Studie aus Franken schafft Klarheit: So sollte in Kitas getestet werden

3.5.2021, 12:04 Uhr
Viele Eltern sehnen sich nach Testkonzepten für Kitas, die deren weitgehende Öffnung sicherstellen.

Viele Eltern sehnen sich nach Testkonzepten für Kitas, die deren weitgehende Öffnung sicherstellen. © Monika Skolimowska, dpa

"Wir haben entweder vor Ort Nasenabstriche durch geschultes Studienpersonal durchgeführt oder Mundspülwasserproben eingesammelt, die von den Teilnehmenden selbständig zu Hause entnommen und anschließend in die Kita mitgebracht wurden", erklärt Johannes Liese, Professor an der Universitäts-Kinderklinik Würzburg. Bei den Nasenabstrichen wurden Antigen-Schnelltests angewandt, das Mundspülwasser wurden mittels PCR-Test analysiert.

Durch die Studie wollten die Forscher der Uniklinikums und der Universität Würzburg vor allem herausfinden, welche Testmethoden an Kitas am leichtesten durchgeführt werden können und welche am besten akzeptiert werden. Kinder und Beschäftigte von neun Würzburger Kitas wurden dafür von Oktober 2020 bis März 2021 regelmäßig auf Sars-CoV-2 getestet. Mehr als 600 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren nahmen an der Studie teil.

Große Zustimmung für Test mit Mundspülwasser

Bei einer Gruppe wurden regelmäßig bis zu zweimal in der Woche alle gesunden Kinder und Beschäftigten in der Kita getestet. Bei der zweiten Gruppe wurde nur bei Erkältungsanzeichen getestet, und zwar in diesem Fall bei einer Teststation außerhalb der jeweiligen Kinderbetreuungseinrichtung.

Die größte Zustimmung gab es für den Test mit dem Mundspülwasser, den man zweimal in der Woche im eigenen Zuhause durchführen konnte. Bei dieser Methode mit dem Mundspülwasser gab es auch die geringste Abbruchrate während der Studie. Bei dem Test wird der Mund mit Leitungswasser gespült, bevor die Flüssigkeit in ein Röhrchen gespuckt wird. Gegurgelt werden muss nicht.

Trotzdem ist der Ablauf ähnlich wie bei den Gurgeltests, die vor allem im Raum Erlangen und Regensburg bereits an Schulen und auch in einigen Unternehmen durchgeführt werden. Auch dabei werden alle Proben in einen Pool zusammengekippt, der dann analysiert wird. Nur wenn der Pool positiv ist, werden die individuellen Proben untersucht. Dafür verbleibt in den Würzburger Studien ein Rest an Flüssigkeit in den Röhrchen.

Mundspülwasser effektiver als Lollitest

"Das Ergebnis hat man noch am selben Tag und kann so potenzielle Infektionsherde frühzeitig im Keim ersticken", betont Liese. Damit habe man früher Gewissheit als beim Lollitest, der in manchen Studien untersucht wird und bei dem ein zweiter Testtag nötig sei. Außerdem sei der Test mit Mundspülwasser empfindlicher und schlage schneller an.

"Regelmäßiges Testen von Kindern und Betreuungspersonal ist eine effektive Möglichkeit, Infektionen schnell zu erkennen und eine Ausbreitung in der Einrichtung einzudämmen", sagt Oliver Kurzai, Professor für Mikrobiologie an der Uni Würzburg. Gleichzeitig erwiesen sich die Kita-Kinder, die ohne Krankheitsanzeichen die Einrichtungen besuchten, während der Studienphase nicht als Pandemie-Treiber. Lediglich bei einem einzigen Kind wurde eine Corona-Infektion nachgewiesen.


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Häufiger als die Kinder war hingegen das Betreuungspersonal infiziert. "Das spricht dafür, dass ein Impfangebot für diese Berufsgruppen auch aus infektionspräventiven Gründen sinnvoll ist", meinen die Würzburger Forscher. Insgesamt gab es zwölf sogenannte "Events". Gemeint sind damit infizierte Haushaltsmitglieder von Kindern und Beschäftigten oder Infektionen bei diesen selbst. Doch nur in einem Fall wurde die Infektion so in eine Kita getragen, dass es zu einem Ausbruch kam.

Tests erst bei Symptomen?

Nicht bewährt hat sich laut den Studienmachern dagegen, wenn Tests erst bei Erkältungssymptomen durchgeführt wurden. Dabei wurden zwar mehr Infektionen pro durchgeführtem Test erkannt. "Diese Methode ist aber weniger gut dazu geeignet, Infektionsketten in Kitas zu unterbrechen, da der Nachweis zu spät erfolgt, um die Weiterverbreitung rechtzeitig aufzuhalten", erläutert Kurzai.

Die Hoffnung der Forscher, vor allem aber auch der Eltern und nicht zuletzt der Kinder ist nun, dass die Kitas in Zukunft trotz Pandemie durch ausgeweitete Tests flächendeckend geöffnet bleiben können. Eine am 3. Mai begonnene Folgestudie soll deshalb nun der Frage nachgehen, wie die Testmethoden großflächig eingesetzt werden können. Dabei soll ein Konzept entwickelt werden, das auf eine große Zahl von Kinderbetreuungseinrichtungen übertragen werden kann.


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Weil Kita-Kinder in Bayern bislang noch nicht regelmäßig getestet werden können, empfiehlt das Bayerische Sozialministerium derzeit die "Umfeldtestung". Eltern, aber auch ältere Geschwister sowie andere Personen, die regelmäßig Kontakt zu den Kindern haben (etwa die Großeltern), sollten sich möglichst zweimal in der Woche testen lassen. Die Kinder selbst sollen nur bei konkreten Symptomen getestet werden.