Samstag, 29.02.2020

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Abwrackbetrieb im alten Treuchtlinger KB-Werk?

Stadtrat hebt ablehnenden Beschluss von November auf – FW stellen Gewerbenutzung in Frage - 29.01.2019 06:05 Uhr

Seit Ende 2016 steht die einstige Firma KB Kunststoffbeschichtung (Knufinke) leer. Während an der Stelle der Hallen und des Parkplatzes östlich der Elkan-Naumburg-Straße das neue Treuchtlinger Feuerwehrhaus entstehen soll, könnte in den Verwaltungstrakt westlich davon (unser Bild) demnächst ein „Kfz-Zerlegebetrieb“ einziehen. © TK-Archiv/Patrick Shaw


Es geht um das seit Ende 2016 leerstehende Werks- und Verwaltungsgebäude der Firma KB Kunststoffbeschichtung (besser bekannt unter dem Namen ihres verstorbenen Gründers Harald Knufinke) zwischen Dürerstraße, Reifen Wagner und Autohaus Klimen. Während an der Stelle der Doppelhalle und des Parkplatzes östlich der Elkan-Naumburg-Straße das neue Treuchtlinger Feuerwehrhaus entstehen soll, möchte sich in dem zweigeschossigen Zweckbau entlang der Westseite der Elkan-Naumburg-Straße ein „Kfz-Zerlegebetrieb mit Lagerung und Verkauf von Einzelteilen, Reparaturservice und Kfz-Verwertung“ ansiedeln.

Nach der Ablehnung der – laut Bauamtsmitarbeiterin Silke Schebitz mit nur „sehr dürftigen“, rudimentär skizzierten und kaum erläuterten Plänen eingereichten – Voranfrage im Stadtrat vor zwei Monaten überprüfte das Landratsamt nochmals die bau- und immissionsrechtliche Situation. Seine Einschätzung: Der Treuchtlinger Flächennutzungsplan sehe für das betreffende Grundstück eine gewerbliche Nutzung vor, und der geplante Betrieb falle „als nicht erheblich belästigend voraussichtlich in die regelzulässige Vorhabenskategorie“. Der Bauherr könne aller Voraussicht nach auf einen positiven Vorbescheid bestehen.

Im Nachgang legte letzterer zudem weitere Unterlagen vor und erklärte, dass er sich als „moderner Kfz-Zerlegebetrieb für hochwertige Fahrzeuge“ sehe. Diese würden vor Ort ausgeschlachtet und die Teile zwischengelagert, wobei „viel Wert auf Qualität und Schnelligkeit gelegt“ werde. Es gehe in der Regel um höchstens vier bis fünf Fahrzeuge gleichzeitig, der gesamte Prozess bis zum Weiterverkauf dauere selten länger als zwei Tage.

Nur drinnen und mit kurzer Lagerzeit

Alle Tätigkeiten werden nach Angaben des Antragstellers ausschließlich in der Halle durchgeführt – außerhalb gibt es der Stadtverwaltung zufolge ohnehin keine Abstell- und Lagermöglichkeiten. Zu diesem Zweck seien im Erdgeschoss des ehemaligen KB-Gebäudes zwei Hebebühnen, etliche Schwerlastregale sowie ein Verkaufsraum geplant. Die ausgeschlachteten Autokarosserien würden „regelmäßig und zeitnah“ von einem Altmetallhändler abgeholt.

Laut Bürgermeister Werner Baum ist mittlerweile „klar, dass dort kein Schrottplatz entsteht, sondern eher eine Art Internethandel für Ersatzteile“. Dessen Betreiber seien zwei Audi-Mitarbeiter aus Ingolstadt.

FW-Fraktionssprecher Klaus Fackler erklärte, es sei zwar aus ökologischen Gründen „zu begrüßen, dass alte Autoteile wiederverwertet werden“. Er habe aber „Zweifel, ob ein solcher Betrieb an dieser Stelle adäquat ist“. Schließlich sei die Elkan-Naumburg-Straße eines der „Eintritts­tore“ der Stadt und damit prägend für ihren Eindruck auf Bürger und Besucher. Die Freien Wähler plädierten deshalb „eher für eine andere Nutzung des Grundstücks, zum Beispiel auf langfristige Sicht als Areal für eine mögliche Wohnbebauung“.

Schlecht für die Stadtentwicklung

Dem hielt Silke Schebitz entgegen, dass der aktuelle Flächennutzungsplan für das gesamte Gebiet eine Gewerbenutzung vorsehe, sodass dort überhaupt keine Wohnbebauung möglich sei. Mangels Außenflächen vor der Halle sei zudem kein „Schrottplatz-Eindruck“ zu befürchten. Für Fackler ist dies allerdings kein Argument: „Die Vorgaben des Flächennutzungsplans liegen im Ermessen der Kommune und des Stadtrats. Und wenn wir nicht langsam mit der Ausweisung von Konversionsflächen und einer stärkeren Innenentwicklung beginnen, verbrauchen wir immer mehr Fläche an den Ortsrändern.“

Auch CSU/TBL-Fraktionschef Uwe Linss hält die Lage des geplanten Verschrottungsbetriebs „nicht für ideal“, das Vorhaben selbst sei aber „okay“. Er sprach sich für die Zustimmung unter der Auflage aus, dass der Betreiber keine Altkarosserien oder andere Schrottteile im Freien lagern darf. Maria Scherer (SPD) äußerte sich ebenfalls „froh, dass auf diese Weise ein Leerstand neu belebt wird“.

Am Ende sprach sich der Stadtrat mit 17:3 Stimmen für die Aufhebung des ablehnenden Beschlusses vom vergangenen November und eine positive Antwort auf die Bauvoranfrage aus. Lediglich die Freien Wähler verweigerten die Zustimmung.

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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