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Stadtmuseum Fürth eröffnet Sonderausstellung

Spielzeugträume aus Burgfarrnbach - 17.02.2012 08:00 Uhr

"Im Kleinen wie der Große": Der Fendt 936 Vario sieht im Maßstab 1:16 genauso aus wie das Original.

16.02.2012 © Edgar Pfrogner


„Die Figuren mit ihren Baumaschinen sind unsere neuesten Produkte“, sagt Paul Heinz Bruder, Geschäftsführer der Firma Bruder Spielwaren. Noch vor zwei Wochen stand das Baustellen-Modell auf der Nürnberger Spielwarenmesse, heute wird es schon im Stadtmuseum Fürth ausgestellt. „Die Nürnberger organisieren ihre Messe eben hauptsächlich für die großen Spielwarenhersteller aus Fürth“, sagt daher mit einem Augenzwinkern der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung des Museums „Spielzeugträume – Die Geschichte der Firma Bruder in Fürth“.

1926 gründete der arbeitssuchende Paul Bruder ein Ein-Mann-Unternehmen und fertigte in seinem Wohnhaus sogenannte Messingstimmen, die Spielzeugtrompeten ihren Ton geben. Die Handpresse, mit der damals alles begann, ist als erstes Exponat der Ausstellung zu sehen. „Zehn bis zwölf Stunden am Tag habe ich daran gearbeitet“, erinnert sich Heinz Bruder. Er stieg 1950 als Werkzeugmacher in den väterlichen Betrieb ein und übernahm die Firma später. Die Handpresse funktioniert heute noch. „Obwohl wir damit schon Millionen Messingstimmen hergestellt haben“, sagt Heinz Bruder. Zehn Stück kosteten damals 0,3 Pfennig. „50 bis 80 Reichsmark haben wir pro Woche verdient – nur mit unserer Muskelkraft“, sagt der heute 80-Jährige, zu dessen Jubiläum das Fürther Stadtmuseum die Ausstellung präsentiert.

Begonnen hat die Produktion in Burgfarrnbach mit Messingstimmen, die Trompeten ihren Ton geben.

16.02.2012 © Edgar Pfrogner


Bagger stehen in den Regalen, kleine und große Lastwagen, Mähdrescher, Radlader und Traktoren mit Schaufel oder Kippanhänger. Im Maßstab eins zu 16 sind sie kaum zu unterscheiden von ihren Vorbildern draußen auf dem Feld oder der Baustelle. Ganz getreu dem Firmenmotto: „Auch im Kleinen wie der Große.“

„Unsere Produkte sind mit der Zeit immer detailgetreuer geworden“, sagt Paul Heinz Bruder. „Man kann Türen und Motorhaube aufklappen und die Figuren sind beweglich geworden.“ In der Vitrine steht ein Jeep mit Pferdeanhänger, daneben auf dem Pferd sitzt eine Reiterin, deren Füße in die Steigbügel passen und die Zügel und Reitergerte festhalten kann. „Trotzdem müssen die Figuren etwas aushalten, wenn die Kinder richtig damit spielen wollen“, sagt Heinz Bruder. Bei Spielzeug sei daher die Qualität besonders wichtig. „Da darf nichts passieren, wenn mal was in den Mund gesteckt wird.“ Geht doch etwas kaputt, hilft der firmeneigene Ersatzteilservice.

Senior-Chef Heinz Bruder und sein Sohn Paul Heinz Bruder „spielen“ mit dem 1,30 Meter hohen Schwenk-Kran ihrer Firma zur Eröffnung der Sonderausstellung „Spielzeugträume – Die Geschichte der Firma Bruder in Fürth“.

16.02.2012 © Edgar Pfrogner


Seit zehn Jahren liefert Bruder mehr als die Hälfte seiner Spielwaren ins Ausland, nach Asien, Russland und in die USA. Trotz Verlockungen der Billiglohnländer ist der Spielzeughersteller dem Standort Fürth stets treu geblieben. „Made in Burgfarrnbach ist etwas besonderes“, sagt Paul-Heinz-Bruder. Heute beschäftigt die Firma hier 340 Mitarbeiter. Sie haben auch alle 80 Teile des mehr als einen Meter hohen Krans in der Ausstellung hergestellt. Er hat einen ausziehbaren Arm, ein Fahrerhäuschen und Motoren- und Hupgeräusche. Knapp 30 Gussformen waren dazu nötig.

„So etwas Tolles haben wir erst jetzt, wenn ich erwachsen bin“, habe ihr Sohn schön öfter gesagt beim Anblick neuer Modelle, verrät Elfriede Bruder, die Mutter des aktuellen Geschäftsführers.

Die Sonderausstellung „Spielzeugträume – die Geschichte der Firma Bruder in Fürth“ ist noch bis 29. April 2012 im Stadtmuseum Fürth Ludwig Erhard zu sehen.
 

Christina Merkel

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