Thrombosen nach Astrazeneca: Es ist hauptsächlich eine Gruppe gefährdet

Christina Merkel
Christina Merkel

Hochschule & Wissenschaft

E-Mail zur Autorenseite

17.3.2021, 16:41 Uhr
Deutschland hat die Impfungen mit dem Astrazeneca-Präparat gestoppt.

Deutschland hat die Impfungen mit dem Astrazeneca-Präparat gestoppt. © Alastair Grant, dpa

Wegen einer "auffälligen Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen" hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Montag einen vorübergehenden Impfstopp mit dem Präparat des Herstellers Astrazeneca empfohlen.

Mittlerweile hat die Bundesbehörde, die für die Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland zuständig ist, weitere Details bekannt gegeben.

Der Hirndruck steigt

Es handelt sich dabei um Blutgerinnsel in den Gefäßen, die Blut aus dem Gehirn zurück in Richtung Herz führen. Wenn das Blut nicht mehr ausreichend abfließen kann und sich staut, steigt der Druck im Gehirn.

Das kann zu dauerhaften Schäden führen und lebensgefährlich sein. "Es handelt sich um eine sehr schwere Krankheit, die außerdem schwer zu behandeln ist", schreibt das PEI.


Bayerischer Gesundheitsminister zu Astrazeneca: Ich würde mich sofort impfen lassen


Dem Institut sind seit Anfang Februar sieben Fälle solch spezieller Thrombosen in zeitlicher Nähe zur Impfung berichtet worden. Bei sechs davon handelt es sich um schwerwiegende Hirnvenenthrombosen, auch Sinusvenenthrombosen genannt.

Dazu kam ein Mangel an Blutplättchen bei den Patienten. Die Komplikationen traten zwischen vier und 16 Tage nach der Impfung auf. Drei der Betroffenen sind verstorben.

Höheres Risiko bei Jüngeren

Die sechs Patientinnen und ein Mann sind etwa zwischen 20 und 50 Jahre alt. Grundsätzlich sind Frauen von dieser Art Thrombose häufiger betroffen als Männer. Jüngere Personen haben ein höheres Risiko als ältere. Es ist also nicht die Altersgruppe betroffen, die sonst ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf von Covid-19 hat.

"Alle Expertinnen und Experten waren einstimmig der Meinung, dass hier ein Muster zu erkennen ist und ein Zusammenhang der Erkrankungen mit der Impfung nicht unplausibel sei", schreibt das PEI.

Mehr Fälle als normalerweise

Die Zahl der Fälle ist laut PEI statistisch signifikant höher als normalerweise in der Bevölkerung. "Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, sieben Fälle sind gemeldet worden."

Personen, die sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – mit anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen – sollen sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

Wie geht es nun weiter?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will am Donnerstag ihre "abschließende Einschätzung" zur Sicherheit des Mittels vorstellen, sagt Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Diese Einschätzung will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn abwarten. Solle die Einschätzung am Donnerstag nicht kommen - was aber nicht sehr wahrscheinlich sei - seien auch Lösungen zu finden.

Die WHO empfiehlt vorerst weiter den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca. "Die WHO ist der Meinung, dass die Vorteile die Risiken überwiegen", teilte die Organisation am Mittwoch in Genf mit.