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Freitag, 18.10.2019

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Alles raus: Stadtkrankenhaus Treuchtlingen wird leergeräumt

Teil des Inventars des ehemaligen Gesundheitszentrums geht in den Kosovo - 11.03.2019 05:56 Uhr

Das geschlossene Treuchtlinger Stadtkrankenhaus wird gerade ausgeräumt. Ein Teil der medizinischen Geräte, die schon länger nicht mehr in Gebrauch waren, gehen in den Kosovo. © Benjamin Huck


An eine Operation ist in den früheren OP-Sälen nicht mehr zu denken. Die Deckenlampen sind abgeschraubt und liegen auf dem Boden, das OP-Besteck stapelt sich in Kisten auf dem Gang und der "Reinraum" wird seinem Namen auch nicht mehr gerecht. Obwohl die Gegenstände für deutsche Maßstäbe vielleicht alt sind, werden sie in anderen Ländern benötigt, etwa im Kosovo, meint der Gunzenhäuser Frauenarzt Dr. Thomas Sattler. Er bereist die arme Balkangegend bereits seit 20 Jahren und weiß, wie es dort um die medizinischer Versorgung steht. Nachdem das Ende des Krankenhauses absehbar war, fragte er bei der Stadt an, was denn mit der Einrichtung geschehe – und stieß auf offene Ohren.

Denn bislang hatte die Stadt nur für die Bürostühle und -tische eine Verwendung, ein Teil der Ausrüstung der Geriatrie ging auch wieder zurück ans Klinikum Altmühlfranken. Doch für die Ausstattung der OP-Säle hatte zunächst niemand mehr Verwendung. Sattler hat deshalb seinen kosovarischen Bekannten, Dr. Fatos Muhaxhiri, kontaktiert. Der möchte mit den Gerätschaften, die es für einen kleinen Obolus gab, eine neue Station in einem Krankenhaus in der kosovarischen Hauptstadt Pristina aufbauen.

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Ende 2018 hat das Stadtkrankenhaus Treuchtlingen geschlossen. Seit dem Frühjahr 2019 werden die Stationen und die Operationssäle ausgeräumt und abgebaut. Ein Blick hinter die Kulissen.


Vergangene Woche hat er mit anderen Kollegen aus dem Balkanstaat und dem Hausmeister des Treuchtlinger Krankenhauses gut eineinhalb Tage Lampen abgeschraubt und die bis zu 30 Jahre alten Teile zurechtgelegt, die dann in einem 40-Tonner landeten. Da Sattler seinen kosovarischen Medizinerkollegen gut kennt, ist er sicher, dass die Ausstattung in guten Händen ist. Positiver Nebeneffekt für die Stadt: Sie spart sich die Kosten für Ausbau und Entsorgung.

Taulant und Fatos Muhaxhiri (von rechts) aus dem Kosovo freuen sich über das ausgediente Inventar des Stadtkrankenhauses, das sie auf Vermittlung von Dr. Thomas Sattler aus Gunzenhausen (links) erhalten haben. © Benjamin Huck


Denn bis zum Jahresende muss das Krankenhaus komplett leer sein, schließlich wollen die Bezirkskliniken Mittelfranken dort in den nächsten Jahren eine psychosomatische Fachklinik einrichten. Auch Treuchtlingens Bürgermeister Werner Baum sieht es positiv, dass die Geräte noch weiter ihren Dienst tun können. Er wurde auch von einer Pflegerin mit mazedonischem Familienhintergrund aus dem städtischen Altersheim gefragt, ob Möbel und Material für ein Gesundheitszentrum in dem südosteuropäischen Land zur Verfügung stünden. Eine Entscheidung über den Vorschlag stehe momentan allerdings noch aus. 

Zwar sind die ehemaligen Stationen nun dunkel und menschenleer, dennoch stehen einige Stühle und Möbel auf den Gängen herum. Wie der städtische Geschäftsleiter Christian Kundinger berichtet, gehen diese an städtische Einrichtungen, so sie denn benötigt werden. Im Anschluss sollen noch die Feuerwehren und dann die Vereine gefragt werden, ob sie etwas vom Inventar benötigen. Die Einrichtung der ehemaligen Kapelle hat sich die katholische Kirchengemeinde gesichert. 

Trotz aller Ausräumarbeiten: Das medizinische Versorgungszentrum und die internistische Praxis im ersten Stock (beziehungsweise im Erdgeschoss, wenn man vom aktuellen Eingang in der Oettinger Straße kommt), bleiben zumindest bis zum Jahresende 2019 am Standort bestehen.

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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