Freitag, 06.12.2019

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Tausche Tunika gegen Tasche: Kleidertauschparty in Lauf

150 Frauen stürmten ins Studio - Modesünden aus den 80ern - 19.11.2019 21:19 Uhr

Diese beiden Freundinnen freuen sich über die Kleidungsstücke, die sie bei der Tauschbörse ergattert haben. © Stefanie Buchner-Freiberger


Die Tauschbörse ist inzwischen ein Selbstläufer, groß Werbung machen müssen die drei Organisatorinnen – die "Tanz(t)raum"-Betreiberinnen Cosima, Romy und Dagmar Adebahr – nicht mehr. Das war allerdings nicht immer so. "Die Aktion musste sich erst rumsprechen. Wir waren schon mal kurz davor, aufzuhören, weil nur 20 Leute kamen", erinnert sich Cosima Adebahr.

Doch der lange Atem hat sich gelohnt. Bestimmt 150 Frauen zwischen Anfang 20 und Ende 50 stürmen an diesem Abend das Studio. Fünf Kleidungsteile darf jede mitbringen, dazu bis zu fünf Accessoires – und im Gegenzug mitnehmen, was gefällt. Wer im Durcheinander der Kleiderbügel etwas Passendes finden will, muss Jagdinstinkt haben ... und den Kennerblick. Denn schwarze Blusen hängen hier neben bunten Wollpullovern, Größe 34 reiht sich an Größe 42, zu den sexy Tiger-Pumps gesellen sich ein Paar bequeme Sommersandalen. Oberteile, die dunkel an Modesünden aus den 80ern erinnern, warten genauso auf eine neue Besitzerin wie die ein oder andere wirklich schicke Markenklamotte.

Kleidertauschparty - viele Wiederholungstäterinnen

Dass alles ein bisschen chaotisch ist, stört die Besucherinnen nicht. Die meisten sind "Wiederholungstäterinnen" in Sachen Kleidertauschparty. "Wir finden eigentlich immer etwas", erzählen zwei Freundinnen aus Lauf. "Und es ist umgekehrt eine gute Möglichkeit, den eigenen Kleiderschrank auszumisten." Der Nachhaltigkeitsgedanke steht bei Mutter und Tochter im Vordergrund, die zwischen den Ständern stöbern. "So viele Klamotten trägt man nur ein paar Mal und gibt sie dann in die Altkleidersammlung. Dabei sind sie dafür noch viel zu schade."

Das Thema Nachhaltigkeit ist es auch, dass Cosima, Romy und Dagmar Adebahr motiviert, die Kleidertauschparty zweimal im Jahr zu organisieren. Dadurch habe sich auch ihr eigenes Konsumverhalten komplett verändert. "Wir drei waren früher so richtige Shopping Queens", sagt Cosima lachend. Mehrmals im Jahr zu H&M, billig geshoppt ... und dann vieles kaum getragen. "Inzwischen brauche ich nicht mehr so viele Klamotten, ich muss nicht jeden Trend mitmachen." Das meiste in ihrem Kleiderschrank stamme von der Tauschbörse.

Vieles zu ergattern

Derweil biegen sich vor dem großen Spiegel im umfunktionierten Tanzsaal drei Freundinnen vor Lachen. Eine von ihnen hat sich in einen bunten, flatternden Overall der Gattung "kurios" getraut. Nein, das sei wohl doch nicht alltagstauglich, meint die junge Frau kichernd. Für sie steht an diesem Abend der Spaß im Vordergrund. Anders nebenan: Hier freut sich eine Besucherin, dass sie für eine bedürftige Freundin eine Winterjacke ergattern konnte.

Cosima Adebahr weiß, dass die Veranstaltung für die ein oder andere Besucherin mit schmalen Geldbeutel eine gute Möglichkeit ist, an Kleidung zu kommen, ohne dafür zum Beispiel den Weg in einen Sozialladen suchen zu müssen. "Wenn hier jemand mehr Klamotten mitnimmt, als er mitgebracht hat, ist das in Ordnung. Wir fragen nicht nach", sagt sie. Was am Ende an den Ständern hängen bleibt, geht an soziale Einrichtungen, etwa an den Verein "Lilith" in Nürnberg, der ehemals drogensüchtige Frauen unterstützt, aber auch an die Johanniter, die Tafel oder das Rote Kreuz.

Nach einer guten Stunde leert sich der Raum, viele Besucherinnen nutzen den angebrochenen Abend, um noch etwas trinken zu gehen. Für die drei Adebahrs heißt es jetzt: aufräumen. Bis zur nächsten Kleidertauschparty.

Stefanie Buchner-Freiberger

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