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Alfmeier produziert weitere Corona-Schnelltests

Das Verfahren soll nur 15 Minuten dauern und könnte den Zugang zu Heimen und Betrieben erleichtern - 23.04.2020 15:59 Uhr

In Deutschland wird zu wenig auf das Coronavirus getestet, davon sind Experten überzeugt. Doch die Labore sind überlastet, die Betroffenen müssen lange auf ihr Ergebnis warten. Ein schnelleres Verfahren bringt derzeit die Münchner Firma GNA Biosolutions auf den Weg - die Treuchtlinger Alfmeier-Gruppe ist daran maßgeblich beteiligt. © Sebastian Gollnow/dpa


Es ist bereits das zweite Projekt zur Entwicklung eines besonders schnellen Corona-Tests, an dem Alfmeier beteiligt ist. Vergangene Woche erhielt der Kunststoffspezialist RKT aus Roding den Auftrag aus München. Ebenfalls beteiligt ist die Actuator Solutions GmbH mit Sitz in Gunzenhausen.

Der Pressemitteilung der Unternehmensgruppe zufolge handelt es sich "nicht um einen immunologischen Antikörpertest, sondern um einen Test auf die Infektion mit Covid-19". Bisherige Testverfahren seien aufwendig und zeitintensiv – die Proben müssen im Labor aufbereitet und bis zu 40 Mal erhitzt werden. Danach lassen sich darin für das Virus typische Moleküle erkennen. Diese sogenannte Polymerase-Kettenreaktion verkürzt das neue Testgerät laut Alfmeier-Pressesprecher Jörg Kleinöder erheblich. Vor allem aber entfalle der Transport, da der nötige Rachenabstrich dezentral an Ort und Stelle getestet werden könne. Der gesamte Vorgang liefere nach einer knappen Viertelstunde ein Ergebnis.

Mit dem neuen Test könnten Corona-Verdachts- und Kontaktpersonen in Kliniken oder "Drive-in-Teststationen" einfach auf ihr Ergebnis warten, kündigt Alfmeier an. Sogar Veterinärpraxen könnten das Verfahren Überlegungen der Bundesregierung zufolge durchführen. So könnte die Testzahl deutlich steigen. In Sierra Leone sei mit dem Verfahren bereits 2017 ein Versuch zur Erkennung von Ebola-Infektionen erfolgreich gewesen.

Viertelstunde statt einer Woche

Aktuell kommt es vor, dass man bis zu eine Woche auf sein Corona-Testergebnis wartet. "Für den Besuch im Pflegeheim ist ein solches langwieriges Prozedere vollkommen ungeeignet", schreibt Alfmeier. Und auch in Betrieben oder bei Sportveranstaltungen müsse "unmittelbar und schnell entschieden werden".

Für die Alfmeier-Gruppe, die mit ihren rund 2400 Mitarbeitern international in den Bereichen Automotive, elektronische Flachbaugruppen, Medizintechnik, Testverfahren und Labordienstleistungen tätig ist, ist es bereits die zweite Beteiligung an einem besonders schnellen Corona-Test. Schon seit einigen Wochen arbeitet RKT dazu auch mit der Freiburger Spindiag GmbH zusammen. In Roding werden die Testträger für deren System hergestellt. Anders als beim GNA-Verfahren können die Proben dabei sogar von nicht laborfachlichem Personal untersucht werden – was es möglich mache, die Tests zum Beispiel auch in Apotheken, Pflegeheimen und Unternehmen einzusetzen. Der Test von GNA erfordere ausgebildetes Laborpersonal, sorge im Vergleich aber für mehr Durchsatz.

Alfmeier und seine Gesellschaften prüfen laut Pressesprecher Kleinöder auch die Möglichkeiten, die Tests für ihre eigenen Mitarbeiter anzubieten. Für die breite Masse der Bevölkerung könne folgendes Konzept interessant sein: "Eine erste Vorprüfung beim Betriebsarzt eines Arbeitgebers ist negativ. Dies macht dann einen Besuch in sensiblen Risikobereichen wie zum Beispiel im Pflegeheim möglich – und zwar, wenn dort der zweite Test ebenfalls negativ ausfällt."

Chance für Angehörige und Betriebe

Ein derart schneller und unmittelbarer Doppeltest trage dazu bei, dass Pflegebedürftige von ihren Angehörigen wieder besucht werden können oder infizierte Menschen das Virus nicht ins Krankenhaus eintragen, so Alfmeier. Denn nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) steige vor allem in Pflegeheimen die Zahl der Todesfälle. "Der Corona-Ausbruch im Pappenheimer Seniorenheim mit mehreren Toten ist besorgniserregend", so Kleinöder. "Und er zeigt, dass es dringend schneller und zuverlässiger Tests bedarf, um Menschenleben nicht zu gefährden".

Interesse an dem Ansatz hat nach Auskunft der Alfmeier-Gruppe auch bereits der hiesige Landtagsabgeordnete und baldige Landrat Manuel Westphal gezeigt. Zusammen mit seinem Bundestags-Kollegen Artur Auernhammer setze er sich für die Schnelltests ein, um mit Blick auf die Wirtschaft im Landkreis "gangbare Wege aus dem Lockdown" zu finden – die wiederum mit der Staatsregierung und dem Bund abgestimmt werden müssten.

Der Treuchtlinger Unternehmer Markus Gebhardt steht in den Startlöchern. © Alfmeier Group


Die Politik unterstützt

"In einem Flächenstaat wie Bayern brauchen wir unbedingt schnelle Testmöglichkeiten und Entscheidungen an Ort und Stelle", so Westphal der Pressemitteilung zufolge. "Ein politisch abgestimmter Weg ist wichtig, wenn wir bei dem noch andauernden Exit aus dem Lockdown erfolgreich sein wollen. Finanzielle Mittel seitens des Freistaats und des Bundes sind hierfür notwendig, um die Infrastrukturen im Gesundheitswesen zu verbessern und die eigene Industrie zu fördern."

Nach Worten des geschäftsführenden Direktors der Alfmeier-Gruppe, Markus Gebhardt, hat dem Treuchtlinger Unternehmen die Unterstützung der beiden Mandatsträger "sehr geholfen, die technologisch anspruchsvolle Fertigung für Schnelltests nach Bayern zu holen". Für den massiven Ausbau der Fertigungskapazitäten sei Planbarkeit notwendig. "Bayern, die Region und die Alfmeier-Gruppe erfahren einen starken wirtschaftlichen Impuls, der zukunftsträchtige Hochtechnologie hier vor Ort verankert", so Gebhardt.

tk / psh E-Mail

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