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Altmühltaler-Mitarbeiter stehen unter Beschuss

Der Treuchtlinger Getränkekonzern wehrt sich gegen Übergriffe und das Bürgerbegehren - 08.06.2019 06:04 Uhr

Dicht drängen sich die Dächer der Firma Altmühltaler neben dem Treuchtlinger Stadtschloss (rechts), ein kleiner Turm ist regelrecht „umzingelt“ (vorne). Zwei Drittel des Areals sollen beim Umzug an die Heusteige frei werden. Für die Wasseraufbereitung könnten allerdings weitere Tanks (hinten mittig) hinzukommen. Von sechs spricht Bürgermeister Werner Baum, andere Quellen behaupten bis zu zwölf. © Patrick Shaw


Lange kam aus der Altmühltaler-Zentrale nur wenig zum Streit über die Erhöhung der Mineralwasserförderung. Selbst zur Bürgersprechstunde erschien kein Vertreter des Getränkeriesen. Man schien sich rechtlich auf der sicheren Seite zu sehen. Nun hat das Bürgerbegehren "Stopp zum Raubbau am Tiefengrundwasser", das vorerst bis Samstag, 8. Juni, läuft, die Geschäftsführung aber doch aus der Reserve gelockt. Und das Verhalten der Gegner: Denn als Altmühltaler-Mitarbeiter muss man sich inzwischen offenbar so einiges gefallen lassen.

Im Fünfminutentakt rollen die Getränkelaster aus den Toren der Treuchtlinger Firma Altmühltaler Mineralbrunnen. Das „Rätsel“, warum einige Lastwagen trotz der Beschilderung am Rathaus rechts in Richtung Zentrum abbiegen, ist nun immerhin gelöst. Bürger hatten gemutmaßt, dass so der „Leidensdruck“ der Anlieger noch verstärkt und deren Zustimmung zu den Umsiedlungsplänen erwirkt werden sollten. Tatsächlich hat Altmühltaler aber schon seit 2010 eine Ausnahmegenehmigung der Stadt für die zwei werkseigenen Pendel-Laster, die sonst bis zum Thermalbad-Kreisverkehr fahren und dort wieder wenden müssten, um zum bisherigen Zwischenlager in der Waldhauserhalle zu kommen. Diese Erlaubnis gilt nach wie vor. Alle externen Transporter müssen sich dagegen an das Linksfahrgebot halten, wie Bürgermeister Werner Baum und Polizeichef Dieter Meyer bestätigen. Ob es manche trotzdem nicht tun, werde derzeit geprüft. © Patrick Shaw


"Leider werden mittlerweile Mitarbeiter unseres Hauses in der Öffentlichkeit angegangen", schreiben die beiden Altmühltaler-Chefs Günter Kutschera und Alexander Pascher in einer Stellungnahme. Das gehe teils "so weit, dass man Auszubildende am Postschalter körperlich berührt und als Umweltzerstörer bezeichnet". Dafür habe man kein Verständnis. Nach Ansicht des Unternehmens herrscht in der Bevölkerung "nach wie vor eine hohe Unwissenheit".

Dem begegnet Altmühltaler nun mit einem eigenen "Faktencheck" aus Firmensicht, der Teilen unserer heutigen Ausgabe beiliegt. Darin betont die Geschäftsführung zunächst, dass der Probebetrieb "beschränkt und jederzeit widerrufbar" sei. Laut Landesentwicklungsprogramm solle Tiefenwasser zudem explizit "solchen Zwecken vorbehalten bleiben, für die Wasser von besonderer Reinheit (...) erforderlich ist (Heilwasser, Mineralwasser, Thermalwasser)".

Genau das treffe auf die Pläne für den Nagelbergbrunnen zu. Dessen Nutzung für die öffentliche Wasserversorgung sei im Notfall durch eine Einspeisemöglichkeit dennoch gesichert. Die strenge Mineral- und Tafelwasserverordnung garantiere überdies, dass das Wasser ausschließlich als Lebensmittel verwendet wird.

Prüfer sollen unabhängig sein

Was die Menge angeht, rechnet Altmühltaler vor, dass die Mehrentnahme während des Probebetriebs lediglich bei jährlich 1,25 bis 3,75 Prozent des schon jetzt von den 35 Nutzern aus der Grundwasserschicht geförderten Volumens liege. Der Start mit einer geringeren als der später vorgesehenen Jahresmenge ermögliche es den Behörden zudem, schon bei kleinen Veränderungen einzugreifen. Altmühltaler verpflichte sich, "ein großflächiges und regelmäßiges Monitoring mit unabhängigen Hydrogeologen aufzubauen".

Mehr zum Wasserstreit in Treuchtlingen

Mit Blick auf die Kritik am Abgabepreis, den der Stadtrat (nichtöffentlich) mit dem Unternehmen vereinbart hat, verweisen Pascher und Kutschera darauf, dass auch beim Leitungswasser "weniger als 20 Cent pro Kubikmeter auf den eigentlichen Wasserbezug entfallen". Altmühltaler soll inoffiziellen Informationen zufolge etwa zehn Cent pro Kubikmeter zahlen. Die verbleibende Differenz erklärt die Firma mit den Kosten für den Ausbau des Brunnens und der Leitungen. Unter dem Strich zahle man "in etwa genauso viel wie der Endverbraucher in Treuchtlingen".

Als "schlichtweg falsch, geschäftsschädigend und oft wohl unseriösen Quellen entnommen" bezeichnet Altmühltaler die Vorwürfe in Sachen Geschäftsmodell. Das Unternehmen nutze Brunnen in ganz Deutschland, sodass es kaum längere Transportwege gebe, was "sowohl ökonomisch als auch ökologisch am sinnvollsten ist". Der Einsatz von Plastikflaschen senke dabei das Gewicht, was gegenüber Glas für weniger CO2-Ausstoß sorge. Zudem hätten PET-Einwegflaschen in Deutschland "eine Rücknahmequote von 98 Prozent".

Bürgerbegehren auf der Zielgerade

Und was hat die Stadt Treuchtlingen davon? Die von der neuen Fördermenge abhängige Investition "im sehr hohen zweistelligen Millionenbereich" in die Aussiedlung sehen Kutschera und Pascher als Garanten für rund 200 Arbeitsplätze samt Steuereinnahmen und Kaufkraft sowie für die Entwicklung der Stadtmitte. Man habe sich "bereiterklärt, die Stadt bestmöglich zu unterstützen". Wesentlich dürfte dabei neben den frei werdenden Flächen die Verbannung des Lastverkehrs aus dem Zentrum sein.

"Unser Unternehmen ist seit mehr als 120 Jahren in der Getränkebranche aktiv", schließen die beiden Geschäftsführer. "Allein das zeigt, dass wir eine langfristige und nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgen." Das Bürgerbegehren sei deshalb entschieden abzulehnen.

Das sehen etliche Treuchtlinger indes anders. Mehr als 900 hatten gestern am frühen Nachmittag laut den Verantwortlichen des Begehrens unterschrieben, und man sei zuversichtlich, die nötigen rund 1000 Stimmen zu erreichen. Zwar hatten sich die Initiatoren den Pfingstsamstag, 8. Juni, als Zielmarke gesetzt – rein rechtlich gibt es aber keine Abgabefrist, und die Gruppe kann nächste Woche einfach weiter sammeln.

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