Donnerstag, 28.01.2021

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Abschied vom "Arbeiterschriftsteller": Ludwig Fels ist tot

Der sprachgewaltige gebürtige Treuchtlinger und Wahl-Wiener starb im Alter von 74 Jahren - 11.01.2021 16:36 Uhr

Ludwig Fels bei der Verleihung des Literaturpreises der Treuchtlinger Hirschmann-Stiftung im November 2009. Er  verstarb im Alter von 74 Jahren in seiner Wahlheimat Wien.

11.01.2021 © Sieghard Hedwig


Erst im vergangenen Frühjahr – fünf Jahre nach seinem hochgelobten Roman "Die Hottentottenwerft" – hatte Ludwig Fels sein neuestes Werk "Mondbeben" vorgestellt. Darin beeindruckte er mit gewohnt brachialer Sprachgewalt. Für seinen aggressiven, bildmächtigen Stil war der Autodidakt weit über Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Rezensoren gaben ihm den Beinamen "Arbeiterschriftsteller", den er selbst aber nicht mochte.

Ein Feind der Ausbeutung

Geboren 1946 in Treuchtlingen und aufgewachsen ohne Vater, brach Ludwig Fels nach der Schule die Malerlehre ab und schlug sich zunächst als Hilfsarbeiter und Packer für eine Nürnberger Halbleiterfabrik durch. Seine Erfahrungen verarbeitete er später in rebellischer Wut gegen jede Form der Ausbeutung und Unterdrückung.

Ab 1973 war Fels freier Autor und ab 1981 Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums. Schon mit seinem zweiten Roman "Die Sünden der Armut" sorgte er als 29-Jähriger für Beachtung. Seinen 1981 veröffentlichten Roman "Ein Unding der Liebe" verfilmte das ZDF, ein weiterer Erfolg war "Rosen für Afrika" (1985). Zu seinen 16 Erzählungen und Romanen kommen zwölf Lyrikbände, 24 Hörspiele und neun Theaterstücke.

Feinsinnig und drastisch

Ludwig Fels schrieb von Menschen, die in ihrer Situation gefangen sind und sich nur durch Aggression und Gewalt artikulieren können. Er thematisierte Krankheit und Sterben (unter anderem den langsamen Krebstod seiner Mutter) sowie politische Missstände wie etwa die (sexuelle) Ausbeutung armer Länder durch den reichen Westen. Seine oft drastischen Bilder wechselten sich häufig ab mit feinsinniger Poesie und stellten immer wieder gewohnte Sichtweisen in Frage – so auch in seinen Theaterstücken wie "Lämmermann" oder "Die Hochzeit von Sarajewo".

Für sein stets polarisierendes Werk wurde Fels insgesamt 18 Mal mit Stipendien bedacht und ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kulturpreis der Stadt Nürnberg 1974 und 1981, dem Leonce-und-Lena-Preis 1979, dem Andreas-Reischek-Preis 1990, dem Kranichsteiner Literaturpreis 1992, dem Weißenburger Johann-Alexander-Döderlein-Kulturpreis 1995 und der Otto-Braun-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung 2000. Im Jahr 2004 erhielt er den Wolfgang-Koeppen-Preis, 2009 den Literaturpreis der Treuchtlinger Wilhelm- und Christine-Hirschmann-Stiftung sowie 2011 den Wolfram-von-Eschenbach-Preis.

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