So kämpfen die Tante-Emma-Läden ums Überleben

21.11.2015, 06:00 Uhr
Das „Butterhaus Konrad Weiß“ im Gebäude der Einhorn-Apotheke direkt am Marktplatz: Nur einer von zahlreichen „Tante-Emma-Läden“, die es früher mal gab.

Das „Butterhaus Konrad Weiß“ im Gebäude der Einhorn-Apotheke direkt am Marktplatz: Nur einer von zahlreichen „Tante-Emma-Läden“, die es früher mal gab. © Stadtarchiv

"Zu uns kommen die Leute nicht aus Überzeugung, sondern wenn sie beim Großeinkauf etwas vergessen haben", erzählt Paul Bornowski bei einem Treffen von Dorfladen-Betreibern und Menschen, die es unter Umständen werden wollen. Und natürlich kämen alte Menschen, die nicht mehr Auto fahren können und ihre Einkäufe im Korb am Rollator nach Hause bringen, ergänzt der Vorsitzende der Genossenschaft „Dorfladen Langfurth“.

Reichtümer lassen sich mit diesen beiden Kundengruppen nicht verdienen, und so ist Bornowski froh, wenn sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten. Seit acht Jahren gibt es den Dorfladen in der kleinen Gemeinde im Landkreis Ansbach, deren knapp 2200 Einwohner sich auf neun Ortsteile verteilen. Angefangen hatte die Genossenschaft mit 25.500 Euro Startkapital und 120 Quadratmetern Ladenfläche und machte erst mal Miese.

Als es besser lief und das Langfurther Konzept auch einige Preise bei Wettbewerben für Nachhaltigkeit und bürgerschaftliches Engagement abräumte, zog der Laden in die erheblich größeren Räumlichkeiten der einstigen Schlecker-Filiale des Dorfes um.

Wieder gab es erst mal ein Defizit, und der Genossenschafts-Vorsitzende musste wegen der Expansion einige kritische Fragen der Anteilseigner beantworten. Inzwischen steht der Dorfladen Langfurth auf einigermaßen gesunden Füßen, doch der Kampf um die Kundschaft ist weiterhin hart. Überall im Dorf Fangschlingen auslegen und die Leute dann am Strick ins Geschäft zerren, lautet Bornowskis scherzhafter Rat auf die Frage, wie man Menschen in den Laden kriegt. Optimismus hört sich anders an, und auch sonst dominierten bei dem Treffen der Interessengemeinschaft Regionalbewegung Mittelfranken zum Thema Dorfläden nachdenkliche Töne.

19 Dorfläden in RegioApp zu finden

Regionale Wirtschaftskreisläufe will dieser Zusammenschluss von lokalen Initiativen wie „Slow Food Nürnberg“ und Verbänden wie der Handwerkskammer Mittelfranken oder der „Regionaltheke“ von fränkischen Bauern fördern und hatte deshalb zum Gedankenaustausch nach Wachendorf (Kreis Fürth) eingeladen.

Dabei ist gerade die Region rund um die Kleeblattstadt in Sachen Dorfläden ein weißer Fleck auf der Landkarte. Der einzige Dorfladen im Raum Fürth stand in Buchschwabach und musste nach fünf Jahren schließen, weil einfach zu wenig Geschäft ging. Aktuell gibt es 19 Dorfläden in Mittelfranken, die in der RegioApp der Interessengemeinschaft zu finden sind.

Laut Projektleiterin Claudia Schreiber, die auch dieses Treffen organisiert hatte, sind inzwischen über 500 Adressen von Läden, Direktvermarktern und Gastronomiebetrieben in diesem Service-Portal zu finden, das sich die Nutzer aufs Smartphone oder den Tablet-PC herunterladen können.

Neben Öffnungszeiten und Übersichten der angebotenen Warengruppen können sich potenzielle Kunden auch über die Herkunft der im jeweiligen Geschäft angebotenen Produkte informieren. Die mittelfränkische Entwicklung soll in absehbarer Zeit auf ganz Bayern ausgeweitet werden.

"Alles, was noch Rad unterm Hintern hat, fährt doch zum Aldi oder Lidl"

Die RegioApp ersetze natürlich nicht den direkten Kontakt, erklärt Heiner Sindel, der Sprecher der Regionalbewegung Mittelfranken. Schließlich solle ein Dorfladen ja auch Treff- und Kommunikationspunkt sein. Doch um das zu erreichen, müssen Betreiber zusätzliche Angebote wie ein kleines Café im Ladeneck schaffen oder regelmäßige Veranstaltungen anbieten.

Um die Ausgaben zu reduzieren, empfiehlt Heiner Sindel die Bildung von Einkaufsgemeinschaften, um bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. „Sie müssen auch das Feld Frische und Qualität besetzen“, rät Reinhardt Dober, der den „KaRo-Dorfkauf“, einen mobilen Dorfladen im Landkreis Roth, betreibt.

Das allein wird wohl keine zusätzlichen Kundenschichten in die Dorfläden locken. „Alles, was noch ein Rad unterm Hintern hat, fährt doch zum Aldi oder Lidl“, bilanziert ein hörbar frustrierter Zuhörer.

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