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1. Kongress für Adventure-Management in Treuchtlingen

Spannende Vorträge zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends - 20.11.2012 07:48 Uhr

Die Stadthalle war beim Kongress gut gefüllt. © Stanka


Zum Kongress trafen sich in der gut gefüllten Stadthalle die Repräsentanten der Treuchtlinger Fachhochschule für Angewandtes Management (FHAM), die zu der Tagesveranstaltung eingeladen hatte, mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Studenten. Dabei gab es mehrere Leit-Vorträge und eine Podiumsdiskussion.


Der Treuchtlinger Bürgermeister Werner Baum stellte zur Begrüßung die Stadt Treuchtlingen vor und deren Ausrichtung als „Betriebs-, Wohn- und Erholungsgemeinde“ mit einer Fokussierung auf Gesundheit, Erholung und Wellness. Er schilderte auch kurz den Werdegang der FHAM in Treuchtlingen, und was bislang neben dem Campus sichtbar ist. So wurde ein Beachsportplatz eröffnet, Mountainbike-Strecken und ein Bürgergolfplatz werden gebaut und auch ein Hüttendorf. „All das braucht Zeit“, meinte Baum dazu. Er sieht Stadt und FHAM „gut aufgestellt für eine gemeinsame Zukunft“.


Der Präsident der FHAM, Prof. Dr. Dr. Christian Werner, erklärte in einem Grundsatzvortrag unter dem Titel „Experiential Economy: Innovative Geschäftsmodelle durch emotionalen Mehrwert“ indirekt, mit welchen gesellschaftlichen Themen sich die FHAM vorrangig beschäftigt. Er lieferte damit indirekt auch die Begründung, weshalb es die FHAM überhaupt gibt.


Zeitalter des Erlebnisses


Wir leben demnach in einem „Age of Experience“ – einem Zeitalter des Erlebnisses. Folgerichtig werden Einkaufszentren heute zu Erlebnisinseln, und auch Reisen bieten mehr als nur ein fremdes Land. Die Wirtschaft wird laut Werner zusehends psychologisiert. Die Menschen haben ein wachsendes Bedürfnis, sich selber zu verwirklichen. „Die Erlebnisorientierung beansprucht einen immer größeren Anteil am individuellen Zeitbudget“.


Auch in der Arbeitswelt spiele der Erlebnisfaktor eine immer wichtigere Rolle. Der kommerzielle Erlebnismarkt weite sich immer mehr aus.


Auch auf die einzelnen Produkte habe dieser Trend Auswirkungen. So kaufe der Kunde heute nicht mehr einfach ein Produkt, sondern häufig ein Erlebnis. Als Beispiel nannte Werner die Kaffeehaus-Kette „Starbucks“. Dort werde nicht nur Kaffee verkauft, sondern Lifestyle, und es gebe eine emotionale Bindung.


Nach der Einschätzung des Professors zähle rund die Hälfte der Bevölkerung zu „Erlebniskonsumenten“. Dabei übernähmen die Konsumenten in jüngster Zeit eine immer aktivere Rolle und spielten in den Unternehmen von der Produktentwicklung bis zur Umsetzung eine wachsende Rolle. Diese Verhaltensmuster werden von Wissenschaftlern und der Wirtschaft intensiv beobachtet und untersucht.

Wolfgang Langmeier stellte die Marke Jochen Schweizer vor. © Stanka



Heli-Skiing in den Rockies


Einen Gastvortrag hielt Prof. Dr. Harold Richins von der kanadischen Thompson Rivers University, der Partnerhochschule der FHAM. Er stellte die „School of Tourism an culinary Arts“ vor, die sich denselben Themen wie die FHAM widmet, nämlich dem Adventure Sport. Die Zuhörer im Saal sahen großartige Bilder von Heli-Skiing in den Rocky Mountains, Rafting und Luxus-Blockhäusern – alles für Abenteuer der „gehobenen Geldbeutel“. Die Treuchtlinger FHAM bietet in Zusammenarbeit mit den Kanadiern einen Master-Studiengang an, der im Mai kommenden Jahres startet. Außerdem gibt es noch ein Joint-Programm unter dem Titel „Experience Management“.


Nach einigen Workshops stand am Nachmittag einer der Höhepunkte des Kongresses an: Wolfgang Langmeier, Vorstand der Jochen Schweizer Projects AG, berichtete über sein Unternehmen, den Werdegang und die Philosophie der größten deutschen Event-Agentur. Die Firma gibt es seit 25 Jahren. Sie war nachweislich stets Trendsetter im Bereich „Erlebnis“ und brachte z.B. das Bungee-Jumping nach Deutschland. Letzteres hätte ihr nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2004 allerdings beinahe den Ruin gebracht. Damals sank die Zahl der Mitarbeiter von 65 auf vier. Jochen Schweizer rappelte sich aber auf und wandelte den „Business Case“ komplett. Heute finden sich über 1000 verschiedene Angebote auf der Internetpage der Firma.


Die Firma hat mehrere Geschäftsbereiche, bietet Erlebnisse für Verbraucher, sogenannte „Corporate Solutions“ – also Angebote für Firmen – und ist selbst als Betreiber tätig. Im Programm sind „beschleunigende“ Angebote (Action) ebenso wie „entschleunigende“. Die Gruppe hat mittlerweile 37 eigene Shops und setzt auf „emotionale Kundenbindung“. Jochen Schweizer will die „Demokratisierung von Erlebnissen“; was soviel heißt, dass die Angebote für jedermann, jederzeit und an jedem Ort möglich sein sollen. Wie Langmeier erklärte, sei die Latte dabei sehr hoch gehängt.


Er ging auch auf ein neues Projekt der Unternehmensgruppe ein. So soll demnächst am Münchner Stadtrand eine „Jochen Schweizer Erlebniswelt“ entstehen. Dort kann man z.B. in einer Luftröhre schweben oder auf einer stehenden Welle surfen. Wenn das Projekt in München funktioniert, soll es auf weitere Großstädte übertragen werden. Für Lacher sorgte Langmeier mit dem Satz: „Ab vier Jahren kannst du dein Kind in die Luft hängen.“ Womit er auf die „Erlebnis-Demokratisierung“ anspielte.


Bei einer Podiumsdiskussion, stellte neben Langmeier und anderen Firmenvertretern auch Ulrich Hanus von der Weißenburger Baboons GmbH das eigene Unternehmen sowie die Philosophie vor. Anschließend standen alle Rede und Antwort. Im Anschluss ging es noch auf den Campus zu einem Sektempfang.


Der Adventure Kongress soll künftig laut dem Moderator und neuen Campusleiter Manuel Sand einmal im Jahr stattfinden. 

Hubert Stanka

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