15°

Samstag, 11.07.2020

|

zum Thema

Stammzellenspende in Zeiten des Coronavirus

Coronavirus als zusätzliches Risiko: 39-Jährige steht kurz vor Transplantation - 03.04.2020 16:07 Uhr

Die 39-Jährige Michaela R. steht kurz vor ihrer Stammzellentransplantation und befindet sich zurzeit in Quarantäne im Universitätsklinikum Erlangen. © privat


Mit Krankenhausaufenthalten kennt sich Michaela R. notgedrungen aus: Vor gut drei Jahren erkrankte die Ehefrau und Mutter von zwei Kindern aus Neustadt/Aisch an Blutkrebs. Nachdem im vergangenen Sommer in das Leben der Familie gerade wieder etwas Normalität eingekehrt war, wird sie wieder krank: „Ich fühlte mich einfach nicht fit und war anfällig für Infekte“, erzählt sie. Die Diagnose folgt Ende 2019: Leukämie, dieses Mal allerdings eine andere Form als 2017: „Endlich wusste ich, was mir fehlt, es war fast eine Art von Erleichterung.“

Doch die Erleichterung hält nicht lang an. Wenige Wochen später rückt das Virus Sars-COV-2 auch in Deutschland immer näher – und Michaela R. macht Erfahrungen, die sie nie für möglich gehalten hätte. „Als ich mit Mundschutz in den Supermarkt bin, wurden meine Familie und ich beleidigt und richtig aggressiv angegangen, als würde ich die Corona-Krankheit einschleppen“. Das sei bei ihrer ersten Erkrankung nicht der Fall gewesen: „Manche haben mich damals auch schon angeschaut, aber eher aus Neugierde oder Mitleid und nicht wie eine Aussätzige.“

Inzwischen sind einige Wochen vergangen, in denen sich nicht nur Michaela R.´s Leben verändert hat, sondern unser aller: Wer einen hat, trägt Mundschutz. Die 39-Jährige ist zumindest damit nicht mehr allein. Doch ganz allein ist sie in ihrem Krankenzimmer im Internistischen Zentrum am Ulmenweg. Natürlich gelten vor schweren Eingriffen wie einer Stammzelltransplantation stets strenge Schutzmaßnahmen, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

Bilderstrecke zum Thema

In Zeiten von Corona: Ein Blick in die Isolierstation im Klinikum Nord

Zutritt nur mit Schutzkleidung: Normalerweise liegen auf der Isolierstation 16 II in Nürnberger Klinikum Nord Patienten mit Tuberkulose oder schwerer Influenza. In den vergangenen Wochen kamen Verdachtsfälle auf Corona-Virus dazu. Alle Mitarbeiter der Isolierstation — ein Oberarzt, drei Assistenzärzte und 25 Schwestern und Pfleger — müssen sich penibel an die hygienischen Vorschriften halten. Ein Einblick.


In Vor-Corona-Zeiten durften gesunde Erwachsene Leukämie-Patienten durchaus auf der Station besuchen. Das ist jetzt nicht mehr möglich. „Ich kann nicht heraus, und niemand kann herein“, sagt die Mittelfränkin am Krankenhaustelefon, das neben ihrem Smartphone derzeit ihr einziger Kontakt nach draußen ist. Die (Lebens-)Freude und ihre Energie sind ihr dabei aber noch nicht vergangen: „Ich skype mit meinen Freunden und meiner Familie“, sagt sie, „lese, male, und mache Exit-Spiele wie Escape-Room, das geht auch allein“. Und das Personal der Uniklinik halte sie ebenfalls bei Laune, sagt sie und lacht dabei herzlich in den Hörer.

In den vergangenen Wochen war Michaela R. immer mal wieder zur ambulanten und stationären Behandlung in der Medizin 5 - der Hämatologie und Internistischen Onkologie. „Anfangs hatte ich schon noch etwas Befürchtungen, ich könnte mich hier mit dem Coronavirus infizieren, es waren ja einfach mehr Menschen um einen herum als in der Familie“. Daheim hatte sie mit Blick auf die nahende Stammzelltransplantation das Haus zuletzt gar nicht mehr verlassen. Inzwischen hat sie keine Bedenken mehr wegen einer möglichen Ansteckung im Krankenhaus selbst, denn die Sicherheitsvorkehrungen wurden dort mit Besuchverboten und Eingangskontrollen in den vergangenen Wochen stetig verschärft.

