identifizieren, um welches Fahrzeug es sich handelt noch wer drinsitzt."

Martin Müller

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