Städtetag fordert Maßnahmen

Sterben Bayerns Innenstädte? Neue Ideen gegen drohende Verödung

Recht öde sah es zu Zeiten der Pandemie sogar im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt München aus. Allmählich füllt sich die Fußgängerzoine wieder, doch die frühere Passantenfrequenz ist noch lange nicht erreicht.
 

Recht öde sah es zu Zeiten der Pandemie sogar im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt München aus. Allmählich füllt sich die Fußgängerzoine wieder, doch die frühere Passantenfrequenz ist noch lange nicht erreicht.   © Ralf Müller

Trotz der zunehmenden Probleme des stationären Einzelhandels, die sich in wachsenden Leerständen und abnehmenden Passantenfrequenzen äußern, ist den in Aschaffenburg zusammen gekommenen Bürgermeistern um die Zukunft der Stadtzentren nicht bange. Die europäische Stadt habe Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende überdauert, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Thomas Jung (Fürth, SPD): "Wir werden auch das überstehen." Dazu wünschten sie sich dauerhafte "möglichst niedrigschwellige" Förderprogramme von Bund und Land, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags Markus Pannermayr (Straubing, CSU) zum Auftakt der Vollversammlung des kommunalen Spitzenverbands am Mittwoch in Aschaffenburg.

Die Attraktivität der Innenstädte werde "von mehreren Seiten" angegriffen, sagte Jung. Die nachteiligen Folgen des boomenden Online-Geschäfts für den stationären Handel seien durch die Corona-Pandemie verschärft worden. Es sei nicht zu erwarten, dass der Einkauf vom Sofa aus wieder auf ein Vorkrisenniveau zurückgehen werde. Weniger Sorgen macht sich der Fürther Oberbürgermeister über die Innenstadt-Gastronomie. Die sei schon wieder ganz ordentlich angelaufen und auch nicht durch Online-Aktivitäten ersetzbar.

"Mal was ausprobieren"

Die Entwicklung bietet nach Ansicht Jungs aber auch Chancen. So könne das Wohnen in der Innenstadt wieder eine größere Rolle spielen. So werde es zum Beispiel "Umfunktionen" mehrstöckiger Warenhäuser geben. Damit es sich lohnt, in die Innenstadt zu gehen, sollte man sich an "mediterrane Vorbilder" orientieren und viele kleinere Orte der Begegnung schaffen. Die oberbayerische Stadt Weilheim habe mit dem Programm "Sommer in der Stadt" bereits einen ähnlichen Weg beschritten, berichtete deren Erster Bürgermeister Markus Loth (parteilos). Die Kommunen sollten den Mut haben, "'mal was auszuprobieren, auch wenn es manchmal schief geht."

Um innovative Projekte und kreative Ideen umsetzen zu können, dürften die Förderprogramme von Bund und Land nicht zu bürokratisch gestaltet sein, forderte Straubings OB Pannermayr. Es müsse vermieden werden, dass die Kommunen allein für das Stellen von Förderanträgen zusätzliches Personal einsetzen müssten.

Hinzu kommen müssten mehr rechtliche Möglichkeiten für die Kommunen wie etwa ein wirksames Vorkaufsrecht zum Verkehrswert. "Das gefällt nicht jedem", sagte der CSU-Politiker. Ansonsten profitierten aber "einige wenige" von den Immobiliengeschäften. "Es braucht den Mut, dies in Balance zu bringen", so Pannermayr.

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