Bestmögliche Isolation in der Klinik

Seit mehr als einer Woche liegt sie jetzt ohne Unterbrechung in der Uniklinik, sie bekommt Chemo-Therapie und Immunsuppressiva, die eine körpereigene Abwehr gegen die übertragenen Blutstammzellen unterdrücken und im besten Fall verhindern sollen. Schon in wenigen Tagen soll die Stammzelltransplantation voraussichtlich stattfinden. Zunächst war ein passender Spender nicht zu erreichen, ein zweiter konnte dann nicht und nun ist es der „Drittversuch“, wie die Leukämie-Kranke sagt, „und ich hoffe, der klappt jetzt und verläuft ohne Komplikationen“.

Natürlich verfolgt sie als Angehörige der Covid-19-Risikogruppen Mediendarstellungen etwa über Intensivbetten und deren Zuteilung in Zeiten von Corona. „Ich hoffe“, sagt sie, „dass ich keines brauchen werde“. Im Hinterkopf schwingen da aber durchaus Berichte und Bilder von den teils verheerenden Zuständen in italienischen Kliniken und von auch bereits in Deutschland knapper werdenden Schutzausrüstungen und Intensiv-Geräten mit: „Natürlich denkt man sich da, hoffentlich wärst Du für ein Intensivbett auch wichtig genug.“ Solche Überlegungen sind derzeit aber hierzulande wohl gottlob (noch) nicht aktuell.

Bilderstrecke zum Thema

Hygiene-Tipps: So schützt man sich vor dem Coronavirus

Das Coronavirus breitet sich mittlerweile auch in Europa mehr und mehr aus. Doch wie schützt man sich vor der Krankheit? Wir haben neun Hygiene- und Verhaltens-Tipps nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vorbeugung des Coronaviruses und anderen Virusinfektionen zusammengefasst.


Nach der Operation wird Michaela R. noch einige Wochen in der Uniklinik bleiben müssen, im geschützten Rahmen, mit hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards. Was aber, wenn sie danach wieder nach Hause kommt? „Dass ich mich hier dann noch mit Corona anstecke, glaube ich nicht, aber zuhause?“, fragt sie etwas besorgt. Die Vorstellung, dass bis dahin alle Ausgangsbeschränkungen aufgehoben sein könnten und ihre Kinder wieder in den Kindergarten gingen, löst in ihr schon ein mulmiges Gefühl aus.

Und noch etwas bereitet ihr schon jetzt etwas Sorge: dass es nämlich für sie, die nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor Erregern aller Art besonderen Schutz braucht, keinen Mundschutz und kein Desinfektionsmittel mehr gibt. „Da frage ich mich schon, wie wir das dann wieder hinkriegen?“ Aber selbst da bleibt die 39-Jährige zuversichtlich: „Irgendwie wird es schon laufen.“


Unter diesem Link finden Sie täglich aktualisiert die Zahl der Corona-Infizierten in der Region. Diese Gebiete in Bayern, Deutschland und der Welt sind besonders von Corona betroffen. Sie haben selbst den Verdacht, an dem Virus erkrankt zu sein? Hier haben wir häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

In Bayern gilt aufgrund der Corona-Krise eine Ausgangsbeschränkung. Was noch erlaubt ist und wie teuer ein Verstoß gegen die Auflagen werden kann, lesen Sie hier. Experten sind sich uneins, wie lange der Corona-Shutdown noch andauern wird.

Auch beim Einkaufen gilt besondere Vorsicht. Warum aber tragen Verkäufer dann keinen Mundschutz? Und sollte man beim Einkaufen überhaupt noch mit Scheinen und Münzen zahlen? Ein Chefarzt klärt auf, ob Corona auch über Geld übertragen werden kann.

Ein bisschen Abwechslung gefällig? Wie viele Millionen andere Deutsche arbeitet auch unsere Redaktion nun von Zuhause. Im Live-Blog berichten die Kollegen live! Ob Sie selbst ein Anrecht auf Homeoffice haben, erklären wir Ihnen hier.

Sie sind wegen der Krise von Kurzarbeit betroffen? Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.


Wir informieren Sie ab sofort mit unserem täglichen Corona-Newsletter über die aktuelle Lage in der Coronakrise, geben ihnen Hinweise zum richtigen Verhalten und Tipps zum alltäglichen Leben. Hier kostenlos bestellen. Immer um 17 Uhr frisch in Ihrem Mailpostfach.

Sie bevorzugen Nachrichten zur Krise im Zeitungsformat? Erhalten Sie mit unserem E-Paper-Aktionsangebot immer die wichtigsten Corona-News direkt nach Hause: Ein Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.


Sie wollen in der Corona-Krise helfen: Dann sind Sie in unserer Facebookgruppe "Nordbayern hilft" genau richtig!

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen