Dienstag, 20.04.2021

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Statistik: Schlechte Zeiten für Kriminelle in Bayern wegen Corona

Das Jahr 2020 geht als das beste seit über 40 Jahren in die Kriminalitätsstatistik ein - 08.03.2021 13:00 Uhr

Die Aufklärungsrate der Kriminalfälle lag 2020 sehr hoch. Es gab im vergangenen Jahr zudem so wenig Straftaten wie seit 41 Jahren nicht mehr. 

07.02.2020 © Sven Hoppe, dpa


Sie ist ein typisch deutsches Wort, die Häufigkeitszahl. Und sie ist der Indikator dafür, wie sicher die Lage im Land tatsächlich ist. Denn die HZ gibt wieder, wie viele versuchte und vollendete Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen. Aktuell sind das in Bayern 4291 Delikte - ein Wert, den kein anderes Bundesland erreicht.

Erfreulich dabei ist, dass Mittelfranken und die Oberpfalz überdurchschnittlich gut wegkommen. In beiden Regionen ist die Häufigkeitszahl am deutlichsten gesunken, in der Oberpfalz um 5,6 Prozent auf 3665 Straftaten pro 100.000 Einwohner, in Mittelfranken um 5,4 Prozent auf 4322.

Ähnlich das Bild bei den zwölf größten Städten. Erlangen ist dort der Spitzenreiter mit einem Minus von knapp 13 Prozent. Die Stadt rangiert jetzt hinter Fürth auf Platz zwei der sichersten bayerischen Städte. München, obwohl Millionenstadt, liegt auf Platz drei. Bamberg dagegen hat sich mit einem Plus von 8,2 Prozent an die Negativspitze gesetzt. 8365 Straftaten je 100 000 Einwohner hat die Polizei dort registriert. Nürnberg liegt auf Platz vier.

Klar ist, dass im vergangenen Jahr die Corona-Beschränkungen ihren Teil dazu beigetragen haben. Knapp 563.200 Anzeigen hat die Polizei 2020 Jahr aufgenommen. Die deutlichsten Abnahmen gab es beim Tankbetrug (minus 19,8 Prozent), bei den Ladendiebstählen (minus 8,5) und den Körperverletzungen (minus 8,2 Prozent). Aber auch die Zahl der Einbrüche ist erkennbar gesunken. Kein Wunder: Die Läden waren monatelang geschlossen, Urlaubsfahrten nur begrenzt möglich, Tanken deshalb weniger notwendig. Und dank Ausgangsbeschränkungen und Homeoffice sind viele zuhause geblieben.


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Dazu kamen die zumindest zeitweise geschlossenen Grenzen. Wenn die Polizei überhaupt nach einem Einbruch einen Tatverdächtigen ermitteln konnte - ihr gelingt das nur bei etwa jedem fünften Bruch -, stößt sie in der Mehrzahl auf Mittel- und Osteuropäer, auf Rumänen, Bulgaren, Tschechen oder Ungarn. Tatsächlich spielen Einbrüche für das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen eine große Rolle. In der Statistik nicht. Knapp 4200 Einbrüche hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert, 31 auf 100 000 Einwohner. Allein die Zahl der Gewalttaten lag im gleichen Zeitraum in Bayern fast fünfmal höher.

Dafür haben die so genannte Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+23,7) und die Computerkriminalität (+17,2) im gleichen Zeitraum drastisch zugenommen - der von vielen erwartete Anstieg häuslicher Gewalt im Lockdown dagegen lässt sich aus der Statistik bisher nicht herauslesen. Ersteres geht auch darauf zurück, dass sich mehr Betroffene wehren und sich an die Polizei wenden. Es geht auch um die so genannte Verbreitung pornografischer Schriften, ein Phänomen, das über Messengerdienste und soziale Netzwerke gerade bei Jugendlichen und Kindern grassiert. Herrmann plädiert dafür, dass die entsprechenden Rechtsvorschriften überarbeitet werden.

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Es ist wenig verwunderlich, dass die Kriminellen sich zunehmend auf Aktivitäten im Internet verlegen. So ist zwar die Zahl der Rauschgiftdelikte im vergangenen Jahr gesunken. Innenminister Herrmann glaubt, dass die Dealer für ihr Geschäft notgedrungen ins Internet ausgewichen sind. Gleichzeitig agieren dort die Täter immer raffinierter. Haben sie früher etwa Firmen angegriffen, ihre EDV blockiert und Lösegeld verlangt, kopieren sie heute zudem alle Inhalte und verlangen weiteres Geld, damit die Daten nicht an die Konkurrenz gehen.

Knapp 36.000 Fälle hat die Polizei im vergangenen Jahr aufgenommen; die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen. Viele Geprellte wenden sich nicht an die Behörden, sondern nehmen den Schaden stillschweigend hin. Für die großen Fälle, wenn es etwa um erpresste Firmen geht, rüstet die Polizei nun auf. Bisher schon hat das Landeskriminalamt eine "Zentrale Ansprechstelle Cybercrime". Das Polizeipräsidium Oberfranken soll nun ein mobiles IT-Forensiklabor erproben, mit dem die Fahnder vor Ort alle digitalen Beweisspuren sichern können. Allein die Technik kostet gut 300.000 Euro, die Lizenzgebühren für die Software kommt oben drauf.

Bedenklich findet Herrmann den nach wie vor hohen Anteil tatverdächtiger Ausländer. Sie stellen 34,7 Prozent aller ermittelten Verdächtigen, aber nur 13,6 Prozent der Bevölkerung. Typische ausländerrechtliche Delikte sind dabei nicht berücksichtigt.
Alles in allem ist der Innenminister zufrieden. "Bayern ist Spitzenreiter im Bereich der inneren Sicherheit", sagt er. Auch wenn Corona im vergangenen Jahr dabei eine Rolle gespielt hat, sei das "das Ergebnis einer konsequenten, strategisch ausgerichteten Sicherheitspolitik." Zu der zählt auch, dass mittlerweile rund 44 000 Polizeibeamte ihren Dienst in Bayern versehen. Dieses Jahr sollen weitere 1700 dazu kommen. Auch das ein Rekord.

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